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A K T U E L L A K T U E L L A K T U E L L A K T U E L L A K T U E L L A K T U E L L A K T U E L L
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"Alles liegt jetzt offen auf dem Tisch, Gott und sämtlichen Religionen der Welt. Alles wird jetzt nach dem Standard beurteilt ob etwas Realität ist, oder ob die Religionen das sagen haben. Alle Religionen der Welt werden unter der Lupe genommen."
Michael Ruppert |

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Wenn wir uns bedroht fühlen, gibt es drei Möglichkeiten – wir können beispielsweise die Flucht antreten, dann ist Angst die treibende Kraft. Wir können uns auch dem Kampf stellen, dann sind Aggression und Gewalt (-bereitschaft) die motivierenden Faktoren, die eine Selbstbehauptung in Aussicht stellen. Und drittens ......
"Die Quellen der Gewalt" - Rollo May |
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Quo Vadis Türkei?

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Das ist keine neue Einsicht, und daß die europäische Kultur in Griechenland verwurzelt ist, eine so hinlänglich bekannte Tatsache, daß darüber kein weiteres Wort zu verlieren wäre, es sei denn der Hinweis, daß das Studium von Literaturen in nationalen Zusammenängen solche transkulturellen Prozesse eher verschleiert als ermöglicht.
Was wir europäische Kultur nennen, ist ein ziemlich hybrides Gebilde, dennoch haben in Europa bei aller Eigentümlichkeit und Verschiedenheit der einzelnen Nationen etwa viertausend Jahre Geschichte "einen auffallend ähnlichen Geist der Sprache, der Verfassungen, Gebräuche und Einrichtungen" hervorgebracht, die Friedrich Schlegel "in vielen übrig gebliebenen Spuren der frühern Zeit, den gleichartigen und gemeinschaftlichen Ursprung ihrer Kultur" verorten zu können glaubte.Dazu kommt noch eine gemeinschaftliche von allen übrigen sehr abweichende Religion. Außerdem ist die Bildung dieser äußerst merkwürdigen Völkermasse so innig verknüpft, so durchgängig zusammenhängend, so beständig in gegenseitigem Einflusse aller einzelnen Teile; sie hat bei aller Verschiedenheit so viele gemeinschaftliche Eigenschaften, strebt so sichtbar nach einem gemeinschaftlichen Ziele, daß sie nicht wohl anders als wie ein Ganzes betrachtet werden kann.
Peter Horn |
Der Gründungsmythos des europäischen - abendländischen Kulturkreises.
Agenor kam nach Phoinikien, heiratete Telephassa und zeugte als Tochter Europe. Sie war die schönste Frau auf die Welt. Einst spielte Europa, die Tochter des Königs mit ihren Freundinnen auf einer Blumenwiese am Meeresstrand. Zeus, der Herrscher des Olymps, verliebte sich sofort in Europa wegen ihres wunderschönen Aussehens. Unterdessen überlegte Zeus, wie er Europa verführen könne, ohne dass sie merke, dass er Zeus ist. Er verwandelt sich in einen weisen Stier. So konnte er der nichts ahnenden Europa unerkannt erscheinen. Als er auf der Wiese erschien, wurde der gut gebaute muskulöse Stier von Europa sofort entdeckt. Europa näherte sich dem scheinbar so harmlosen Tier mit großer Schnelligkeit. Sie murmelte leise: "So einen zahmen Stier habe ich noch nie gesehen." Europa streichelte den Stier. Das vielleicht leichtsinnige Mädchen schwang sich auf den Rücken des bis jetzt harmlosen Stieres. Doch als das geschah, sprang der jetzt nicht mehr so freundliche Stier mit der armen Europa in das Meer und schwamm nach Griechenland.
Als Europe verschwunden war, sandte Agenor seine Söhne aus, sie zu suchen; er verbot ihnen zurückzukehren, bevor sie Europe gefunden hätten. Mit diesen ging auch ihre Mutter Telephassa auf die Suche, auch Thasos, ein Sohn des Poseidons oder, nach Pherekydes, des Kilix. |
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Was ist "Europa"?
Geografisch gesehen bildet die europäische Landmasse (ca.10,5 Millionen km², zusammen mit Asien den Kontinent Eurasien. Europa hat etwa 680 Millionen Einwohner, 45 Länder und gehört zu den dichter besiedelten Teilen der Erde. Sie ist der westliche bzw. linke „Arm” des größten Kontinents unserer Erde. Europa erstreckt sich vom Nordkap bis nach Kreta und von Island zum Ural. Im Osten ist sie vom Ural-Gebirge und seinem Fluss, dem Kaspischen Meer, Kaukasus und dem Schwarzen Meer von Asien abgegrenzt. Mehr als 90 Prozent der Einwohner Europas sprechen indogermanische Sprachen. Am weitesten verbreitet sind slawische, germanische und romanische Sprachen.
Europa ist durch seine Geschichte zu einem eigenständigen Kontinent geworden, die im Folgenden kurz beschrieben wird. Mit der Ausbreitung des römischen Reiches unter Kaiser Augustus und seinen Nachfolgern wurde ein erster Anstoß zur Entwicklung einer europäischen Kultur gegeben. Die Römer brachten ihre Art zu Leben, ihre Sitten und Gebräuche aus dem Mittelmeerraum u.a. nach Nordeuropa. Nach dem Untergang des römischen Reiches u.a. aufgrund der germanischen Völkerwanderung, vermischte sich die römische mit der germanischen Zivilisation. Die Ausbreitung des Christentums bildete dabei eine vereinigende Klammer. Mit der Festigung des "Fränkischen Reiches" unter Karl dem Großen (768 bis 814 n.Chr.) wurde diese Entwicklung zunächst zementiert. Das fränkische Reich verstand sich als "Bewahrer und Verteidiger" des Christentums und trug es auch in die östlichen Gebiete. Der politische Schwerpunkt Europas hatte sich aus dem Mittelmeerraum endgültig nach Nordeuropa verlagert.
Die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus und die Kirchenspaltung durch die Reformation durch Martin Luther beendeten das Mittelalter und führten zu einer Phase der Instabilität in Europa. Dennoch regierte Kaiser Karl V. um 1500 zunächst noch über ein Reich, in dem die Sonne niemals unterging, da er neben dem römisch-deutschen Kaiserreich auch über Spanien und seine amerikanische Kolonie regierte. Die europäische Kultur wurde über die Grenzen des Kontinents hinausgetragen. Mit der französischen Revolution von 1789 begann die einzelstaatliche und demokratische Entwicklung Europas.
Zahlreiche Nationalstaaten entstanden und rangen in Kriegen um die Vorherrschaft in Europa. Der Wiener Kongress versuchte nach der Niederlage Napoleons 1814-1815, Europa politisch neu zu ordnen. Man versuchte erfolglos ein Machtgleichgewicht zwischen den europäischen Staaten herzustellen, indem man Grenzen verschob. Erst die Katastrophe des 1. und des 2. Weltkrieges förderte schließlich die Idee, "Europa" friedlich zu vereinigen. Die kriegerischen Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien zeigten jedoch, dass auch dieser Prozess noch nicht abgeschlossen ist. Dennoch leitete der europäische Einigungsprozess eine Phase des friedlichen Zusammenlebens in Europa ein, die einzigartig ist.
Ein Europäisches Bewusstsein, also die Vorstellung dass Europa nicht nur eine geographisches Größe ist, sondern auch eine historisch. kulturelle Einheit bildet, gab es in der Antike nur in Ansätzen. Das Römische Reich umfasste auch Teile Nordafrikas und Vorderasiens; es hinterließ jedoch mit der christlichen Religion und der lateinische Sprache zwei wesentliche Eckpfeiler für die künftige Entwicklung des westlichen Europas. Am Ende des Mittelalters, das mit der adligen Grundherrschaft, dem Lehnswesen, sowie dem Ritter- und Mönchtum neue gemeinsame Grundstrukturen ausgebildet hatte, zerfiel Europa in Nationen. Zugleich entstand aber auch eine Vielzahl von Leitbildern, die die nationalstaatliche Zersplitterung des „Abendlandes“, eine Quelle ständiger Kriege, zu überwinden suchten.
Nach dem dreißigjährigen Krieg wurden etwa Stimmen laut, die einen „ewigen Frieden“ in Europa anmahnten. Die Philosophen der Aufklärung erstrebten im 18. Jh. eine europäische Rechts- und Friedensordnung in Form eines Völkerbundes. Bis ins 19.Jh. konzentrierte sich die europäische Politik jedoch auf die Herstellung und Erhaltung des Gleichgewichts.
Der Europagedanke nahm erst institutionelle Gestalt an, als durch die Erfahrung der beiden Weltkriege im 20. Jh., die Bereitschaft zu einem engen Zusammenschluss der Staaten geweckt wurde. Nach dem 1. Weltkrieg entwickelte sich erstmals eine europäische Einigungsbewegung. Der Publizist Richard NikolausGraf Coudenhove-Kalergi (1894-1972) begründete 1923 in Wien die Paneuropa-Union, die die Bildung der „Vereinigten Staaten von Europa“ erstrebte. Der Plan des französischen Außenministers Aristide Briand einen europäischen Bund souveräner Staaten und einen gemeinsamen Wirtschaftsmarkt zu schaffen, scheiterte 1939.
Die europäische Union (EU) hat ihre Ursprünge in drei Gemeinschaften. Im Jahre 1951 schlossen sich Belgien, Niederlande, Luxemburg (die Beneluxstaaten), die Bundesrepublik Deutschland, Italien und Frankreich zur Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS/Montanunion) zusammen, um einen gemeinsamen Markt für Kohle und Stahl zu schaffen.
Die ungebrochene Attraktivität der europäischen Integration beweist nicht zuletzt die Tatsache, dass die europäische Gemeinschaft seit ihrer Gründung auf inzwischen 25 Mitgliedstaaten angewachsen ist. 1973 traten Dänemark, Großbritannien und Irland bei, 1981 Griechenland, 1986 Spanien und Portugal, 1995 Finnland, Österreich und Schweden, 2004 Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, die Slowakische Republik, Slowenien, die Tschechische Republik, Ungarn und Zypern.
Das Wohlstandsgefälle zwischen Ost und West, sowie die staatliche Zersplitterung Osteuropas, häufig mit nationalen Konflikten und Bürgerkriegen verbunden, erschwerte jedoch die von mehreren Staaten dieser Region angestrebte Einbindung in den europäischen Einigungsprozess. Doch auch in den einzelnen Mitgliedstaaten selbst, stieß das Zusammenwachsen zur europäischen Union – etwa bei Einführung des Europäischen Wirtschafts-und Währungsunion (EWWU) – auf Widerstand, war es doch mit spürbaren Kompetenzverlusten der nationalen Regierungen verbunden. Aufgrund mangelnder Transparenz bei europäischen Prozessen und Entscheidungen sank zudem die Akzeptanz bei den Bürgern, in deren Leben die Gemeinschaftsorgane immer starker eingriffen. Unmittelbar demokratisch legitimiert ist derzeit nur das Europäische Parlament, die wichtigsten Entscheidungs- und Rechtsetzungs-Organe sind jedoch weiterhin die Europäische Kommission und der Rat der Europäischen Union.
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Die Aufklärung
Die Aufklärung als direkte Folge und Erbe der italienischen Renaissance bezeichnet im allgemeinem einen individuellen und gesellschaftlichen Emanzipationsprozess, der zwischen dem 17. und 18 Jh. in Europa stattfand. Eine, die verschiedenen Gebiete der intellektuellen Kultur durchdringende Philosophie der Vernunft oder "Rationalismus" (lat. ratio = Vernunft), die die herrschende christliche Dogmatik ablehnte und eine Epoche des wissenschaftlichen Aufschwungs eröffnete.
Das Aufklärungszeitalter, das nach den Taten der Großen im Reiche des Geistes nunmehr anbricht, glaubt an die Errungenschaften der Neuzeit und will sie auf das Leben anwenden. Dieser Glaube und Wille sind charakteristisch für die Aufklärung. Zunächst aber schlug die neue geistige Bewegung, und um eine solche handelt es sich, nicht nur um die Ideen einiger weniger, hohe Wellen. Die Breitenwirkung an Stelle des Tiefganges bringt aber auch wieder ein Plus mit sich, den Bildungsidealismus nämlich, der darin liegt, daß weiteste Kreise ein geistiges Leben führen und zu einem wissenschaftlichen Selbst- und Weltverständnis kommen wollen. Der Glaube an die Errungenschaften der Neuzeit und der Wille zu einem davon inspirierten Fortschritt erzeugten notwendig den Gegensatz zur Tradition, und das in vieler Hinsicht. Besonders spürbar war der Gegensatz zu den überlieferten weltanschaulichen, kirchlichen und sozialen Verhältnissen. Natur, Mensch und Menschenrechte, Vernunft und Wissenschaft, Humanität und Freiheit sind die neuen Schlagworte, und gewöhnlich bedeuten sie eine Absage an die alten herrschenden Mächte. Das Aufklärungszeitalter ist urgeschichtlich und träumt ähnlich wie die Stoa von einem Ideal- und Universalmenschen, bei dem Natur und Vernunft das Beste machen, was sich aus dem Menschen machen läßt. Verbreitet das Licht der Vernunft, und Tugend und Glück werden sich die Hände reichen, das ist der allgemeine Glaube der Aufklärer. Je nach den einzelnen Nationen ergeben sich aber nicht unbeträchtliche Varianten.
1. Die englische Aufklärung
Zwei große Ideenkomplexe sind für die englische Aufklärung bezeichnend: der Deismus und der Liberalismus.
Der Terminus Deismus besagt Gottesglaube. Das ist aber nur die Hälfte von dem, was er wirklich meint. Er hat nämlich einen besonderen Gott im Auge. Die seit der Begründung der klassischen Physik immer wieder gehörte Rede von der Weltmaschine, vom Kausalnexus und seiner absolut notwendigen Gesetzmäßigkeit im Ablauf der Geschehnisse im gesamten Weltprozeß färbte auf den Gottesgedanken dahin ab, daß viele sich Gott nur noch vorstellen konnten als den Gott des Mechanismus. Er habe die Weltmaschine geschaffen, das gab man noch zu; aber dann lief sie von selbst, ohne Unterbrechung und ohne jede Unregelmäßigkeit.
Spricht die Religion, besonders natürlich das Christentum, von »übernatürlichen« Dingen, so müßte eine solche Rede symbolisch verstanden werden. Sie könnte in Wirklichkeit nichts anderes als Natürliches meinen. Die echte Religion läge eben in der Vernunft und in ihr allein. Darum sei das Christentum so alt wie die Menschheit, sei nichts Besonderes, sondern etwas allgemein Menschliches, und die Bibel darum nur die nochmalige Verkündigung der Vernunftreligion. Schon bei Herbert von Cherbury († 1648)gibt es diese Vernunftreligion. Jetzt aber, in der Aufklärungszeit, bildet sie geradezu den Zeitgeist. Das zeigen bereits die Buchtitel der englischen Deisten. John Toland schreibt 1696 sein Christianity not mysterious, und Matthews Tindal 1730 sein Christianity as old as creation, or the gospel a republication of the religion of nature. Die detaillierte Ausführung der Vernunftreligion gestaltet sich bald mehr rationalistisch, bald mehr glaubens- und gefühlsmäßig. Sehr früh, schon 1697, heißen diese Männer sich Freidenker, und vor allem nennen die Freimaurer sich so. Daß man irreligiös sei, wie kirchlich orientierte Stimmen immer wieder entgegenhielten, wollte man nicht gelten lassen. Im Gegenteil, man erblickte in der Vernunftreligion die wahre Religion; alles andere wäre Aberglaube. Gelegentlich allerdings wurde die Vernunftreligion auf die höheren Schichten eingeschränkt. Lord Bolingbroke († 1715) z.B. will dem Volk seine herkömmliche Religion erhalten wissen; nur feinere Geister dürften Freidenker sein; sonst wäre die Freidenkerei eine Pest.
Eine zweite charakteristische Idee der englischen Aufklärung ist der Liberalismus, und zwar Liberalismus in einem typisch individualistischen Sinn. Man hatte von Locke gelernt. Seine Theorien über die Naturrechte des Individuums, die durch nichts, auch durch keinen Staatsvertrag aufgehoben werden könnten, sondern unveräußerliche Urrechte jedes Menschen seien, seine Forderung der Teilung der Staatsgewalt, um ja allen Auswüchsen vorzubeugen, und seine pädagogischen Ideen von der freien Entwicklung der Persönlichkeit ohne Zwang und Schema fielen auf den englischen Inseln auf ein fruchtbares Erdreich. Seit der Magna Charta libertatum (1215) war England das Land des Kampfes für die Freiheit geworden. Durch Locke wurde es vollends zum Lehrmeister der westlichen Welt in Sachen der Freiheitsidee. Die staatsphilosophischen Gedanken Lockes werden nämlich durch Montesquieu und Voltaire und seine pädagogischen durch Rousseau auf das Festland herüberverpflanzt und nun mit einem Temperament propagiert, das ihren Autor in Schatten stellt. Sie erobern sich Europa, greifen über auf Amerika, und hier ist es, wo der Liberalismus Lockes heute am reinsten verkörpert wird. Freilich nicht nur hier; denn der Freiheitsgedanke der Aufklärung und ihre Rede von den Menschenrechten sind Ideen geworden, die so ziemlich in allen Verfassungen der Neuzeit, in den sogenannten Grundrechten, verankert wurden.
2. Die französische Aufklärung
Die französische Aufklärung ist radikaler als die englische. In weltanschaulicher Hinsicht schlägt mit schneidender Schärfe der Atheismus und Materialismus durch; in Sachen der Religion tritt an die Stelle einer ruhigen Kritik eine bissige Frivolität, die das Christentum weniger verbessern als beseitigen will; und in der Politik wartet man nicht auf die Evolution, sondern schreit nach der Revolution und führt sie so durch, daß nur die davon Begünstigten nicht über die Fragwürdigkeit ihrer Parolen aufgeklärt werden. Alles um der Vernunft, der Freiheit und des Fortschrittes willen.
Bahnbrechender Vorläufer der französischen Aufklärung ist Pierre Bayle (1647-1705), der Verfasser des vielgelesenen Dictionnaire historique et critique, das Gottsched (1741-44) ins Deutsche übersetzt hat. Er liefert der ganzen Zeit das Waffenarsenal, vor allem den Geist der Skepsis und Kritik gegenüber der Metaphysik, und gibt das Stichwort aus von der Unvereinbarkeit der Vernunft mit der Religion. Gegen ihn hat Leibniz seine Theodizee geschrieben, deren Einleitung eigens den Titel trägt: Discours de la conformité de la foi avec la raison. In Frankreich aber zündet Bayles Parole vom Licht der Vernunft. Und er wird zum Vorbild für die große Enzyklopädie, das für die französische Aufklärung so typische Werk, das d'Alembert und Diderot herausgegeben haben. Man fühlt sich auf der Höhe der Wissenschaft und will nun in einem Standardwerk ein. für allemal die geistigen Errungenschaften festhalten.
Die Verkörperung der französischen Aufklärung schlechthin aber ist François-Marie Voltaire (1694-1778), das größte schriftstellerische Genie der Franzosen und ihr großer Vorkämpfer für Vernunft, Toleranz und Menschenrechte. »Er verlieh dem Menschengeist starke Impulse, er bereitete uns auf die Freiheit vor«, stand auf seinem Sarge, und man fühlt in diesen Worten noch den ganzen Elan der geistigen Bewegung, deren Seele er während zweier Menschenalter gewesen ist. Voltaire war weder ein schöpferischer noch ein exakter Denker, aber er verstand es, die Menschen zu fesseln. Er hat nicht wenig dazu beigetragen, die Strenge wissenschaftlichen Philosophierens zu ruinieren, weil er durch seine von Geist und Witz funkelnden Formulierungen das Gefühl suggerierte, daß Literatur Wissenschaft sei. Sein Kampf galt dem autoritären Regime Ludwigs XV. und der angeblichen Intoleranz der katholischen Kirche und ihrer Dogmen. Hier suchte er die Wurzeln des Aberglaubens und der Verfolgungssucht, die dem aufgeklärten Vernunftzeitalter im Wege stünden. Wieder waren es besonders die Jesuiten und Jansenisten, gegen die sich die Angriffe richteten.
Andererseits setzte sich auch die Gegenseite ins Unrecht, wenn sie Voltaire ohne weiteres einen Atheisten schalt. Theoretisch war er nämlich Deist und vertrat im Stil der englischen Freidenker eine Vernunftreligion, die einen lebendigen und außerweltlichen Gott annimmt, und das auf Grund der üblichen kosmologischen, teleologischen und moralischen Gottesbeweise. »Die ganze Natur ruft uns zu, daß er existiert«, sagt er einmal von Gott. Wenn er aber im gleichen Satz meint, »wenn Gott nicht existierte, müßte man ihn erfinden«, so wird damit die ganze geistesgeschichtliche Situation durchsichtig: Religion ist nur Glaube, ist ein Bedürfen, ein Als-ob oder was man sonst an pragmatischen Motiven aufgreifen will. Jedenfalls, die Metaphysik des Deismus war schon keine Metaphysik mehr, und seine Rede vom Glauben wirkte sich nicht für, sondern gegen die Religion aus, weil sie ihr die Sicherheit des Beweises nahm, wie man besonders wieder in der Entwicklung nach Kant feststellen kann. All das sind Ausstrahlungen des englischen Empirismus. In England war es auch (1726-29), wo Voltaire zu sich selbst gefunden hatte. Hier lernte er die englische Dichtung, Wissenschaft und politische Aufklärung können, und durch seine Eléments de la philosophie de Newton (1738) machte er nun die Gedanken Lockes und Newtons zur Grundlage der französischen Philosophie des 18. Jahrhunderts. Seine Verehrung aber für den freiheitlichen Geist in den politischen Verhältnissen Englands hatte er schon vorher (1734) in seinen Lettres sur les Anglais niedergelegt.
[Johannes Hirschberger: Geschichte der Philosophie: Erster Abschnitt: Die Philosophie der Neuzeit, S. 450. Digitale Bibliothek Spektrum Band 1: Hirschberger: Geschichte der Philosophie, S. 1540 (vgl. Hirschberger-Gesch. Bd. 2, S. 251) (c) Herder-Verlag]
3. Die deutsche Aufklärung
Wie die ganze Aufklärungsphilosophie ist auch die deutsche Aufklärung nicht einfach als Rationalismus zu deklarieren, abgesehen davon, daß dieses Wort unbestimmt genug ist. Es handelt sich vielmehr um ein ziemlich komplexes Gebilde.
Die Grundhaltung dieser geistigen Bewegung besteht in einem säkularisierten Ich-Bewußtsein im Stile der Renaissance, für das der Mensch wichtiger ist als der Kosmos und wofür die Psychologie alles, die Metaphysik aber nichts mehr bedeutet. Daher der immer bezeichnende Gegensatz zu Aristoteles und seiner Metaphysik, die den Menschen vom Seinsganzen her verstehen will, weil ihr dieses hintergründiger erscheint als der Mensch, sowie die Frontstellung gegen die an Aristoteles und der Scholastik sich orientierende kirchliche Theologie mit ihrer Dogmatik.
Der neue Ton klingt erstmals ganz rein an bei Christian Thomasius (1655-1728), einem für das deutsche Rechtsdenken besonders bedeutsamen Mann. Er hat zwar »nichts gestaltet, was ihn nicht zuvor selber geformt hat« (E. Wolf), aber er hat den kühnen Mut der Neuerer, will den Verstand von Vorurteilen säubern, besonders von Aristotelismus und Scholastizismus, und erhofft alles von dem Licht der Vernunft, das die Welt erhellen und das allgemeine Wohl bringen soll. Während aber S. Pufendorf (1632-94), der schöpferischere und noch größere Rechtsdenker, von dem Thomasius abhängig ist, das Recht noch ganz ethisiert und hineingestellt hatte in das Ganze der Metaphysik des Menschen, des Staates und der Sittlichkeit und schließlich auch Gottes - der Wille Gottes, der die Natur des Menschen schuf, habe eben damit das Naturrecht in seinem Grunde festgelegt und mit ihm die Leitlinien auch für alles positive Recht -, schiebt Thomasius all diese Bindungen beiseite. Er kennt nur noch den Menschen und sein Lebensgefühl. Dieser Mensch wird psychologisch beobachtet und beschrieben, und es zeigt sich dabei, daß er ein Sinnenwesen ist, das stets seinen Vorteil im Auge habe. Dementsprechend denkt Thomasius sich auch die Rechtsordnung als eine Ordnung des Trieb- und Affektlebens unter dem Gesichtspunkt des Nützlichkeitsgedankens. Sie wird notwendig, weil die menschlichen Grundtriebe, Ehrgeiz, Habsucht und Genußsucht, den einzelnen nur an sich denken lassen. Deswegen muß sie auch von außen als eine Zwangsmaßnahme erfolgen, die von einer über die Natur des Menschen und seine Leidenschaften aufgeklärten Vernunfteinsicht diktiert wird. Recht besage darum keine innere sittliche Verpflichtung, mit irgendwelchen transzendenten Hintergründen, sondern die klug ausbalancierte und mit staatlichen Machtmitteln erzwungene Utilität der Summe aller Individuen. Das ist das bürgerliche Lebensideal der Aufklärungszeit. Es ist die Hedonik des homo sapiens, der mit Vernunft das Leben meistert und sein Glück fördert, wenn er dabei auch in die Gefahr kommt, ein Spießbürger zu werden. Dieser vollkommene Verzicht auf die Ideale eines mundus intelligibilis platonisch-aristotelischer oder auch nur humanistischer Provenienz kommt aus dem Sensualismus und Utilitarismus der Hobbes und Locke. Mit Thomasius beginnt der Einfluß des englischen Empirismus und Psychologismus auf die deutsche Philosophie. Das entsprechend »aufgeklärte« und säkularisierte bürgerliche Lebensgefühl bildet die erste Phase der deutschen Aufklärungszeit. Thomasius ist sein Repräsentant. Der erste deutsche Aufklärer ist aber nicht irreligiös, wie man vielleicht vermuten möchte. Im Gegenteil, er besitzt warmes religiöses Gefühl. Aber das ist es nun: Religion ist auch nur Gefühl. Sie verschließt sich vor der Welt und steht sozusagen auf einem eigenen Blatt. Sie ist Glaube, aber nicht Wissen um die Welt. Diese Welt geht ihre eigenen Wege.
[Johannes Hirschberger: Geschichte der Philosophie: Erster Abschnitt: Die Philosophie der Neuzeit, S. 463. Digitale Bibliothek Spektrum Band 1: Hirschberger: Geschichte der Philosophie, S. 1553 (vgl. Hirschberger-Gesch. Bd. 2, S. 258) (c) Herder-Verlag]
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Viertel nach Zwölf
von Hartmut Krauss
Ein kurzes Plädoyer für die Formierung einer säkular-humanistischen Gegenbewegung
„Leiden ohne zu klagen, ist höchste Tugend, nicht die Abschaffung oder wenigstens Verringerung des Leidens. Sich dem Schicksal fügen, ist der Heroismus des Masochisten, das Schicksal ändern, der des Revolutionärs“ (Erich Fromm in „Studien über Autorität und Familie“, S.121.)
Seit dem Zusammenbruch des realen Sozialismus und dem damit besiegelten Ende des Kalten Krieges ist eine globale Offensive reaktionär-religiöser Bewegungen zu konstatieren, die ein enormes Potential an Gewalt und repressivem Herrschaftsstreben in sich birgt(1) . Bei näherer Betrachtung erweist sich diese Aufwallung des Religiösen als ein kulturübergreifender Aufschwung irrational-fundamentalistischer Massenbewegungen, die über zahlreiche Verbindungskanäle mit dem religiösen Terrorismus verknüpft sind und nachhaltigen Einfluß auf staatspolitische Entscheidungsträger sowie supranationale Gremien ausüben(2).
In Uganda kämpft zum Beispiel eine „Widerstandsarmee des Herrn“, die über 10.000 Kinder verschleppt haben soll und für viele Grausamkeiten verantwortlich ist, für einen christlich-fundamentalistischen Gottesstaat. Im Kongo sind die seit zehn Jahren wie Pilze aus dem Erdboden schießenden Erweckungskirchen mit ihren selbst ernannten Predigern und mit dem von diesen verbreiteten Teufels- und Hexereiglauben dafür verantwortlich, dass Kinder von ihren Eltern verstoßen werden und auf der Straße leben müssen(3) . Dort, wo sich zunehmend radikalisierende Religionsgemeinschaften in bevölkerungsexplosiven Gesellschaften koexistieren, kommt es zu schubweisen Gewaltexzessen. Davon zeugen zum Beispiel die gegenseitigen Massaker von Christen und Moslems in Nigeria, Hindus und Moslems in Indien, Sunniten und Schiiten in Pakistan und im Irak, die (erst durch Errichtung einer neuen Mauer reduzierte) Gewaltspirale zwischen palästinensischen Selbstmordattentätern und israelischem Militär oder die Gewaltexzesse zwischen Singhalesen und Tamilen in Sri Lanka etc.
Die polaren Kraftzentren dieser Remobilisierung des Religiösen bildeten in der jüngsten Vergangenheit die christlich-fundamentalistischen Kräfte in den USA einerseits sowie die islamistischen Bewegungen in den Territorien der muslimischen Herrschaftskultur und in der westlichen Diaspora andererseits. Während die Wahl und Wiederwahl des wiedergeborenen Christen George W. Bush zum amerikanischen Präsidenten ohne eine wirkungsmächtige christlich-fundamentalistische Unterstützungsbasis („religiöse Rechte“) undenkbar gewesen wäre(3) , bildet die alltagspolitisch agierende islamistische Massenbewegung mit ihren Wohltätigkeitseinrichtungen, Spendenvereinen, logistischen Strukturen, Koranschulen, Überwachungs- und Sanktionsmilizen etc. ein mindestens ebenso bedeutsames und aktuell noch bedrohlicheres Potential. So hatten die Islamisten im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends zum Beispiel in Marokko, Pakistan und der Türkei große Wahlerfolge errungen. Schon zuvor war konstatiert worden, dass „in den meisten arabischen Ländern haben islamistische Parteien ... eine Wählerbasis von 15-30 Prozent oder mehr (haben, H.K.). Sie sind in jedem Fall ein ernstzunehmender politischer Faktor und dürften es auf einige Zeit bleiben“ (Perthes 1999, S. 144)(4) . Hinzu kommt die Existenz offener islamistischer Religionsdiktaturen im Iran, im Sudan und in Saudi-Arabien. Während die Terrororganisation Hamas von der Mehrheit der palästinensischen Wähler in die Regierungsverantwortung gewählt wurde, bildet die radikalschiitische „Partei Gottes“ (Hisbollah) im Libanon einen „Staat im Staate“.
Auch innerhalb der europäischen Herrschaftselite hat der zunehmende ‚postmoderne’ Verrat an den Ideen, Prinzipien und Leitbegriffen der ‚kulturellen Moderne‘, also die soziokulturelle Verwahrlosung der ‚Leitkultur Humanismus und Aufklärung’, die Reaktivierung des Religiösen zur herrschaftsideologischen ultima ratio werden lassen. Anlässlich
des Ablebens des alten und der Einsetzung des neuen Papstes („Wir sind Papst“) kam es zu einer gigantischen Inszenierung des Medienkatholizismus, der zum Teil wie ein horrorartiger Rückfall in die geistige Vormoderne anmutete. Erst durch den Eklat der päpstlichen Versöhnungsbemühungen mit der extrem reaktionären Piusbruderschaft und dem öffentlichen Gewahrwerden des Ausmaßes sexueller Missbrauchsvorkommnisse und gewalttätiger „Züchtigungserziehung“ in kirchlichen Einrichtungen kam die religiös-ideologische Offensive auf diesem Gebiet vorerst zum Erliegen.
Auf der anderen Seite sind es aber insbesondere parteichristliche Politiker und kirchliche Berufsdialogisten, die den orthodoxen und islamistischen Muslimverbänden den roten Teppich ausrollen, indem sie eine Islamkonferenz ins Leben riefen, um damit den Islam in Deutschland staatlich salonfähig zu machen. Konkret bedeutet das u.a. die flächendeckende Einführung von Islamunterricht an den öffentlichen Schulen sowie eine daraus abgeleitete Neuinstallierung von Instituten für islamische Theologie und islamische Religionspädagogik an den Universitäten. Anstatt das Widerspruchsverhältnis zwischen islamischer Normativität und den Grundprinzipien einer menschenrechtlich-demokratischen Lebensordnung ins Zentrum fächerübergreifender akademischer Ausbildung zu stellen und auch im Schulunterricht kompetent zu behandeln, wird so der Islamisierung eines weiteres Tor geöffnet.
Als legitimatorische „Enterhaken“ der schleichenden Ausbreitung islamischer Herrschaftskultur in Deutschland dienen dabei insbesondere zwei strukturelle Ansatzpunkte:
1) Die missbräuchliche Auslegung von Artikel 4 GG als Persilschein für die Legalisierung des grundrechtswidrigen orthodoxen „Mainstream-Islam“ und
2) Das anachronistische deutsche Staatskirchenrecht mit seinen diversen Privilegierungen als Lockmittel der Begehrlichkeiten seitens der diversen Islamverbände(5) .
Strategisch durchaus konsequent agieren die christlichen Kirchen in der ersten Reihe der ‚Islamversteher’ und ‚Berufsdialogisten’ und versuchen sich am Migrationsimport streng gottesgläubiger Menschen die Hände zu wärmen, d. h. als ‚Integrationsexperten’ verlorenen Boden zurück zu gewinnen. Entsprechend agitiert der Vatikan für islamischen Religionsunterricht an europäischen Schulen und verkauft diese staatlich abgesicherte religiöse Indoktrination unmündiger Kinder als „Ausdruck des Respekts vor dem Menschen“(6) . Die Kritik an der Vorenthaltung von Menschenrechten in islamischen Ländern wird als „billige Gegenrechnung“ denunziert und damit das Prinzip der Gegenseitigkeit in selbstzerstörerischer Weise außer Kraft gesetzt, wenn der Westen gegenüber dem Islam mit seinen grundrechtswidrigen Implikationen uneingeschränkte Religionsfreiheit gewährt, den Islam aber gleichzeitig aus der Pflicht entlässt, die Menschenrechte einzuhalten.
In globaler und verallgemeinernder Perspektive betrachtet ist es deshalb durchaus zutreffend, davon auszugehen, dass sich die gegenwärtige und zukünftige Weltpolitik nur noch unter Berücksichtigung der religiösen Komponente angemessen begreifen lässt (Röhrich 2004).
Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass religiös-konservative Bevölkerungsgruppen mit patriarchalen Familienstrukturen liberale und säkular-fortschrittliche Gruppen demografisch überflügeln und dadurch weltweit an Bedeutung gewinnen werden(7) . Um die europäischen Gesellschaften auf diese soziokulturelle Regression vorzubereiten, wird von der spätkapitalistischen Herrschaftselite bereits jetzt von der „postsäkularen Gesellschaft“ gesprochen.
Angesichts dieser objektiven Entwicklungen ist es längst überfällig, dass sich die säkular-humanistischen Kräfte in Europa, die sich an den Grundprinzipien der Aufklärung sowie den Werten und Normen der kulturellen Moderne orientieren, gegenoffensiv und eigenständig zusammenschließen, sich als eine erneuerte geistig-moralische Bewegung formieren und ihre Überzeugungen und Zielsetzungen auf gesellschaftspolitisch wirksame Weise in die Waagschale werfen. Im Interesse der Schaffung handlungsfähiger Strukturen sind dafür folgende Maßnahmen unerlässlich, die es ermöglichen, nicht nur defensiv und reaktiv, d. h. getrieben vom Gegner, aktiv zu werden:
I. Die Bildung einer zielführenden, sich arbeitsteilig organisierenden Bündnisgruppe und/oder Mitgliederorganisation als ‚Frontverband’ für die Öffentlichkeit.
II. Die Etablierung eigener Medien (Internetauftritt, Printorgan/Zeitschrift, Schriftenreihe/gedruckte Materialien, Jahrbuch etc.)
III. Die Realisierung einer Veranstaltungsagenda (Vortragsveranstaltungen/Podiumsdiskussionen, Konferenzen, Bildungsseminare, Ringvorlesungen etc.).
Ein solches Projekt lädt alle Personen zur Mitarbeit ein, die sich von einem fortschrittlich-emanzipatorischen und säkular-humanistischen Standpunkt ausgehend gegen den internationalen und nationalen Vormarsch religiöser Herrschaftskultur wenden und sich in diesem Kontext auch gegen deren Protagonisten und Förderer engagieren wollen.
H. Krauss, Juli 2010
Literatur:
Assmann, Jan: Monotheismus und die Sprache der Gewalt. Wien 2009, 5. Auflage.
Juergensmeyer, Mark: Die Globalisierung religiöser Gewalt. Von christlichen Milizen bis al-Qaida. Hamburg 2009.
Kippenberg, Hans G.: Gewalt als Gottesdienst. Religionskriege im Zeitalter der Globalisierung. München 2008.
Krauss, Hartmut: Faschismus und Fundamentalismus. Varianten totalitärer Bewegung im Spannungsfeld zwischen ‚prämoderner’ Herrschaftskultur und kapitalistischer ‚Moderne’.
Kröhnert, Steffen; Klingholz, Reiner: Glaube, Macht und Kinder. Erobern religiöse Menschen mit vielen Nachkommen die Welt? Discussion Paper des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung 2010.
http://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Veroeffentlichungen/Glaube_Macht_und_Kinder.pdf
Perthes, Volker: Bürgerkrieg oder Integration? Islamismus und Staat im arabischen Raum. In: Peter Pawelka/Hans-Georg Wehling (Hrsg.): Der Vordere Orient an der Schwelle zum 21. Jahrhundert, Opladen/Wiesbaden 1999, S. 143-155.
Röhrich, Wilfried: Die Macht der Religionen. Glaubenskonflikte in der Weltpolitik. München 2004.
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1. Monotheistische „Religion“ bzw. „Religiosität“ lässt sich entgegen interessierter Verzerrungen und romantischer Wunschbilder nie auf individualisierte Spiritualität reduzieren, sondern strebt wesensgemäß immer nach normativer Herrschaft. „Das umstürzend Neue an dem exklusiven Monotheismus ist, dass er nicht nur eine Sache des Kults und vielleicht auch des allgemeinen Weltverhältnisses ist, sondern die gesamte Lebensführung, Festtag und Alltag, bis ins kleinste Detail hinein regeln will.“ (Assmann 2009, S. 46).
2. Zur aktuellen Empirie gewaltbesetzter reaktionär-religiöser Bewegungen siehe zum Beispiel Kippenberg 2008 und Juergensmeyer 2009 sowie zum totalitären Wesen religiöser Fundamentalismen Krauss 2003.
3. „Wenn ein Kind eher verträumt ist oder einfach gerne isst - nach Meinung der Prediger muss es mit dem Teufel im Bunde sein. Ein Familienmitglied stirbt oder dem Vater wird gekündigt - da ist Hexerei im Spiel. Gegen Geld gehen dann die ‚Teufelsaustreiber’ ans Werk“ (Neue Osnabrücker Zeitung vom 28 Juli 2006).
4. Aufgrund der tiefen Verankerung evangelikal-fundamentalistischer Glaubensüberzeugungen innerhalb der us-amerikanischen Bevölkerung hat sich eine obsessive Sucht ausgebreitet, aktuelle politische Ereignisse apokalyptisch umzudeuten und den „Antichristen“ zu benennen. Als zum Beispiel kurz nach seiner Wahl zum Generalsekretär erste Bilder von Michael Gorbatschow zirkulierten, „meinten Fundamentalsten in dem roten Muttermal auf seiner Stirn das Zeichen des Antichristen zu entdecken“ (Kippenberg 2008, S. 155.)
5. Mittlerweile dürfte sich dieses Wählerpotential eher vergrößert als verringert haben.
6. „Der türkisch-islamische Verband DITIB drängt die Landesregierungen, Muslime als Religionsgemeinschaften anzuerkennen. Die Muslime in Deutschland erfüllten alle Voraussetzungen. Modellversuche wie der islamische Religionsunterricht oder die Ausbildung von Seelsorgern sein nur ein erster Schritt.“ Neue Osnabrücker Zeitung vom 22. Juni 2010, S. 4.
7. So der Vatikan Kardinal Renato Raffaele Martino. Vgl. Neue Osnabrücker Zeitung vom 10. März 2006, S. 1.
8. Kröhnert/Klingholz 2010.
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