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Eine moderne, zivilisierte Gesellschaft von dessen Vorteilen wir täglich profitieren ist kein Geschenk Gottes, sondern eine von Menschen erkämpfte Errungenschaft. Das war nur möglich dank herausragender Vordenker der Vergangenheit und ihrer überdurchschnittlichen Geistesleistung. Es war ihr Verdienst, welcher Licht in die Dunkelheit von Unwissenheit und Aberglaube brachte und den Weg für die Aufklärung ebnete. Einige von diesen stellen wir Ihnen hier vor. Die wichtigsten Bücher wurden schon geschrieben, nur sie zu lesen, hat die Menschheit vergessen.
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"Und sie bewegt sich doch!" - Das Zeitalter der Aufklärung
"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen!" Mit diesen Worten, die in der Dezemberausgabe der "Berlinischen Monatsschrift" von 1784 veröffentlicht wurden, fasste der Königsberger Philosoph Immanuel Kant die Ziele der Aufklärung zusammen. Ausgehend von neuen wissenschaftlich-technischen Erkenntnissen entwickelte sich im 17. Jahrhundert ein neues Weltbild, das die vorgefertigten Erklärungen, wie sie in der Bibel zu finden waren, ablehnte. Nun wurde die kritische menschliche Vernunft zur Quelle allen Wissens erklärt. Deshalb bezeichnet man die Aufklärung auch als "Zeitalter der Vernunft" oder als "Rationalismus" (lat. ratio = Vernunft). Die Naturwissenschaftler erkannten, dass die gesamte Welt nach immer gleichen Gesetzen funktioniert, die der Mensch mit der Hilfe seiner Vernunft beobachten kann. So ist es ihm möglich, die Natur in gesetzmäßige Zusammenhänge zu stellen und kritisch überprüfbare Regeln aufzustellen. Schnell stellten sich durch diese neuen wissenschaftlichen Methoden Erfolge ein: So entdeckte der italienische Naturgelehrte Galileo Galilei zu Beginn des 17. Jahrhunderts mit neu entwickelten Fernrohren die Richtigkeit der alten Theorie, dass alle Planeten - also auch die Erde - um die Sonne kreisen. Er wurde bald von der Kirche, die glaubte, dass die Erde der Mittelpunkt des Universums sei, angeklagt und sollte seine Behauptungen widerrufen. Seinen Widerruf widerrief er jedoch dann auch wieder mit den berühmt gewordenen Worten: "Und sie bewegt sich doch." Erst 1992 hat die katholische Kirche die Richtigkeit der Entdeckungen Galileis offiziell anerkannt. Und auch in anderen Bereichen der Wissenschaft standen die neuen Erkenntnisse in Gegensatz zu der - noch mittelalterlich geprägten - Weltsicht der Kirche, die sich auf die Bibel stützte. So kam es oft zum Streit zwischen der Kirche und den Wissenschaftlern, die gelegentlich sogar das Land verlassen mussten. Auch die Kirche selbst wurde Untersuchungsgegenstand der Rationalisten. Vor allem die klassischen Gottesbeweise wurden kritisch untersucht und von einigen Gelehrten abgelehnt.
Die grundsätzliche Richtigkeit des Rationalismus zeigte sich vor allem in der Fülle der theoretischen Entdeckungen durch so überragende Forscher wie Newton (Mathematik, Physik, Astronomie), Descartes (Mathematik, Philosophie), Leibniz (Mathematik, Philosophie, Technik), Kepler (Astronomie), Fahrenheit (Physik, Technik), Watt (Technik), de Montgolfier (Technik) u. v. a. Die technischen Geräte, die aufgrund der naturwissenschaftlichen Forschungen konstruiert wurden, funktionierten und bewiesen die Richtigkeit der Forschungsergebnisse, so z.B. die Addiermaschine, der Blitzableiter, die Dampfmaschine, der Heißluftballon, das Mikroskop, das Teleskop usw. Vor allem in den protestantischen Staaten hatten die Aufklärer großen Erfolg. Das gesamte Menschenbild änderte sich. Der Wert eines Menschen wurde immer weniger nach seinem Stand und seiner Herkunft, sondern mehr und mehr nach seinen Möglichkeiten und Leistungen bemessen. Die Aufklärer forderten Bildung für alle Menschen, um die oftmals auf Unwissenheit beruhende Unvernunft zu bekämpfen. Einige Herrscher griffen die Ideen der Aufklärer auf, ließen Schulen bauen und errichteten "Akademien der Wissenschaften" (Paris 1635, London 1660, Berlin 1700).
Bald gaben sich die Aufklärer jedoch nicht mehr mit naturwissenschaftlichen Forschungen zufrieden, sondern kritisierten - wie der herausragende französische Vordenker Voltaire - die bestehenden Gesellschaftssysteme. Schnell stießen sie auf die Frage nach der unter vernünftigen Gesichtspunkten besten Staats- und Regierungsform. Dabei stand nun nicht mehr - wie im Mittelalter - die Frage einer gottgewollten Ordnung im Mittelpunkt, sondern die Frage nach der für alle Menschen besten Form des menschlichen Zusammenlebens. Die hervorragendsten Denker und Begründer der modernen Staatslehre waren der Engländer John Locke und die Franzosen Charles de Montesquieu und Jean-Jacques Rousseau.
Ältere Staatstheoretiker wie der Engländer Thomas Hobbes waren noch sehr stark von den Ereignissen während der großen europäischen Glaubenskriege geprägt. Hobbes war der Auffassung, dass der Mensch an sich zur Gewalt neigt, wenn es keine starke Obrigkeit gibt, die für Ordnung sorgt. Der "Naturzustand" ohne staatliche Ordnung wäre demnach ein ständiger Kampf "jeder gegen jeden" ("Anarchie"). Deshalb haben die Menschen - so Hobbes - einen "Gesellschaftsvertrag" geschlossen, in dem sie sich zu einer Gesellschaft zusammenschließen und einem starken und unabhängigen Herrscher unterwerfen. Dies konnte nach Hobbes' Vorstellungen des 17. Jahrhunderts nur der von Gottes Gnaden eingesetzte absolutistische König nach dem Vorbild eines Ludwig XIV. von Frankreich sein.
Auch Locke ging bei seinen Überlegungen davon aus, dass die Menschen sich aus einem anarchischen Naturzustand heraus in einem Gesellschaftsvertrag zusammenschließen. Doch hatte die englische Geschichte des 17. Jahrhunderts gezeigt, dass die unbegrenzte Macht des Königs in die Tyrannei führte, wenn ihr keine Kontrolle und Begrenzung entgegengesetzt wird. Deshalb forderte Locke eine strenge Trennung der Staatsgewalt in eine gesetzgebende ("Legislative") und eine vollstreckende Gewalt ("Exekutive"). Jeder Herrscher sollte nach diesem Modell nur die Macht über eine Teilgewalt, die Exekutive bekommen. Die Legislative sollte vom Volk gewählt werden. Sollte der Herrscher versuchen, sich die gesamte, ungeteilte Staatsgewalt anzueignen, hat jeder Untertan das Recht auf Widerstand gegen den tyrannischen Herrscher. Damit hatte Locke die Grundlagen der Lehre von der Gewaltenteilung formuliert, die in der Folgezeit von Montesquieu verfeinert wurde. Er brachte mit der Rechtsprechung ("Judikative") noch eine dritte Teilgewalt in die Diskussion, die gleichberechtigt neben den beiden anderen steht und auch unbedingt unabhängig von diesen sein muss. Der Grundgedanke war, dass sowohl die gesetzgebende als auch die vollziehende Gewalt sich bei ihrer Arbeit an die geltenden Gesetze halten müssen. Deshalb braucht jeder Staat eine unabhängige Justiz, die darauf achtet, dass keine Teilgewalt sich widerrechtlich Befugnisse einer anderen Teilgewalt aneignet. Rousseau übte mit seiner noch radikaleren Staatstheorie bereits wieder Kritik am Rationalismus. Nach seiner Auffassung besitzt der Mensch im Naturzustand angeborene, unveräußerliche Rechte ("Menschenrechte"), die in einem Gesellschaftsvertrag gar nicht auf Dauer an einen Herrscher abgegeben werden können. Deshalb kann jede gesellschaftliche Übereinkunft nach Rousseau nur auf Zeit und für einen ganz bestimmten Zweck zustande kommen. Damit formulierte Rousseau die Idee einer Staatsgewalt, die grundsätzlich vom Volk ausgeht und auch direkt vom Volk ausgeübt wird. Alle Organe des Staates dürfen Teile dieser Staatsgewalt nur auf eine begrenzte Zeit innehaben und müssen sie nach dem Willen des Volkes anwenden. Die Monarchie, in der ein König bereits durch seine Geburt Macht erlangt, lehnte Rousseau ab. Mit ihren politischen Ausführungen gaben Locke, Montesquieu und Rousseau der politischen Weltentwicklung des 18. Jahrhunderts ein wichtiges theoretisches Fundament. Bereits die englische "Declaration of Rights" von 1689 war weitgehend auf den Ideen Lockes aufgebaut. Im Vorläufer der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, der "Virginia Bill of Rights", finden sich vor allem die Ideen Rousseaus sehr deutlich, während die Unabhängigkeitserklärung selbst schon wieder etwas offener formuliert wurde. Auch die Verfassungen der Französischen Revolution wären ohne die Arbeiten von Locke, Montesquieu und Rousseau so nicht zustande gekommen.
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Charles Darwin
Britischer Naturforscher, * The Mount ( Bei Shrewsbury) 12. Februar 1809, gest. 1809, Down House (heute zu London) 19.04.1882. Darwin nahm 1831-36 an einer Weltumsegelung teil. Aufgrund von Tierbeobachtungen auf dieser Reise, v.a. auf den Galapagosinseln, entwickelte er in dem Buch " Über den Ursprung der Arten durch natürliche Zuchtwahl" (1859) eine Evolutionstheorie ( Darwinismus), die zunächst sehr umstritten war, heute aber weitgehend anerkannt ist. Sie geht davon aus, dass alles Leben von einem gemeinsamen Urahn abstammen. Wie Darwin in seinem Buch "die Abstammung des Menschen" (1871) darlegte, sind auch die Menschen aus der Evolution der Lebewesen hervorgegangen. Die Ideen und Erkenntnisse Darwins wirkten umwälzend auf die Biologie und Evolutionstheorie ein.
Als Darwin seinerzeit seine Evolutionstheorie veröffentlichte, erfuhr er erbitterten Widerstand, insbesondere von den christlichen Kirchen. Die fundamental christliche Auslegung der Bibel sieht vor, das alles Leben nach dem Willen Gottes erschaffen und der Mensch ein Ebenbild Gottes sei. Darwins Theorie hingegen ging von einer Entwicklung aus, in der der Zufall immer wieder neue Lebewesen entstehen ließ, die sich nach den jeweiligen Lebensgrundlagen mehr oder weniger vermehrten. Bis zur Mitte des 20. Jahrhundert haben sich die Positionen von Wissenschaft und Kirchen einander angenähert: Die Kirchen akzeptieren weitestgehend die Evolutionstheorie, deuten aber die Entstehung neuer Lebewesen in der Evolutionsgeschichte als göttlichen Schöpfungsakt.
Seit dem späten 20. Jahrhundert wird jedoch der Darwinismus und die wissenschaftlich fundierte Evolutionslehre von fundamental christlich-evangelikalen Kreisen in Teilen der USA, sowie in weiten Teilen der muslimischen Welt bestritten und abgelehnt. Religiös fanatisierte Evolutionsgegner gehen von einer kreationistischen Schöpfungslehre aus.
Auf Grundlage von Bibel oder Koran wird diese als "wissenschaftliche Tatsache" umgedeutet. Religiöse Extremisten bezeichnen den Darwinismus und die Evolutionstheorie als "Waffe der Materialisten und Gottlosen" (Hüseyin Celik, rechtgläubiger Erziehungsminister in der Türkei). Wie wenig die Evolutionslehre heute selbst in den modernsten aller islamischen Länder akzeptiert wird, zeigt eine Umfrage aus dem Jahr 2006. In 34 Ländern wurde die Bevölkerung nach ihrer Einstellung zur Evolutionstheorie befragt. Die prozentual wenigsten Evolutionsbefürworter fanden sich dabei in der Türkei; nur jeder vierte Türke hielt Darwins Lehre für richtig. Nur knapp davor, auf Platz 33, landeten die Amerikaner. ( Der Spiegel, Nr.39, 2008, S. 145)
Reaktionäre Kreationisten konzentrieren ihren Kreuzzug gegen Darwin aktuell auf den Biologieunterricht an staatlichen Schulen, mit dem Versuch dort die monotheistische Schöpfungslehre, anstelle der Evolutionstheorie zu etablieren.
Die Konsequenzen für eine kreationistische Weltsicht würden einen Rückfall in die Intelektuelle Barbarei bedeuten. Die Menschheit braucht, um dauerhaft ihre Existenz gegen inhumanes Denken zu behaupten, einen evolutionären Humanismus durch Bildung. Nur durch diese ist die Menschheit in der Lage kulturelle Spielregeln aufzustellen und ein ethisches Gesellschaftsmodell zu konstituieren. Die Philosophie der Aufklärung, war auch immer eine Philosophie der Vernunft.
www.darwin-jahr.de
Evolutionstheorie
Die Entwicklung der Lebewesen von einfachen zu hochentwickelten Formen. Sie wird heute meistens mithilfe der von Charles Darwin 1859 begründeten und in den wesentlichen Punkten immer noch gültigen Abstammungslehre erklärt. Danach wird die Evolution von den Faktoren Mutation, Rekombination, und Selektion bestimmt:
Durch Mutationen, d.h. durch Veränderungen der Erbanlagen eines Lebewesens, können bei den Nachkommen neue Eigenschaften entstehen. Mutationen werden häufig durch Umwelteinflüsse ausgelöst.
Durch Rekombination werden die verschiedenen Erbanlagen bei der Fortpflanzung vermischt, sodass neue Merkmalkombinationen entstehen.
Aufgrund der Selektion kann sich das Lebewesen mit den vorteilhafteren Eigenschaften gegenüber den Artgenossen durchsetzen.
Von der Evolution zu den ersten Lebewesen mit Zellkern hat man heute folgende Vorstellungen: Auf der etwa 4,5 Milliarden Jahre alten Erde entstanden in den ersten 2 Milliarden Jahren an der Oberfläche der Urozeane aus den heißen Gasen einer sauerstofffreien Uratmosphäre ( z.B. Ammoniak, Schwefelwasserstoff, Methan ) unter Einwirkung energiereicher Ultraviolettstrahlen organische Zellbausteine ( Proteine, Nukleinsäuren usw.), die sich im Wasser anreicherten und die "Ursuppe" bildeten.
Zum Aufbau der ersten lebenden Zelle lagerten sich die Bausteine zusammen. Nahrungsgrundlage dieser bakterienähnlichen Zellen waren die Stoffe der "Ursuppe".
Als die Zellen sich stark vermehrten, wurde die Nahrung knapp, und nur durch die Photosynthese konnte sich das Leben auf der Erde weiterentwickeln. Cyanobakterien (Blaualgen) waren die ersten Zellen, die mithilfe des grünen Farbstoffs Chlorophyll Kohlendioxid und Wasser unter Ausnutzung der Lichtenergie zu Zellbausteinen umwandeln konnten und dabei als "Abfallprodukt" Sauerstoff an die Atmosphäre abgaben. Sie waren somit als Selbstversorger nicht mehr auf die "Ursuppe" angewiesen.
Der Sauerstoff in der Atmosphäre war die Voraussetzung für die Entwicklung höherer Lebewesen. Die Zellkernhaltigen Zellen ( Eukaryonten ) entstanden durch die Aufnahme von zunächst eigenständigen Bakterien, aus denen sich im Lauf der Zeit die wichtigsten Organellen, die Mitochondrien und bei den Pflanzen die Chloroplasten, entwickelten.
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Rene Descartes ( 1596-1650)
hat als erster die neuzeitliche Begründungsweise der Philosophie dargestellt, und zwar in seinen "Meditationen über die erste Philosophie" (1641). Der Terminus "Erste Philosophie" kommt von Aristoteles her. Erste Philosophie ist Metaphysik, diejenige philosophische Wissenschaft, die sich mit dem ersten und höchsten Seienden, mit Gott, befasst. Dazu bedarf es der Klärung des Problems, was Seiendes überhaupt ist. Descartes transformiert dieses alte aristotelische Problem. Er fragt, wie wir davon wissen können. Haben wir hiervon überhaupt ein gewisses und wahres Wissen? Descartes gibt der Grundlegung der "Ersten Philosophie" eine erkenntnistheoretische Wendung. Er fragt nicht mehr direkt nach dem Seienden, sondern nach dem Wissen, das wir von ihm haben.
Grundlegung der Philosophie ist deshalb identisch mit der Suche nach dem schlechthin gewissen und unerschütterlichen Fundament alles menschlichen Wissens.
Erst auf einen solchen nicht wankenden Grund kann der Bau des menschlichen Wissens systematisch errichtet werden. Begründung des Wissens heißt Rückgang auf den Menschen. Der ist aber ein endliches, fehlbares Wesen, das dem Irrtum ausgeliefert ist. Alles vorhandene menschliche Wissen muss daher einer kritischen Prüfung unterworfen werden. Die Methode dieses Prüfens ist der Zweifel, das Infragestellen des Anspruchs gegebenen Wissens, gewiss und wahr zu sein. Was aber ist das Fundament der Gewissheit und Wahrheit menschlichen Wissens? Auf diese Frage sucht Descartes eine Antwort. Er geht die Stufen und Formen des Wissens prüfend durch: das Wissen von sinnlichen Dingen, von mathematischen Sachverhalten, von Gott.
Nur ein Fall sei vorgeführt. Wenn ich behaupte, der Kreis sei viereckig, so kann ich mit gutem Grund den Wahrheitsgehalt dieser Aussage bezweifeln. Was aber in dieser Aussage selbst nicht unsinnig sein kann, ist die Tatsache, dass ICH selbst es bin, der diese Behauptung aufgestellt hat. Das ICH, das Aussagen macht, gleichviel ob diese wahr oder falsch sein mögen, ist der Ursprung und Grund allen Aussagens und damit auch von Gewissheit und Ungewissheit, Wahr und Falsch. Damit ist der Grund, das unerschütterliche Fundament alles Wissens entdeckt: die Selbstgewissheit des denkenden ICHS. Diese Selbstgewissheit des sich als denkenden Wesen wissendes ICHS ist - so Descartes - schlechterdings unbezweifelbar; denn sie ist der Boden, die Bedingung der Möglichkeit allen Zweifels. Das < Ich denke, also bin ich > ( corgito, ergo sum ) ist das Prinzip allen menschlichen Wissens und damit auch der Philosophie.
Rowohlts enzyklopädie "politische Philosophie" 1984,( Lektrot B. König) S. 114 - 113
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Denis Diderot
Der stark von Hume und den zum Materialismus neigenden englischen Assoziationspsychologen beeinflusst ist, war erklärter Atheist. Er wurde zum Führer der materialistischen Schule der französischen Aufklärung. Die Schriften dieser Männer haben damals die gebildete Welt in Aufruhr versetzt. Heute bemüht sich um ihre Erneuerung der dialektische Materialismus. Es gehören hierher Julien de La Mettrie mit seinem Buch L'homme machine (1748), Paul-Henri Holbach mit seinem Système de la nature (1770), Claude-Adrien Helvetius mit seinem Entrüstung hervorrufenden Buch Sur l'esprit (1758), der Sensualist Etienne Bonnot de Condillac mit seinem Traité des sensations (1754) und der radikalste dieser materialistischen Psychologen Georges Cabanis, der schlankweg erklärte: Körper und Geist sind unbedingt ein und dasselbe; es gibt nur eine Wissenschaft vom Menschen, und Physiologie, Psychologie und Ethik sind nur die drei Zweige dieser einzigen Wissenschaft.
"Die Toleranz ist im Allgemeinen die Tugend jenes schwachen Wesens, das dazu bestimmt ist, mit Wesen zusammen zu leben, die ihm gleichen. Dem Menschen, der durch seine Intelligenz so erhaben ist, sind zugleich durch seine Irrtümer und seine Leidenschaften so enge Grenzen Gesetz, dass man ihm den anderen gegenüber nicht genug von jener Toleranz, jener Duldsamkeit einflossen kann, deren er selbst so sehr bedarf und ohne die man auf der Erde nur Unruhen und Streitigkeiten sehen wurde"
„Wie traurig ist doch die Aufgabe, den Menschen Wahrheiten bewiesen zu müssen, die so klar und für sie von so großem Interesse sind, dass man seine Natur verloren haben muss, um sie nicht selbst zu erkennen!“ Diderot und D`Alember
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Albert Einstein
dt. Physiker ( ab 1901schweizerische, ab 1941 amerikanische Staatsbürgerschaft);
Ulm 14. März 1879 geboren, Princeton (New Jersey) Am 18.April 1955 gestorben. Einstein, ein aus Deutschland, wegen seiner jüdischen Abstammung, vertriebener, genialer Geist, auf dessen Kopf zur Zeit der Machtergreifung Hitlers eine Prämie von 50000 Reichsmark ausgesetzt war. Einstein ist der Schöpfer der epochemachenden Relativitätstheorie und war entscheidend an der Weiterentwicklung der Quantentheorie Max Plancks beteiligt. Neben vielen anderen Ehrungen erhielt er 1921 den Nobelpreis für Physik. Angesichts der von Deutschland ausgehenden nationalsozialistischen Bedrohung empfahl er trotz seiner grundsätzlich pazifistischen Haltung 1939 den USA die Entwicklung der Atombombe. Nach 1945 setzte er sich nachhaltig für den Abbau nuklearer Waffen ein. Einsteins ständiger Begleiter war der Geigenkasten, in den USA gab er auch öffentliche Violinkonzerte zugunsten von aus Deutschland geflohenen, und von den Nazis verfolgten Menschen.
Albert Einstein E = mc²
Zwillinge befinden sich am selben Ort. Der eine bleibt, der andere entfernt sich zunächst mit großer Geschwindigkeit, kehrt aber irgendwann die Bewegungsrichtung um, und kommt zurück.
Die Folge: Der zurückgebliebene Zwilling ist älter als der, der sich bewegt hat. Das " Zwillingsparadoxon" veranschaulicht ein seltsames Universum.
Unser Universum. Wenn man sagen darf, dass ein Naturwissenschaftler jemals so etwas wie eine Explosion der Kreativität erlebt hat, dann lässt sich dieser Ausbruch bei Einstein genau datieren: Es waren rund 15 Wochen im Jahre 1905.
Am 18.März jenes Jahres ging bei der angesehenen Fachzeitschrift " Annalen der Physik" Der Aufsatz eines bis dahin nahezu unbekannten Physikers und Angestellten des Züricher Patentamtes ein, der sich seit vier Jahren in seiner Freizeit mit wissenschaftlichen Problemen beschäftigte.
Albert Einstein führte darin die Lichtquanten ein und erklärte den photoelektrischen Effekt: Das Licht könne nicht nur Welle, sondern auch Teilchen sein ( für diese Schrift sollte er 16 Jahre später den Nobelpreis bekommen). Am 11. Mai schickte der geborene Ulmer ein weiteres Papier ein: Eine Theorie der Brownschen Bewegung ( der Bewegung kleinster Teile, hervorgerufen durch den Zusammenstoß mit Molekülen. Der "Freizeittheoretiker" bestätigte damit, dass Atome keineswegs theoretisches Konstrukt sind, sondern real existieren. Am 30.Juni schließlich erhielten die Herausgeber der "Annalen der Physik" von Einstein eine Schrift mit dem Titel zur " Elektrodynamik bewegter Körper". Hinter diesem unspektakulären Titel verbarg sich eine kurze Abhandlung, die zwar nicht die Welt veränderte - wohl aber die Art, wie wir die Welt zu sehen haben. Hier entwickelte Einstein seine Spezielle Relativitätstheorie, mit der emblematisch gewordenen Formel E = mc²
Die Lichtgeschwindigkeit ist in dieser Gleichung die universelle Konstante; sie ist für alle Beobachter gleich (unabhängig von deren Bewegung ) : also eine unüberschreitbare Geschwindigkeitsgrenze. Einstein war der erste, für den Raum und Zeit nicht mehr zwei getrennte Dimensionen sind, sondern untrennbar miteinander verbunden. So hat etwa wie beim " Zwillingsparadoxon" die Bewegung im Raum Einfluss auf den Ablauf der Zeit.
Er war der erste Mensch, der "die Zeit in den Raum holte". Dachte man sich die Zeit bis dahin als eine Art Fluss, der absolut und stets gleichmäßig fließt, beschrieb Einstein die Zeit als ein relatives Phänomen. Er zeigte auch die Äquivalenz von Energie und Materie und lieferte die Formel, nach der das zu berechnen sei: E=mc² Geoepoche Nr.1 1999, S.158
Einstein: Religion ist kindischer Aberglaube
Ein bislang unveröffentlichter Brief von Albert Einstein beendet die Debatte über seine religiösen Ansichten.
In dem Brief sagt er: „Das Wort Gottes ist für nicht mehr, als der Ausdruck und das Produkt menschlicher Schwächen. Die Bibel ist eine Sammlung ehrbarer, aber dennoch primitiver Legenden, welche doch ganz schön kindisch sind. Keine Interpretation, wie feinsinnig sie auch sein mag, kann das (für mich) ändern.“
„Für mich ist die jüdische Religion wie jede andere der Inbegriff des kindischsten Aberglaubens. Und das jüdische Volk, dem ich gerne angehöre und dessen Mentalität ich mit einer großen Verbundenheit gegenüberstehe, hat für mich keine andere Qualität als alle anderen Völker.“
Wir ent-missionieren: Regionalgruppe Köln/Bonn/Düsseldorf des Förderkreises der Giordano-Bruno-Stiftung
http://giordanobrunostiftung.wordpress.com
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Sigmund Freud
1. „ Wenn die Wahrheit der religiösen Lehren abhängig ist von einem inneren Erlebnis, das diese Wahrheit bezeugt, was macht man mit den vielen Menschen, die ein solches Erlebnis nicht haben ?
Wenn der Eine aus einem Ihn tief ergreifenden extatischen Zustand die unerschütterliche Überzeugung von der realen Wahrheit der religiösen Lehren gewonnen hat, was bedeutet das für die Anderen? Alle in dieses Credo ist nur als Selbstbekenntnis interessant, als Machtanspruch ist es ohne Verbindlichkeit. Es gibt keine Instanz über der Vernunft.“
2.“ In der Religion kann der Mensch ein Kind bleiben, in der Sehnsucht nach einem göttlichen Vater werden Schutz und Geborgenheit erlebt, Ohnmacht und Hilflosigkeit werden verringert. So werden die Menschen in infantiler Weise ihr ambivalentes Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit auf Gott projizieren, darin erleben sie die Erfüllung ihrer stärksten Illusionen. Daher sind die religiösen Lehren die illusionäre Erfüllung der ältesten und stärksten Wünsche der Menschheit, die Kraft dieser Lehren liege in der Intensität dieser Wünsche.“
Traumdeutung, der Schlüssel zum Unbewussten
1899 veröffentlichte Sigmund Freud seine „Traumdeutung“ und begründete damit nicht nur die Psychoanalyse, sondern veränderte für immer die Alltagskultur. Seither gelten Träume als Erfüllungsprojektionen von Wünschen, die ins Unbewusste verdrängt sind. Zwar hatten schon Nietzsche und andere über das Unbewusste spekuliert, doch Freud war der erste, der einen systematischen Zugang dazu fand.
Er sah die Psyche als eine Art Schlachtfeld im Streit zwischen dem primitiven, aggressiven, sexuell bestimmten Wilden und dem sozialisierten Zivilisationsmenschen in uns. Zu den archaischen Trieben gehöre z.B. die sexuelle Lust auf Vater oder Mutter oder die bis zum Tötungswunsch gesteigerte Geschwisterrivalität – was sich die meisten Menschen nie einzugestehen wagten und deshalb ins Unbewusste verdrängten, aber damit nicht auslöschten. Der unerfüllte Wunsch treibe uns an – im besten Fall dazu, ihn durch sublimere, zivilisatorisch akzeptable Handlungen zu befriedigen.
Durch die Psychoanalyse wollte Freud Unbewusstes bewusst machen. Die passende Methode, die freie Assoziation, prägte dann Carl Gustav Jung, sein begabtester Schüler und späterer Rivale, entscheidend mit: Der Patient hat eine Expedition ins eigene Unterbewusste zu unternehmen; spontane Assoziationen zu Traumbildern, bestimmten Wörtern oder Vorstellungen konnten ihm zeigen, was sich tatsächlich dahinter verbirgt. Heute betrachten Experten manche Thesen Freuds kritisch. Gleichwohl sind dessen Erkenntnisse längst Allgemeingut geworden – gewissermaßen in das kollektive Unterbewusstsein eingedrungen.
Geo Epoche Nr.1 1999
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Johann Wolfgang von Goethe
„ Es bleibt wahr: Das Märchen von Christus ist Ursache, dass die Welt noch zehntausend Jahre stehen kann, Und Niemand zu Verstand kommt.“
Die Wette des Mephisto
" Er nennt´s Vernunft und braucht´s allein / Nur um tierischer als jedes Tier zu sein".
"Das Hauptgeschäft zustande gebracht", notierte der alte Mann am 22.Juli 1831 erleichtert in seinem Tagebuch. Rund sechs Jahrzehntelang hatte Johann Wolfgang von Goethe - mit großen Unterbrechungen allerdings- an seinem "Faust" gearbeitet, gerade sechs Monate an dessen Vollendung ist er gestorben.
Die Geschichte des Doktor Faustus, eines Gelehrten aus dem 16.Jahrhundert, war schon bald nach dessen Tod zur populären Legende geworden - vermengt mit bis ins Mittelalter zurückreichenden Sagen um "Teufelsbündnisse".
Die Figur Faust wurde mal negativ als gottloser Wissenschaftler gesehen, mal positiv als Befreier aus sperrigen religiösen Traditionen. Zur vieldeutigen, universellen und daher bis heute faszinierenden Gestalt machte sie aber erst Goethe. Der hatte erste Skizzen dazu wohl schon niedergeschrieben, bevor ihn die 1774 verfassten " Leiden des jungen Werther" zum gefeierten "Literaischen Meteor" machten.
1790 veröffentlichte Goethe - der viele Jahre der Minister des Herzogs von Sachsen- Weimar gewesen war und das durchaus "Scheissige dieser zeitlichen Herrlichkeit". Kennengelernt hatte - seinen ersten Versuch über den genialen Gelehrten: "Faust, ein Fragment". 1808 erschien die stark überarbeitete nächste Version- jene Tragödie, die später als "Faust 1" bezeichnet wurde. In dieser Ausarbeitung war Faust zum personifizierten Zwiespalt geworden: Mephisto wettet mit Gott, dass er Faust auf seine Wege zwingen könne, und der Forscher geht auf den Pakt ein - in dem der Teufel ihm alles Wissen, alle Lust, allen Reichtum dieser Welt verspricht-, weil sein Erkenntnisdrang, seine Suche nach einer ganzheitlichen, grenzüberschreitenden Wahrheitserfahrung größer ist als die Angst vor einem höllischen Jenseits: Faust verpfändete seine Seele. Das Stück wurde sofort hoch gelobt - anders als " Faust II".
, der in Goethes Todesjahr 1832 erschien und in weit gespannten, manchmal fast surreal anmutenden Szenen die Geschichte des besessenen Wissenschaftlers zu Ende erzählt und ein eher zwiespältiges Echo auslöste. Der Ruhm des "Faust" überdauerte die Kritik. 1876, ein gutes Jahrhundert nach den ersten Entwürfen, wurden in Weimar erstmals beide Teile der Tragödie inszeniert.
Der Dichter verfügte im "Faust" souverän über die Traditionen und Regeln seines Metiers- und überwand sie zugleich mit neuen lyrischen, dramatischen und epischen Formen. Seine Figuren sprechen - je nach Situation - in barocken Alexandrinern
, in antiken Versmaßen, sogar in Knittelversen. So ist der "Faust" zum Charakteristikum für Goethes meisterhafte Vielfalt geworden: Er war zugleich ein Autor des Sturm und Drang und der Aufklärung, der Romantik und des Klassizismus. Er schuf ein lyrisches Werk von unerreichter Formenfülle, daneben Dramen in Prosa, Reim und freien Versen, Novellen, Briefromane und Autobiografisches; er publizierte Gespräche, Kritiken, Reden und sogar naturkundliche Schriften. Bis heute entzünden sich am "Faust" Diskussionen.- an dieser zwiespältigen, inzwischen längst sprichwörtlichen Gestalt. Goethe hat das vorhergesehen; 1831 notierte der Autor, er erwarte von seinem Drama, dass es ein offenbares Rätsel bleibe, die Menschen fort und fort ergötze und ihnen zu schaffen mache.
Geo Epoche 1999- Referat T.L.M.
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David Hume
„Will Gott das Böse verhindern, aber kann es nicht? Dann ist er unfähig.
Ist er fähig dazu, aber will es nicht? Dann ist er böswillig.
Will er es nicht und kann es auch nicht? Was ist dann der Teufel?”
Alle Bewusstseinsinhalte des Menschen beruhen auf sinnlichen Wahrnehmungen, und alles Erkennen besteht nur aus Verknüpfungen von Bewusstseinsinhalten, von denen wir nicht sicher wissen können, ob ihnen in der Wirklichkeit etwas entspricht.“
(David Hume, eine Untersuchung über den menschlichen Verstand , 1748 )
Ein wichtiger Gewinn, welcher aus der Philosophie kommt, besteht darin, daß sie das allein wirksame Gegengift gegen Aberglauben und falsche Religion liefert. Alle übrigen Heilmittel gegen diese verderbliche Krankheit sind vergeblich oder wenigstens unsicher. Schlichter gesunder Verstand und Weltkenntnis, welche für die meisten Vorfälle des Lebens ausreichen, erweisen sich hier als unwirksam: Geschichte und tägliche Erfahrung bieten Beispiele von Männern, welche, mit den größten Fähigkeiten für Geschäft und Leben ausgestattet, ihr Leben lang dem gröbsten Aberglauben knechtisch unterworfen geblieben sind. Selbst Heiterkeit und Milde des Temperaments, welche Balsam in jede andere Wunde gießen, bieten kein Heilmittel gegen ein so bösartiges Gift, wie besonders daraus hervorgeht, daß das schöne Geschlecht, obwohl es gewöhnlich mit diesen reichen Gaben von der Natur ausgestattet ist, so manchen Tag von jenem lästigen Eindringling verkümmert sieht.
[Hume: Über Selbstmord, S. 2. Quellen Philosophie: Empirismus, Skeptizismus, Rationalismus, Französische Aufklärung, S. 3252 (vgl. Hume-Dialoge, S. 145)]
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Jean-Jacques Rousseau
„ Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten. Einer hält sich für den Herrn der anderen und bleibt doch mehr Sklave als sie. Wie ist dieser Wandel zustande gekommen? Ich weiß es nicht. Was kann ihm Rechtmäßigkeit verleihen? Diese Frage glaube ich beantworten zu können. Wenn ich nur die Stärke betrachtete und die Wirkung, die sie hervorbringt, würde ich sagen: Solange ein Volk zu gehorchen gezwungen ist und gehorcht, tut es gut daran; sobald es das Joch abschütteln kann und es abschüttelt, tut es noch besser; denn da es seine Freiheit durch dasselbe Recht wiedererlangt, das sie ihm geraubt hat, ist es entweder berechtigt, sie sich zurückzuholen, oder man hätte keinerlei Recht, sie ihm wegzunehmen. Aber die gesellschaftliche Ordnung ist kein geheiligtes Recht, das allen anderen zur Grundlage dient. Trotzdem stammt dieses Recht nicht von der Natur; es beruht also auf Vereinbarungen.“
„Seitdem sich die Menschen herausgenommen haben, Gott eine Sprache zu verleihen, hat ihn jeder auf seine Weise sprechen und sich von ihm sagen lassen, was er gewollt hat.”
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Immanuel Kant
Die Kritik der reinen Vernunft
Immanuel verbrachte praktisch sei ganzes Leben im ostpreußischem Königsberg. Das Kind aus einfachen Verhältnissen studierte Naturwissenschaften, Mathematik lateinische Philologie, - und finanziert sich sein Studium, unter anderem durch Gewinne beim Billardspiel.
1781 veröffentlicht Kant „ die Kritik der reinen Vernunft“- die zunächst kaum beachtet wird. Doch als sechs Jahre später, eine erweiterte zweite Auflage erscheint, verändert sie die Philosophie so grundlegend, wie vielleicht kein Werk zuvor. Kants Frage: Wie können wir klüger werden als zuvor?
Seine Antwort: Dadurch, dass wir ständig Erfahrungen sammeln. Die Schwierigkeit dieser scheinbaren Banalität liegt darin, dass wir Erfahrungen nur dann sammeln können, wenn wir bereits über gewisse Erfahrungen verfügen. Was aber steht am Beginn dieser sich ein Glied nach dem anderen unendlich fortsetzenden Kette?
Kants Antwort : Bestimmte Erkenntnisse müssen dem Menschen von Anfang an a priori eigen sein, dazu gehören zum Beispiel die Anschauungsformen Zeit und Raum. Schon ein Baby muss irgendeine Vorstellung von der Welt haben, in der es lebt, von der Zeit, die unablässig verstreicht.
Daraus folgt, dass jeder Mensch Schöpfer seiner Welt ist. Es gibt nichts im Universum, dass wir gewissermaßen in Reinform sehen oder uns vorstellen können; alle Phänomene nehmen wir nur durch den Filter unseres Wissens wahr. Kant formulierte diesen Umstand der Dinge an sich, mit „ der Unerkennbarkeit des Seins“.
In der „Kritik der praktischen Vernunft“; die 1788 erscheint, liefert Kant dann eine Art „Bedienungsanleitung“ für den Alltag nach. Wie geht der Mensch mit seinem Wissen um? Wie kann er sein Wissen im praktischen Leben nützen? Was ist der Maßstab, was sind die Konsequenzen? Kants Antwort darauf ist der kategorische Imperativ. Der Mensch soll sein Verhalten nach vernünftigen Einsichten lenken - gemäß dem berühmt gewordenen Satz: „ Handle so, als ob die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung dienen könne.“
Mit seinen beiden „Kritiken“ zeigte Kant, dass die Erfolge der Naturwissenschaften, aber auch soziale und politische Umwälzungen ( wie etwa die französische Revolution) dem menschlichen Denken nicht alleine Erkenntnisse hinzufügten – sondern ihm ganz neue Dimensionen erschlossen. Kant charakterisierte in seinen Logikvorlesungen die Suche nach Wissen durch vier Fragen, mit denen die „weltbürgerliche Bedeutung“ der Philosophie zu überprüfen sei:
- Was kann ich wissen?
- Was soll ich tun?
- Was darf ich hoffen?
- Was ist der Mensch?
„ Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut,dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!"
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Thomas Hobbes
„ Freiheit bezeichnet ganz in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes das Fehlen jeden äußeren Zwangs. Ein solcher Zwang kann den Menschen oftmals hindern, das zu tun, was er möchte, er kann ihn aber nicht zwingen, jene Kräfte, die ihm noch geblieben sind, nach eigenem Ermessen und Belieben anzuwenden.“
(Thomas Hobbes vom Naturrecht : lex naturalis, als Richtlinie welche sich auf der Vernunft gründet und dem Menschen verbietet irgend etwas zu tun, was zur Zerstörung seines Lebens führt und ihn dazu zwingt der Vernunft abzuschwören, 1658)
"Die Philosophie ist Tochter deines Denkens und der ganzen Welt und wohnt in dir selbst; zwar noch nicht in klarer Gestalt, doch ähnlich der Erzeugerin Welt in ihrem gestaltlosen Anfang. Du musst verfahren wie die Bildhauer, die durch Bearbeitung der gestaltlosen Materie mit dem Meißel die Gestalt nicht bilden, sondern aus ihr herausholen.
Philosophie ist die rationelle Erkenntnis der Wirkungen oder Erscheinungen aus ihren bekannten Ursachen oder erzeugenden Gründen und umgekehrt der möglichen erzeugenden Gründe aus den bekannten Wirkungen".
"Abgeleitet wird aber dieser Satz aus der Begriffsbestimmung der Philosophie selbst, deren Aufgabe es ist, entweder die Eigenschaften der Körper aus ihrer Entstehung oder ihre Entstehung aus den Eigenschaften zu erforschen; wo es also kein Entstehen oder keine Eigenschaften gibt, hat Philosophie nichts zu tun. Daher schließt die Philosophie von sich die Theologie aus, ich meine die Lehre von der Natur und den Attributen Gottes, des Ewigen, Umgeschaffenen, nicht zu Erfassenden, in welchem nichts zusammengesetzt, nichts geteilt und nichts von Entstehung erkannt werden kann. Sie schließt ferner die Lehre von den Engeln und allen jenen Dingen aus, die man weder für Körper noch für Affektionen von Körpern hält; weil es auch bei ihnen keine Zusammensetzung oder Teilung, ebenso wenig wie ein Mehr so ein Weniger, d.h. wissenschaftliche Berechnung gibt. Sie schließt weiter die Geschichte sowohl der Natur als auch der Politik aus, wenngleich beide für die Philosophie höchst nützlich (ja vielmehr notwendig) sind, weil ihr Wissen nur auf Erfahrung oder Autorität, aber nicht auf wissenschaftliche Berechnung sich gründet. Sie schließt ferner jegliches Wissen aus, das aus göttlicher Eingebung oder Offenbarung stammt, da dieses nicht von uns durch Vernunft erworben, sondern durch göttliche Gnade im Augenblick (gewissermaßen durch einen übernatürlichen Sinn) geschenkt ist.
Sie schließt ferner nicht nur jede falsche, sondern auch jede nicht gut begründete Lehre aus; denn was durch richtiges Schließen erkannt ist, kann weder falsch noch zweifelhaft sein; daher scheiden auch die Astrologie, wie sie heutzutage im Schwange ist, und ähnliche prophetische Künste aus.
Endlich wird von der Philosophie die Lehre von der Verehrung Gottes ausgeschlossen, da wir von ihr nicht durch die natürliche Vernunft, sondern durch die Autorität der Kirche wissen und sie Gegenstand des Glaubens, nicht der Wissenschaft ist".
[Hobbes: Grundzüge der Philosophie, S. 8. Quellen Philosophie: Empirismus, Skeptizismus, Rationalismus, Französische Aufklärung, S. 495 (vgl. Hobbes-G1, S. 6)]
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John Locke
§ 1. (Die Untersuchung des menschlichen Verstandes ist unterhaltend und nützlich.) Indem der Verstand es ist, welcher den Menschen über alle andern lebenden Wesen erhebt, und ihm die Vortheile und Herrschaft gewährt, die er über sie besitzt, ist der Verstand, schon seines Adels wegen, ein Gegenstand, welcher sicherlich der Mühe einer Untersuchung Werth ist. Während der Verstand, gleich dem Auge, uns alle andern Dinge sehen und erkennen lässt, achtet er auf sich selbst nicht und es erfordert Kunst und Mühe, ihn sich gegenüber zu stellen und ihn zu seinem eigenen Gegenstand zu machen.
§ 1. (Da unser Wissen nicht ausreicht, brauchen wir noch etwas Anderes.) Da der Verstand dem Menschen nicht bloß zu wissenschaftlichen Untersuchungen, sondern auch zu seiner Führung im Leben gegeben ist, so würde er in großer Verlegenheit sich befinden, wenn nur die Gewissheit wahren Wissens ihn zu leiten vermöchte.
§ 2. (Was der Glaube und die Vernunft als Gegensätze sind.) Ich finde, dass jede Sekte von der Vernunft eifrig Gebrauch macht, so weit sie ihr dienen kann; wo das nicht mehr gehen will, da erheben sie den Ruf: Hier liegt eine Frage des Glaubens vor, die über die Vernunft geht. Indes sehe ich nicht ein, wie sie mit einem Andern sich streiten oder einen Gegner überführen wollen, der dieselbe Wendung gebraucht, so lange die Grenzen zwischen Glauben und Vernunft nicht genau festgestellt sind; dies muss also die erste Aufgabe bei allen Fragen sein, wo der Glaube beteiligt ist. In diesem Gegensatz zu dem Glauben fasse ich daher die Vernunft nur als das Mittel auf, um die Gewissheit oder Wahrscheinlichkeit solcher Sätze oder Wahrheiten darzulegen, zu denen man durch Ableitungen aus solchen Vorstellungen gelangt, welche durch den Gebrauch der natürlichen Fähigkeiten erlangt werden, d.h. durch Sinnes- und Selbstwahrnehmung. Der Glaube ist dagegen die Zustimmung zu Sätzen, welche nicht auf diese Weise aus der Vernunft abgeleitet sind, sondern wo man sich auf die Glaubwürdigkeit des Sprechenden verlässt, der sie von Gott auf eine außerordentliche Art mitgeteilt erhalten hat. Diese Art, den Menschen Wahrheiten mitzuteilen, heißt Offenbarung.
[Locke: Versuch über den menschlichen Verstand, S. 1144. Quellen Philosophie: Empirismus, Skeptizismus, Rationalismus, Französische Aufklärung, S. 2475 (vgl. Locke-Versuch Bd. 2, S. 275)]
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Friedrich Nietzsche
"Man sehe nur an, was der Gott der Liebe seinen Gläubigen für Tendenzen eingibt: sie ruinieren die Menschheit zugunsten des Guten."
"Wer wird sich den Schluss der Gläubigen nicht gefallen lassen, welchen sie gern machen: die Wissenschaft kann nicht Wahr sein, denn sie leugnet Gott. Folglich ist sie nicht aus Gott; folglich ist sie nicht wahr denn Gott ist die Wahrheit. Nicht der Schluss, sondern die Voraussetzung enthält den Fehler: wie, wenn Gott eben nicht die Wahrheit wäre, und eben dies beweisen würde? Wenn er die Eitelkeit, das Machtgelüst, die Ungeduld, der Schrecken, der entzückte und entsetzte Wahn der Menschen wäre?"
"Der freie Mensch ist unsittlich, weil er in allem von sich und nicht von einem Herkommen abhängen will: in allen ursprünglichen Zuständen der Menschheit bedeutet <böse> so viele wie individuell, frei, willkürlich, ungewohnt, unvorhergesehen, unberechenbar."
„Der Mensch des Glaubens, der Gläubiger jeder Art ist notwendig ein abhängiger Mensch – ein solcher, der sich nicht als Zweck, der von sich aus überhaupt nicht Zwecke ansetzen kann. Der Gläubiger gehört sich nicht, er kann nur Mittel sein, er muss „verbraucht“ werden, er hat jemand nötig, der ihn verbraucht.“
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„Der Begriff „ Gott“, erfunden als Gegensatz „ Begriff zum Leben,- in ihm alles Schädliche, Vergiftende, Verleumderische, die ganze Todfeindschaft gegen das Leben in eine entsetzliche Einheit gebracht! Der Begriff „Jenseits“, „ wahre Welt“ erfunden, um die einzige Welt zu entwerfen die es gibt, um kein Ziel, keine Vernunft, keine Aufgabe für unsere Erden-Realität übrig zu behalten! Der Begriff „ Seele“, „Geist“, zuletzt gar noch „unsterbliche Seele erfunden, um den Leib zu verachten, um ihn krank – „heilig“ – zu machen, um allen Dingen, die Ernst im Leben verdienen, den Fragen von Nahrung , Wohnung , geistiger Diät, Krankenhausbehandlung , Reinlichkeit, Wetter, einen schauerlichen Leichtsinn entgegenzubringen! Satt der Gesundheit das „ Heil der Seele“ – will sagen eine folie circulaire zwischen Bußkrampf und Erlösungs-Hysterie! Der Begriff Sünde erfunden samt dem zugehörigen Folter-Instrument, dem Begriff „freier Wille“, um die Instinkte zu verwirren, um das Misstrauen gegen die Instinkte zur zweiten Natur zu machen!“
Aus: Nietzsche , Ecce homo, „Warum ich ein Schicksal bin“, S. 8.
„Nietzsches dionysischer Monismus, seine Logik der Kräfte, seine genealogische Methode und seine atheistische Ethik rücken die Abkehr vom Christlichen in den Bereich des Möglichen und Vorstellbaren. Zum ersten Mal taucht in der westlichen Welt ein radikales und fundiert post-christliches Denken auf. Im Ecce homo schreibt Nietzsche (vielleicht aus Scherz?), dass sich durch ihn die Geschichte wie bei Christus in zwei Teile gliedert: Es gibt eine Zeit vor Ihm und eine Zeit nach Ihm. Dem Philosophen von Sils-Maria fehlen allerdings Paulus und Konstantin, der hysterische Handelsreisende und der über die Welt herrschende Kaiser, die den Glaubenswechsel zu einer wirklichen Weltveränderung machten. Aus historischer Sicht ist dies auch keineswegs wünschenswert. Denn der Sprengstoff von Nietzsches Gedanken wäre für jene ungehobelten Rohlinge, die nach wie vor die konkrete Geschichte bestimmen, eine allzu große Gefahr. Aber philosophisch gesehen hat der Vater von Zarathustra recht: Nach dem Erscheinen von Jenseits von Gut und Böse und dem Antichrist ist die Welt in ideologischer Hinsicht nicht mehr dieselbe. Nietzsche schlägt eine Bresche in das jüdisch-christliche Gebäude.“
Michel Onfray über Nietzsche, in „Wir brauchen keinen Gott“, 2006 Piper Verlag GmbH, München, ISBN 978-3-492-24949-2, S. 59 – 60.
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Bertrand Arthur William Russell
„Wenn ich behaupten würde, dass es zwischen Erde und Mars eine Teekanne aus Porzellan gäbe, welche auf einer elliptischen Bahn um die Sonne kreise, so könnte niemand meine Behauptung widerlegen, vorausgesetzt, ich würde vorsichtshalber hinzufügen, dass diese Kanne zu klein sei, um selbst von unseren leistungsfähigsten Teleskopen entdeckt werden zu können. Aber wenn ich nun weiterhin auf dem Standpunkt beharrte, meine unwiderlegbare Behauptung zu bezweifeln sei eine unerträgliche Anmaßung menschlicher Vernunft, dann könnte man zu Recht meinen, ich würde Unsinn erzählen. Wenn jedoch in antiken Büchern die Existenz einer solchen Teekanne bekräftigt würde, dies jeden Sonntag als heilige Wahrheit gelehrt und in die Köpfe der Kinder in der Schule eingeimpft würde, dann würde das Anzweifeln ihrer Existenz zu einem Zeichen von Exzentrizität werden. Es würde dem Zweifler, in einem aufgeklärten Zeitalter, die Aufmerksamkeit eines Psychiaters oder, in einem früheren Zeitalter, die Aufmerksamkeit eines Inquisitors einbringen.“
„ Der nächste Schritt bringt uns zum theologischen Argument. Sie alle kennen es: Die ganze Welt ist genauso beschaffen, dass wir darin leben können, und wenn sie nur ein wenig anders wäre, könnten wir nicht darin leben. Das ist das Argument der zweckmäßigen Weltordnung.(…)Wenn man das theologische Argument näher betrachtet , ist es höchst erstaunlich, dass Menschen glauben können, diese Welt mit allem, was sich darin befindet und mit all ihren Fehlern sei das Beste, was Allmacht und Allwissenheit in Millionen von Jahren erschaffen konnten. Ich kann das wirklich nicht glauben. Meinen Sie , wenn Ihnen Allmacht und Allwissenheit uns dazu Jahrmillionen gegeben wären, um Ihre Welt zu vervollkommnen, dass Sie dann nichts besseres als den Ku-Klux-Klan oder die Faschisten hervorbringen könnten?“
1.„ Wahrheit ist nur zu haben, wo sie unwichtig ist“
2. „ Jede Religion ist eine Entwürdigung des Menschen, denn sie hält diesen unmündig und unterdrückt sowohl die Intelligenz als auch die Moral. Die Menschen werden durch ständiges Schuldbewusstsein eingeschüchtert, so kommt es zu Wahnvorstellungen, zu abstrusem Hexenglauben und zu Teufelsängsten. Unzählige Menschen sind von fanatischen Gläubigen gequält und gemordet worden. Alle demokratischen Freiheiten der modernen Gesellschaft sind der christlichen Feudalreligion abgetrotzt worden. Daher sollte jede Form von Religion überwunden werden, denn sie behindert immerzu die Humanisierung der Lebenswelt. Ihre Basis ist die Furcht, und ihre Gegner sind Mut, Freiheit und Intelligenz.“
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Arthur Schopenhauer
" Was für eine schlaue Erschleichung und hinterlistige Insinuation in dem Wort Atheismus liegt! - als verstände sich der Theismus sich von selbst."
Schopenhauer weist darauf hin, dass ein Lebenslauf, wenn man ein fortgeschrittenes Alter erreicht hat und zurückblickt, den Anscheinen erweckt, als hätte er Stetigkeit, Ordnung und Planmäßigkeit besessen, so als sei er von einem Romanschriftsteller komponiert worden. Ereignisse, die, als sie geschahen, zufällig und momenthaft zu sein scheinen, erweisen sich als unerlässliche Faktoren in der Komposition eine zusammenhängende Geschichte. Aber: Wer hat diese Geschichte komponiert?
Schopenhauer meint, dass unsere ganzes Leben - genauso wie unsere Träume, die durch einen Aspekt unseres Selbst, dessen wir nicht Bewusst sind, Gestalt gewinnen - durch den Willen in uns geprägt ist. Und gerade so wie Mensch, denen wir offensichtlich rein zufällig begegnen, zu bedeutsamen Wirkungskräften in unserem Leben werden, so wird man selbst, ohne sich dessen bewusst zu sein, zu einem Wirkungsfaktor, der dem Leben der andere Bedeutung verlieht. Alles verbindet sich miteinander zu einer großen Symphonie, in der jedes Moment unbewusst jedes andere prägt.... ein großer Traum eines träumenden Einzelnen, in dem alle Traumgestalten ebenfalls träumen.....Alles steht in Wechselbeziehung zu allem anderen, so dass man niemanden verantwortlich machen kann. Ja, es ist sogar so, als stünde eine einzige Absicht hinter allem, die immer einen bestimmten Sinn ergibt, obwohl niemand weiß, welcher Sinn dies ist und ob man im Leben auch gelebt hat, was tatsächlich beabsichtig war. Joseph Campbell.
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Voltaire
„Man fürchtet eine neue Sekte, die sich in der Öffentlichkeit mit ihrem Gehorsam gegenüber der Obrigkeit schmückt, im geheimen aber Ränke schmiedet, um sich diesem Gehorsam zu entziehen; die lehrt, dass alle Menschen gleich seien, um sie alle gleichermaßen ihren neuen Riten zu unterwerfen; und die endlich mit der Begründung, man müsse Gott mehr gehorchen als den Menschen und die herrschende Sekte stecke voller Aberglauben und lächerlichen Zeremonien, das zerstören will, was vom Staat für heilig gehalten wird.“ VOLTAIRE
„Wenn es im Winkel irgendeiner Vorstadt einige Konvulsionärs gibt, so ist dies eine schmutzige Krankheit, die nur den niedrigsten Pöbel angreift. Die Vernunft dringt in Frankreich täglich weiter vor, sowohl in den Kaufmannsläden als den Häusern der Großen, und die Früchte dieser Vernunft muss man so lange pflegen, bis es unmöglich ist, ihr Fortdauerendes Wachstum wieder zu verhindern.“ Voltaire – „Über die Toleranz…“
Der Mensch beleidigt Gott, indem er seinen Nächsten tötet, sprecht ihr. Wenn das ist, so sind die Regierer der Nationen entsetzliche Verbrecher; denn aus erbärmlichem Eigennutz, um nichtswürdiger Interessen willen, die sie lieber aufgeben sollten, liefern sie eine unsägliche Menge von Ihresgleichen an die Schlachtbank und rufen obendrein Gott dabei an. Allein wie sollten sie (philosophisch gesprochen) Gott dadurch beleidigen?
Wir reden hier nicht von einem andern Widerspruch, der unserer schwachen Vernunft noch empörender erscheint. Wie kann Gott, der doch später das Menschengeschlecht durch den Tod seines einzigen Sohnes erlöst, oder der vielmehr, selbst zum Menschen geworden, für die Menschen stirbt, wie kann er, sag' ich, eben jenes Menschengeschlecht, für das er gestorben, fast ohne Ausnahme dem Schrecken ewiger Qualen preisgeben? Gewiss, betrachten wir dies System nur aus philosophischem Gesichtspunkte (ohne Beihilfe des Glaubens), so ist kaum etwas Entsetzlicheres und Abscheulicheres denkbar. Es macht Gott entweder zur Bosheit selbst, und zwar zur unendlichen Bosheit, die denkende Wesen geschaffen, um sie ewig unglücklich zu machen, oder zur Ohnmacht und Blödsinnigkeit selbst, die das Unglück ihrer Geschöpfe weder vorher zu sehen, noch zu verhüten vermocht.
Das moralische Übel, worüber man so viele Bände geschrieben, fällt im Grunde mit dem physischen völlig zusammen. Dies moralische Übel ist weiter nichts als ein schmerzhaftes Gefühl, das ein organisches Wesen dem andern verursacht. Räuberei, Beschimpfung etc. können nur für ein Übel gelten, insofern sie ein solches verursachen. Da wir nun aber sicherlich Gott nichts Böses zufügen können, so zeigt uns die Vernunft (abgesehen vom Glauben, der ganz etwas Anderes ist) auf das sonnenklarste, daß es in Beziehung auf das höchste Wesen kein moralisches Übel geben kann.
Da das größte aller physischen Übel der Tod ist, so ist jedenfalls das größte moralische Übel der Krieg. Er zieht alle Verbrechen nach sich: Schmähungen und Verleumdungen in den Kriegserklärungen, Treubruch in den Verträgen, Raub und Verheerung, Schmerz und Tod in allen Gestalten.
Voltaire war ein schlechter Fürsprecher der Moslems
Im Streit um die Mohammed-Karikaturen mit der moslemischen Welt wird im Westen gern auf die Aufklärung hingewiesen. In Fragen der Meinungsfreiheit und Toleranz wird dabei vor allem in Frankreich der Philosoph Voltaire (Francois Marie Arouet, 1694-1778) zitiert. Was die Toleranz gegenüber dem Islam betrifft, ist Voltaire jedoch ein schlechter Fürsprecher...
Er schrieb die noch heute umstrittene Tragödie „Le Fanatisme ou Mahomet le prophète“ (Der Fanatismus oder Mohammed der Prophet), die 1742 der Zensur zum Opfer fiel. Sie gilt auch heute noch als ein Schlüsseltext der europäischen Aufklärung, so Tilman Krause, Redakteur der „Literarischen Welt“.
1740 vollendet, 1742 uraufgeführt, in einem Akt maliziöser Diplomatie dem damaligen Papst Benedikt XIV. (Prospero Lambertini) gewidmet, der sie gütigst entgegennahm, wurde das Stück schnell zu einem Politikum der geistigen Welt. In Deutschland hat sich kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe für seine Verbreitung eingesetzt. Er selbst übertrug es 1802 ins Deutsche.
Voltaire selber wiederum hat bei der Entstehung Ermunterung durch den damaligen Vorzeige-Herrscher der Aufklärung, den Preußenkönig Friedrich den Großen, erfahren. In seinem „großen Brief“ an Friedrich II. vom Dezember 1740 hielt er zunächst einmal fest: „Ew. Majestät wissen, welcher Geist mich beseelte, als ich dieses Werk verfasste. Die Liebe zum Menschengeschlecht und das Grauen vor Fanatismus haben meine Feder geführt.“
Was Voltaire von Mohammed hielt, den er aus der Biographie Henri de Boulainvilliers kannte sowie aus einer englischen Übersetzung des Koran, lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Ich gebe zu, dass wir ihn hochachten müssten, wenn er, als legitimer Herrscher geboren oder mit Zustimmung der Seinen an die Macht gelangt, Gesetze des Friedens erlassen hätte. Doch dass ein Kamelhändler in seinem Nest Aufruhr entfacht, dass er mit ein paar Koreischiten (Stammesbrüdern) seine Brüder glauben machen will, dass er sich mit dem Erzengel Gabriel unterhielte; dass er sich damit brüstet, in den Himmel entrückt worden zu sein und dort einen Teil jenes unverdaulichen Buches empfangen zu haben, das bei jeder Seite den gesunden Menschenverstand erbeben lässt, dass er, um diesem Werke Respekt zu verschaffen, sein Vaterland mit Feuer und Eisen überzieht, dass er Väter erwürgt, Töchter fortschleift, dass er den Geschlagenen die freie Wahl zwischen Tod und seinem Glauben lässt: Das ist nun mit Sicherheit etwas, das kein Mensch entschuldigen kann, es sei denn, er ist als Türke auf die Welt gekommen, es sei denn, der Aberglaube hat in ihm jedes natürliche Licht erstickt.“
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Ludwig Feuerbach (1804-72)
Nicht Gott oder die Religion ist Grundlage des Staates, sondern der Mensch und seine Not. »Nicht der Glaube an Gott, die Verzweiflung an Gott hat die Staaten gegründet.« Was die Menschen zusammenführt, sei der Glaube an sie selbst. Wenn Gott der Herr ist, würde der Mensch sich auf ihn verlassen, statt auf den Menschen. Aber es bleibe uns nur der Mensch. Darum ist der Staat der »Inbegriff aller Realitäten«, das neue ens realissimum, ist das »allgemeine Wesen« und die »Vorsehung des Menschen«. Damit wird der Staat zur praktischen Widerlegung der Religion. »Der praktische Atheismus ist also das Band der Staaten«, und »die Menschen werfen sich gegenwärtig auf die Politik, weil sie das Christentum als eine den Menschen um seine politische Energie bringende Religion erkennen«. Man kann die Anschauung, die den Menschen an die Stelle Gottes rückt und dementsprechend Staaten bilden und Geschichte machen will, atheistischen Humanismus heißen. Aber es ist schade für das Wort Humanismus, das eine bessere Vergangenheit hat und im Menschen mehr sehen möchte als nur ein Sinnenwesen.
[Johannes Hirschberger: Geschichte der Philosophie: Zweiter Abschnitt: Die Philosophie der Gegenwart, S. 60. Digitale Bibliothek Spektrum Band 1: Hirschberger: Geschichte der Philosophie, S. 1939 (vgl. Hirschberger-Gesch. Bd. 2, S. 471) (c) Herder-Verlag]
Die Bestreitung Gottes
Feuerbach hat durch den Ausgangspunkt seiner Religionskritik, die Beim Bewusstsein des Menschen angesetzt, dem neuzeitlichen Atheismus die Grundrichtung vorgegeben
.
Feuerbach und Hegel
Feuerbach hat von 1824-1826 beim großen Philosophen Georg Friedrich Wilhelm Hegel (1770-1831) in Berlin Philosophie gehört. Hierbei hat er dialektisch denken gelernt, aber inhaltlich folgt er seinem Lehrer nicht, sondern kehrt das Hegelsche Denken gerade um.
Nach Hegel sind der absolute Geist, der in der Religion Gott genannt wird, das Prinzip der Wirklichkeit und die ganze Wirklichkeit selbst; der menschliche Geist ist mit dem absoluten Geist identisch, jedoch nur in der Form, das er die endliche Gestalt des absoluten Geistes ist – ein Moment in der Selbstentfaltung des absoluten Geistes zu sich selbst. Dagegen stellt Feuerbach die von Hegel gelehrte Beziehung zwischen dem absoluten Geist und dem endlichen Geist des Menschen auf den Kopf: Für ihn ist der konkrete menschliche Geist die einzige geistige Wirklichkeit und der absolute Geist - Gott – nur eine Erscheinung des endlichen Bewusstseins.
Der Kernpunkt der Lehre Feuerbachs:
Feuerbach bringt seine Lehre in einem kurzen Satz auf den Begriff:
„Die Theologie ist Anthropologie“,
Das heißt:
- In dem Gegenstand der Religion, der griechisch „theos“ und deutsch „ Gott“ genannt wird, sprechen sich nichts und anderes aus als das Wesen des Menschen.
- Der Mensch verhält sich in der Religion nur zu sich selbst als einem absolut gesetzten Wesen. Gott ist das vergöttlichte Wesen des Menschen.
Der Gläubige weiß natürlich nichts davon. Er täuscht sich selbst und glaubt, wirklich von Gott als der höchsten Macht abhängig zu sein.
Wie kommt es zu diesem Irrtum?
Laut Feuerbach entsteht die Religion aus einem psychologischen Widerstreit im Inneren des Menschen,daher legt er eine psychologische Erklärung der Religion zu Grunde:
- Einerseits ist das Bewusstsein jedes Menschen bestimmt vom „ Gefühl“ der Endlichkeit. Der Mensch erfährt ständig seine Begrenztheit, und die schmerzlichste Erfahrung und Kränkung des Egos ist die, sterben zu müssen.
- Andererseits wird das geistig-seelische Leben des Menschen geprägt von einem nicht moralischen, sondern natürlichen „Egoismus“. Jeder Mensch hängt – von Natur aus und unbewusst – an seinem Leben: Er liebt es, und er möchte ein erfülltes und unbeschränktes Leben führen können.
Der dem Menschen nicht bewusste Widerstreit zwischen dem Endlichkeitsgefühl und der Liebe zu sich selbst wird gelöst durch die Produktion oder „Projektion“der Einbildungskraft:
- Sie setzt die Idee vom unbeschränkten menschlichen Leben aus dem Menschen heraus und verkörpert sie in der Vorstellung eines real existierenden unendlichen Wesens, d.h. in der Vorstellung Gottes.
- Damit schafft sie ein absolutes Prinzip, das dem an seiner Endlichkeit leidenden, in seinem „ Egoismus“ verletzten Menschen Trost und Hoffnung gibt.
Der Zweck von Feuerbachs Lehre
Feuerbach betont, dass der Zweck seiner Religionskritik „ nichts weniger als nur negativer, verneinender“ (Vorlesungen über das Wesen der Religion, S.31) ist. Feuerbach will mit seiner Kritik die Religion zerstören und aufhebeln, weil Religion – als Glaube an ein phantastisches Scheinwesen- falsch ist; aber der eigentliche Zweck ihrer Zerstörung ist; das wirkliche Wesen des Menschen zu bejahen und anzuerkennen:
Erst der von Gott befreite Mensch kann die Möglichkeit seines Menschseins ausschöpfen.
„ Aus Kammerdienern der himmlischen Monarchie“ sollen „freie, selbstbewusste Bürger der Erde“ (ebd.) werden.
(Bernhard Oßwald, Abitur-Wissen Gotteslehre, S. 23-25 . Ernst Klett Verlag GmbH, Stuttgart 2000, ISBN 3-12-929574-7)
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Spinoza
Benedictus de Bento Despinoza, Philosoph geb. 24.11.1632 in Amsterdam, gest. am 21.02.1677 in Haag. Seine Vorfahren waren aus Portugal eingewanderte Juden. Spinoza selbst wurde 1656 wegen „ schrecklicher Irrlehren“ aus der jüdischen Gemeinde ausgestoßen.
Spinoza wendet in der Abfassung seines Hauptwerks, „ der Ethik“, in rigoroser Weise die von Descartes geschaffene Methode an. In Spinozas Sicht der Dinge führt nur die mathematische Denkweise zur Wahrheit. Je mehr der menschliche Geist weiß, desto besser erkennt er seine Kräfte und die Ordnung der Natur, umso leichter kann er sich selbst leiten, sich eigene Regeln geben und sich von nutzlosen Dingen, wie von Determinierung durch Gesetzesreligionen zurückhalten. In der Natur kann es nichts geben, was ihren Gesetzen widerspricht, vielmehr geschieht alles nach bestimmten natürlichen und realen Gesetzen, und dies in dem Maße, das bestimmte (Aus-) Wirkungen ausschließlich in einer unumstößlichen Verkettung von physikalischen Gesetzmäßigkeiten hervorgebracht wird. Daraus folgt, das nach Spinoza, die Seele, sobald sie ein Ding oder einen Sachverhalt begreift, kontinuierlich dieselben Wirkungen objektiv hervorzubringen im Stande ist. Denn die Seele ist selbst nur ein Teil der alles umfassenden Natur, der immateriellen Substanz, die sich uns in zwei Attributen offenbart: Ausdehnung und Denken ( Res.), Materie und Geist; alle Ideen sind Modi. Das „Sein“ ergibt sich ausschließlich aus der Symbiose dieser beiden Substanzen, außer der es kein „ Sein“, oder „Sich Selbst-Bewusst-sein“ geben kann und auch keine Gottesvorstellung im Denken.
„Deus sive natura“, die Natur selbst, ist nach Spinozas Vorstellung Gott.
Spinoza vertritt einen strengen Determinismus. Die Menschen halten sich für frei, weil sie sich ihrer Determiniertheit nicht bewusst sind. Gut und Böse sind nur Charakteristika für Beziehungen, die wir selbst zwischen den Dingen herstellen.
„Sub specie aeternitatis“ – Das Böse existiert nicht, ergo auch keine Hölle oder himmlische Paradise.
Die Lehre Spinozas fand zunächst wenig Anklang, durch einen Streit zwischen F.H.Jacobis mit Moses Mendelson über den Spinozismus Lessings wurde das Interesse an Spinoza allgemeiner. Durch Herder und Goethe gelangte der Spinozismus zu hohem Ansehen.
Weitere Schriften: Abhandlung über die Vervollkommnung des Verstandes (1677), Theologisches –politisches Traktat (1670), Sämtliche Werke (lat.); hrsg. Von Vloten und Land, 2 Bde.,1882 – 1883, 1914 in 4 Bdn; kritische Ausgabe von C. Gebhardt, 4Bde.,1925. Dt. Gesamtausgaben erschienen bei Recalm, 5 Bde., 1887, und in Felix Meiners Phil. Bibl.,3Bde., 1922; „S.-Brevier“, hrsg. v. A. Liebert, 1918; Die Ethtik, Schriften und Briefe, KTA Bd. 24. Ethik, dt. 1955; The Road to inner Freedom, 1957.
T.L.M. ( Ergänzungen) für VAF,
vgl. Kröner –Philosophisches Wörterbuch von Hrg. Georgi Schischkoff 21. Auflage – Stuttgart 1982, Taschenbuchauflage; Bd. 13 ( ISBN 3-520-01321-5)
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Das Testament des Abbé Meslier
Alle Religionen sind Nichts Als Irrtümer, Einbildung und Betrug
„(…) all dies, was in der Welt als Gottesdienst und Andacht feilgeboten und praktiziert wird, nichts als Irrtum, Täuschung, Einbildung und Betrug ist; alle Gesetze, alle Vorschriften, die im Namen und mit der Autorität Gottes oder der Götter erlassen werden, sind in Wahrheit nichts als menschliche Erfindungen, nicht weniger als alle diese schönen Schauspiele der Festlichkeiten und Messopfer oder Gottesdienste und alle diese anderen abergläubischen Verrichtungen, die von Religion und Frömmigkeit den Göttern zu Ehren vorgeschrieben sind (…)“
Das Testament des Abbé Meslier – Vermächtnis der Gedanken und Ansichten von Jean Meslier, Priester, Pfarrer von Etrépigny und Balaives, über einen Teil der Irrtümer und Missstände in der Lenkung und Leitung der Menschen, wo rinnen sich klare und deutliche Beweise für die Eitelkeit und Falschheit aller Gottheiten und aller Religionen der Welt finden, das nach seinem Tod seinen Pfarrkindern zukommen soll, damit es ihnen und Ihresgleichen als Zeugnis der Wahrheit diene
In testimonium illis et gentibus
(Matth.10,18)
„Mesliers „ Testament“ zeichnet sich dadurch aus, dass hier zum ersten Mal in umfassender und systematischer Weise radikale Herrschaftskritik und radikale Religionskritik eine organische Verbindung eingehen. Im Grunde beginnt mit dieser kritischen Offenlegung religiöser und gesellschaftlicher Herrschaftssynthese der eigentliche sozial- und subjektemanzipatorische „Diskurs der Moderne“. So begegnen wir bei Meslier- im Unterschied zu den meisten Autoren der späten Aufklärungsphilosophie – weder deistischer Rückversicherung noch der Utopie einer aufgeklärten Monarchie oder aber ´grenzenloser´ Fortschrittsgläubigkeit. Genaugenommen liegt mit dem „ Testament“ bereits zu Beginn der Aufklärungsepoche ein radikal-atheistischer Diskurs vor, der – trotz seiner konkret-historisch bedingten Grenzen – im späteren 18. Jahrhundert nicht mehr übertroffen, sondern nur noch auszugsweise plagiiert wird. Im Gesamtkonzept der Aufklärung betrachtet, besteht die Spezifik Mesliers in der Verbindung zweier Grundsätzlicher Positionen: Nur bei ihm wird die radikale Kritik der bestehenden Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse mit dem Aufruf an die Unterdrückten verbunden, sich zum Kampf gegen die herrschenden zusammenzuschließen und als Subjekt emanzipatorischer Gesellschaftsveränderung zu formieren. Und nur er richtet den Atheismus gegen die Grundlagen zwischenmenschlicher Herrschaftsverhältnisse: Die Überwindung der Religion wird als Grundvoraussetzung der Verbesserung von Gesellschaft und Individuum angesehen (H. Krauss 2005, Das Testament des Abbé Meslier, S.28 f.)“
Mit freundlicher Genehmigung des Autors, Hartmut Krauss Osnabrück HINTERGRUND Verlag
Nachdruck des Meslier-Textes des Suhrkamp Verlages Frankfurt am Main.
Osnabrück 2005 – ISBN 3-00-015292-X
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