VEREIN für AUFKLÄRUNG und FREIHEIT e.V.
 
 
   
Aristoteles
384 - 322 v.chr.
Demokrit          
460 - 371 v.chr.
Epikur               342 - 271 v.chr.
Heraklit                               540 - 483 v.chr.
Sokrates      
469 - 399 v.chr.
Hipokrates
460 - 370 v.chr.
Platon              
427 - 347 v.chr.
Pythagoras         570 - 510 v.chr.
   
   
  ANTIKE
 

Was ist Antike?

Der Begriff Antike ( lat. antiquus, deutsch: alt, altertümlich) bezeichnet die Epoche der Bildung von ersten Hochkulturen unserer Erde.  Antike oder auch Altertum umfasst die Geschichte  Ägyptens, Mesopotamiens, Syriens, Persiens und Kleinasiens, die etwa 5000 Jahren alt ist. Sie setzt sich fort mit der Griechischen Kultur (Hellenismus), Entstehung von Staatlichkeit und Demokratie. Nach dem Niedergang Griechenlands stiegen die Römer zur einen Großmacht  auf und bauten ihr Römisches Reich allmählich auf.
Man kann sich fragen, warum wir heute noch antike Philosophie studieren. Diese Frage nach der Bedeutung der antiken Philosophie kann man mit dem Satz beantworten: Die antike Philosophie liefert die geistige Erbmasse, von der das abendländische Denken heute noch lebt. Schon rein quantitativ gesehen, erstreckt sich die alte Philosophie ungefähr über die Hälfte der europäischen Geistesgeschichte; denn sie reicht vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis zum 6. Jahrhundert nach Chr. Mehr noch ist die intensive Größe dieser Philosophie von Gewicht. Die alte Philosophie ist niemals veraltet. Wenn man mittelalterliche Autoren liest, findet man Aristoteles mehr zitiert als irgendeinen der damals lebenden Philosophen. Und platonische, neuplatonische und stoische Ideen gehören zu den tragenden Grundgedanken der mittelalterlichen Weltanschauung. Und heute? Wesentliche Begriffe unseres heutigen Philosophierens und wissenschaftlichen Denkens überhaupt entstammen dem Geiste der Antike. Begriffe wie Prinzip, Element, Atom, Materie, Geist, Seele, Stoff und Form, Potenz und Akt, Substanz und Akzidens, Sein und Werden, Ursächlichkeit, Ganzheit, Sinn, Zweck, Begriff, Idee, Kategorie, Urteil, Schluß, Beweis, Wissenschaft, Hypothese, Theorie, Postulat, Axiom usw. wurden von den Griechen ausgebildet, und wir gebrauchten sie blind und ohne rechte Einsicht, würden wir nicht ihren ursprünglichen Sinn studieren. Aber nicht nur einzelne philosophische Grundbegriffe verdanken wir der alten Philosophie, auch die wesentlichen philosophischen Disziplinen, wie Logik, Metaphysik, Ethik, Psychologie und Kosmologie, wurden hier ausgebildet. Und auch die verschiedenen Typen des philosophischen Denkens sind hier bereits entwickelt: Idealismus, Realismus, Skeptizismus, Materialismus, Sensualismus und deren Mischformen. Und so verstehen wir, daß E. Hoffmann ein Kapitel über die griechische Philosophie als Vergangenheit und Gegenwart mit dem Satz schließen konnte: »Es wird sich zeigen, daß in der griechischen Philosophie die weltanschaulichen Denkmöglichkeiten grundsätzlich erschöpft, die bis heute gültigen Probleme aufgefunden und diejenigen Wege zu ihrer Lösung gewiesen sind, die wir heute noch gehen.«
[Johannes Hirschberger: Geschichte der Philosophie: Erster Abschnitt: Die Philosophie des Altertums, S. 2. Digitale Bibliothek Spektrum Band 1: Hirschberger: Geschichte der Philosophie, S. 26 (vgl. Hirschberger-Gesch. Bd. 1, S. 9-10) (c) Herder-Verlag]

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Aristoteles: Politik
Ethik, Politik und wirtschaftliches Handeln

1. Leben und Werk

Aristoteles wurde 384 v.Chr. in der makedonischen Stadt Stagira geboren und kam erst mit siebzehn Jahren nach Athen. Zwanzig Jahre lang war er in der philosophischen Schule Platons, der Akademie, zuerst lernend, dann lehrend bis zum Tod des Meisters im Jahre 347 tätig. Obwohl Aristoteles also Schüler Platons gewesen ist, hat er sich von dessen Ideenlehre immer mehr gelöst. Wie er aber seine Trennung von der Akademie vollzog, ist ungewiss. Viele, sehr gegensätzliche, zum Teil sehr gehässige Berichte darüber wurden später in Umlauf gebracht, wobei heute keine Möglichkeit mehr besteht, Legende und Wahrheit genau zu scheiden.
343 v. Chr. Begab er sich an den Hof des Philipp von Makedonien, wo er sich acht Jahre lang aufhielt und der Erzieher Alexander des Großen gewesen sein soll. Mit Sicherheit lässt auch dies sich nicht belegen. 336 bestieg Alexander den Thron. Aristoteles kehrte nach Athen zurück und gründete eine eigene philosophische Schule. Ort dieser Schule war das lykeon, ein Gebäude in Athen, das Unterrichtszwecken diente. Genannt wurde seine Schule die peripatetische, wobei die Herkunft des Namens peripatos noch nicht völlig geklärt ist. Ganz allgemein galt peripatos als eine Diskussionshalle, in der man ins Gespräch vertieft umherwandelte. In der Schlacht von Chaironeia (338) hatte der makedonische König Phillip Athen als selbstständige Polis, als autonomen Stadtstaat zerstört. Nach dem plötzlichen Tod Alexander des Großen probten die Athener den Aufstand gegen die makedonische Fremdherrschaft, der indes rasch niedergeschlagen wurde. Da Aristoteles als Parteigänger der Makedonen galt, musste er 323 Athen verlassen. Er floh nach Chalkis auf die Insel Euboa, wo er wenige Monate nach der Flucht 323 starb.  

Im Überlieferten Werk des Aristoteles sind folgende Schriften zur praktischen Philosophie erhalten: zunächst drei Bücher zur Ethik (die "Nikomachische Ethik", die " Eudemische Ethik" und die Große Ethik). Den wichtigsten Text zur politischen Philosophie, ist der, über die " Politik".

1. Die drei Bedeutungen des Politischen -
    Einteilung der praktischen Philosophie

  • Praktische Philosophie ist politische Philosophie
  • Politische Philosophie ist die Lehre von der menschlichen Gemeinschaft
  • Praktische Philosophie ist die Lehre vom Staat, von den verschiedenen Formen seiner Verfassung und der besten Verfassung

1. Praktische Philosophie ist politische Philosophie
„ Praktische Philosophie ist Philosophie des Menschen. Sie bestimmt den Menschen als ein handelndes Wesen und unterscheidet das Handeln (Praxis) von anderen Betätigungen des Menschen, vom Betrachten (Theorie) und vom Herstellen (Poiesis). Ort des Handelns ist das Gemeinwesen, die Polis. Ein vernünftiges Handeln außerhalb der Polis kann sich Aristoteles nicht vorstellen. Die Polis, der antike Staatstadt, ist für ihn die Welt des Menschen. Insofern setzt Aristoteles das Politische mit der praktischen Wirklichkeit des Menschen gleich, sodass man sagen muss: Praktische Philosophie ist politische Philosophie.

2. Politische Philosophie ist die Lehre von der menschlichen Gemeinschaft
In der Polis leben Bürger zusammen in einer Gemeinschaft. Sie bildet ein Ganzes, das sich aus den einzelnen Menschen als seinen Teilen zusammensetzt.
Die Menschen und die Polis streben nach dem Guten. Da  aber das Ganze mehr ist als seine einzelnen Teile, aus denen es besteht, ist das Gute für die Polis höher zu bewerten als das Gute für den einzelnen Menschen.
Aus dieser Differenzierung entspringt die erste Einteilung der praktischen Philosophie in Disziplinen. Das gute für den Einzelnen ist Thema der Ethik; mit dem Guten für die Polis befasst sich die politische Philosophie. Ethik ist die Lehre vom guten Handeln des Einzelnen, Politik die Lehre von der guten Gemeinschaft.
Das menschliche Zusammenleben setzt sich aus verschiedenen Gemeinschaften zusammen, die verschiede Zwecke verfolgen und unterschiedliche Formen haben. Aristoteles hält vorrangig zwei auseinander: die häusliche Gemeinschaft, welche der Erhaltung des natürlichen Lebens dient, und die politische Gemeinschaft, deren Zweck erst das Gute Leben ist. Er richtet eine besondere praktische Disziplin ein, welche die rechte Führung des Hauses, des Oikos, zu untersuchen hat: die Ökonomie.
Politische Philosophie ist die Lehre von der menschlichen Gemeinschaft, ihren Formen und ihrer Rangordnung- dies ist die zweite, engere Bedeutung des Politischen. Gegenstück dazu ist die Ethik. Ihr gegenüber ist die Politische Philosophie die übergeordnete, leitende Disziplin.

3. Praktische Philosophie ist die Lehre vom Staat, von den verschiedenen Formen seiner Verfassung und der besten Verfassung   
Die Polis ist einerseits das Ganze der verschiedenen Gemeinschaften, andererseits als politische Gemeinschaft die höchste der menschlichen Gemeinschaften und insofern eine Gemeinschaft, die neben und über anderen steht. Die Analyse der politischen Gemeinschaft ist der spezifische Gegenstand der politischen  Wissenschaft. Zum leitenden Begriff wird die politische Verfassung, die politeia.
Die systematische Darstellung des Begriffs der Verfassung, ihre möglichen Formen, deren Chancen auf Bestand beziehungsweise Umschlag in andere sowie der Besten Form ist das Thema politischer Philosophie im engsten Sinn. Politische Philosophie in der engsten Bedeutung ist Verfassungslehre. Das Gegenstück zu ihr ist die Ökonomie.

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DEMOKRIT

Der thrakische Philosoph Demokrit von Abdera gilt neben Leukipp als Begründer der Atomtheorie. Von seinem umfangreichen Werk existieren nur Fragmente. Nur die Schule des Epikur übernahm seine Atomlehre; erst im 19. Jahrhundert konnte sie durch die moderne Chemie bewiesen werden.
In Demokrits Vorstellung bestehen alle Dinge aus unsichtbaren und unzerstörbaren Materieteilchen, den a-tomos (griech. unteilbar), die sich ewig im endlosen leeren Raum bewegen. Dieser leere Raum existiert, ohne aus Atomen zu bestehen. Obwohl exakt aus dem gleichen Stoff bestehend, unterscheiden sich die Atome doch nach Grösse, Lage und Form. Ihre Eigenschaft, sich mit anderen Atomen zu verbinden, konstituiert die gegenständliche Welt. Die Eigenschaften der Gegenstände wiederum werden allein bestimmt vom Zusammenhalt der kleinsten Materieteilchen. Die Entstehung der Welt ist nach Demokrit dementsprechend eine Folge der unablässigen Bewegung der Atome im Raum. Dabei geht es aber sehr geordnet her, weshalb von Leukipp auch eine frühe Formulierung des Kausalitätsgesetz überliefert ist: «Nichts entsteht planlos, sondern aus Sinn und unter Notwendigkeit.»
Demokrits Psychologie ist eindeutig materialistisch: Die Seele besteht aus feinsten Teilchen, die im ganzen Körper verteilt sind. Die Auflösung des Körpers nach dem Tod führt somit auch zur Auflösung der Seele, da sie vom Körper getrennt nicht existieren kann, was wiederum ein Leben nach dem Tode unmöglich macht. Demokrit verfasste auch Schriften zur Ethik, in denen er Glückseligkeit durch «euestó» (Wohlbefinden der Seele) als höchstes Gut pries. Deshalb bekam er den Beinamen "der lachende Philosoph". Das Ziel menschlichen Strebens ist nach Demokrit die rechte Verfassung der Seele, die in Ausgeglichenheit und Ruhe besteht und durch Vernunft, Halten des Maßes, Zurückhaltung im sinnlichen Genuss und der Hochschätzung geistlicher Güter erlangt wird. In einem Fragment schrieb er: «Der Geist soll sich gewöhnen, seine Freuden aus sich selbst zu schöpfen.»
Demokrits Ideen setzten sich in der Antike mangels Beweisen nicht durch, nur die Epikur er hielten daran fest. Bekanntlich hat aber die christliche Kirche diese Lehren verboten und so wurde das Interesse an Demokrits Lehre erst wieder im 18. Jahrhunderts durch die moderne Chemie geweckt, die schließlich zentrale Bestandteile von Demokrits Atomtheorie experimentell bestätigen konnte.

Ethik: Glückseligkeit entspringt aus dem Einhalten der rechten Mitte. Das wahre Glück erkennt nur, wer gelernt hat, sich auch über geringes zu freuen. Erkenntnislehre: Unsere Erkenntnis beruht auf der sinnlichen Wahrnehmung der Gestalt, Lage und Anordnung der Atome. Die Erkenntnis entsteht durch Veränderung unsers Körpers. Wir erkennen daraus nur die oberflächliche Beschaffenheit der Dinge. Kosmologie: Demokrit überträgt den Gedanken der Atombewegung auf den Makrokosmos: Wenn nach Demokrit zwei Welten ( ähnlich wie im Mikrokosmos die Atome) aufeinander stoßen würden, gehen diese zu Grunde. Es herrscht im Weltall eine streng mechanistische Ordnung, in der es keinen Zufall gibt. Atomlehre: Die Idee von der Unteilbarkeit. Leukipp und Demokrit stellten sich die Welt der Atome nicht anders vor als die "große Welt". Die Atome seien  gleichmäßig mit Materie angefüllt und sie sollten sich der Lehre der klassischen Physik entsprechend, wie "harte Gegenstände"  verhalten. Ein zentraler Punkt in der Lehre des Atomismus war die Existenz des leeren Raumes, dem Vakuum, als Bewegungsraum der Atome.

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E P I KU R Der Rückzug ins Privatleben und die Vertragstheorie

1.Leben und Werk

über die Natur Epikur wurde 341 v.Chr. als Sohn eines athenischen Bürgers auf der Insel Samos geboren. Drei Jahre vor seiner Geburt hatten die griechischen Stadtstaaten in der Schlacht von Chaironeia endgültig ihre politische Selbstständig verloren und waren Teil des makedonischen  Großreichs geworden, das König Phillip, der Vater Alexanders des Großen, gegründet hatte. Der Niedergang der Polis, den schon Platon und Aristoteles beklagten, war damit vollendet. - Seine philosophische Ausbildung erhielt Epikur von unbekannten Lehrern in der kleinasiatischen Stadt Kolophon. Nachdem er schon an verschiedenen Orten selbst als philosophischer Lehrer aufgetreten war, ließ er sic 306 in Athen nieder, wo er ein Haus mit Garten erwarb. Seine Anhänger und Schüler werden daher auch als " Gartenphilosophen" bezeichnet. Mit ihnen lebte Epikur in häuslicher Gemeinschaft - in einer Art philosophischer Kommune - bis zu seinem Tod im Jahr 270. Die Schule bestand noch bis ins erste vor_ christliche Jahrhundert fort.
Er galt in der Antike als ausgesprochener Vielschreiber, weil er etwa 300 Schriftrollen hinterlassen haben soll. Erhalten geblieben sind davon lediglich drei Briefe an Schüler, die seine Lehre kurz und populär zusammenfassen, sowie einige Dutzend Lehrsätze und Fragmente. Seine bedeutendsten Anhänger, der römische Dichter Lukrez (Titus Lucretius Carus, um 98 - 55 v. Chr.), brachte Epikurs Denken in die Form eines Lehrgedichts unter dem Titel " De rerum natura" (Über die Natur der Dinge).

 

2. Epikurs politische Philosophie

Halb im Scherz behauptete der römische Dichter Horaz (65-8 v. Chr.), er sei " ein Schwein aus der Herde Epikur". Damit sprach er aus, was bis heute am stärksten das Bild des Philosophen prägte: Epikur gilt als der Philosoph der Lust eines hemmungslosen Sinnengenusses. - Nichts könnte falscher sein.
Zwar geht Epikurs Ethik von der Lust und dem Glückverlangen des einzelnen aus (griechisch  hedone, daher wird diese Lehre aus als Hedonismus bezeichnet). Doch er meint damit keineswegs, wie er allzu oft missverstanden wurde, ein Streben nach raffinierten kulinarischen Genüssen oder eine ausschweifende Sexualität. Sein Ideal ist vielmehr die Gemütsruhe, die auf Dauer angelegt ist, und eben diese unerschütterliche und ungestörte Ruhe, die Ataraxie, ist für ihn eins mit Lust. Ein üppiges Essen oder ein intensives sexuelles Leben wären dem eher hinderlich; sie schaffen nur Unruhe und daher Unlust.                                         

 Epikurs Ethik ist zwar nicht asketisch, sie verbietet nicht direkt bestimmte Verhaltensweisen, aber sie rät zu großer Mäßigkeit der Lebensführung. Daher ist auch nicht jede Lust zu suchen, wenn in ihrem Gefolge sich Unlust einstellen könnte, und nicht jeder Schmerz zu meiden, wenn nur sein Erleiden eine zukünftige Freude verheißt. Ziel des philosophierenden Menschen muss es sein,
ein Weiser zu werden, der von Äußerlichkeiten und Begierden unabhängig ist und der intellektuelle Genüsse höher schätzt als körperliche.
Was aber die Menschen daran hindert, das Leben eines Weisen zu führen, sind vor allem ihre Ängste: ihre Furcht vor Schmerzen, vor dem Tode und vor den unerklärlichen Erscheinungen der Natur, in erster Linie den Sternen und den Planeten. Hier entwickelt Epikur ein Verständnis von Wissenschaft, das dem unseren sehr fremd ist. Sie dient ihm nicht dazu, die Wirklichkeit zu erforschen und die menschliche Herrschaft über die Natur zu erweitern, sondern hat den ausschließlichen Zweck, die Menschen zu beruhigen:

„Wenn die Furcht vor den Naturerscheinungen, die Besorgnis, der Tod habe für uns vielleicht doch etwas zu bedeuten, und die Unkenntnis über die Grenzen der Schmerzen und Begierden uns nicht beunruhigen, dann brauchten wir keine Naturerkenntnis“ ( Epikur 1973, 54).

Epikur ist von einer eigentümlichen Gleichgültigkeit gegenüber der Richtigkeit seiner Erklärungen. Die Sonne uns die Sterne, so meint er, seien "vielleicht größer, als wir sie sehen, oder ein wenig kleiner oder eben genauso groß"           (Epikur o.J., 52)
Ihm wäre es vermutlich auch gleichgültig gewesen, ob die Erde oder die Sonne im Zentrum unseres Planetensystems steht. Akzeptabel und gültig sind für ihn nur solche Erklärungen, die den Menschen die Ängste vor dem Unerklärlichen nehmen. Auf ihren Wahrheitsgehalt kommt es nicht an, nur auf ihre Plausibilität im Dienste der Ataraxie. So ist für ihn auch die Furcht vor dem Tod ein Nichts
:

wenn wir da sind, ist der Tod nicht da, aber wenn der Tod da ist, sind wir nicht mehr“ (Epikur o.J., 68)

Weitere Überlegungen hält er für nutzlos, sie könnten nur die innere Ruhe beeinträchtigen. Vorstellungen von einem absoluten unveränderlichen Recht wie Aristoteles und vor allem Platon es forderten, kennt er nicht:

„ Grundsätzlich ist das Recht für alle gleich, denn es bedeutet stets in der auf Gegenseitigkeit beruhenden Gemeinschaft etwas Nutzbringendes. Aber wegen der Besonderheiten eines Landes und aus anderen durch die Verhältnisse bedingten Gründen kann es nicht überall für alle gleich sein“                    (Epikur 1973, 61f.)

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Heraklit von Ephesos (latinisiert Heraclitus Ephesius, * zwischen 540 und 535 v. Chr.; † zwischen 483 und 475 v. Chr.) war ein vorsokratischer Philosoph aus dem ionischen Ephesos.
Heraklit beanspruchte eine von allen herkömmlichen Vorstellungsweisen verschiedene Einsicht in die Weltordnung. Daraus ergab sich eine nachhaltige Kritik der oberflächlichen Realitätswahrnehmung und Lebensart der meisten Menschen. Ein wiederkehrendes Thema seines Philosophierens ist neben dem auf vielfältige Weise interpretierbaren Begriff des Logos, der die vernunftgemäße Weltordnung und ihre Erkenntnis und Erklärung bezeichnet, der natürliche Prozess beständigen Werdens und Wandels. In späterer Zeit wurde dieser Wandel auf die populäre Kurzformel „Panta rhei (Alles fließt)“ gebracht.
    Die Alten hießen ihn den Dunklen. Unzugänglich war seine Persönlichkeit. Er hielt aristokratische Distanz von den Allzuvielen; denn »was ist ihr Sinn oder Verstand? Bänkelsängern glauben sie, und zum Lehrer haben sie den Pöbel, denn sie wissen nicht, daß die meisten Schlechte und nur wenige Gute sind« (frg. 104). »Einer gilt mir zehntausend, falls er der Beste ist« (frg. 49). Schwer zugänglich ist auch seine Lehre. Die überkommenen Fragmente und Sprüche sind wie seltene Edelsteine, hart und voll dunklen Feuers.

Heraklits Denken. Als grundlegenden Gedanken der Philosophie Heraklits berichtet Aristoteles (De coelo G, 1; 298 b 30) den Satz, daß alles fließe und nichts in beständigem Sein verharre (panta rhei). »Man kann nicht zweimal in denselben Fluß hinabsteigen« (frg. 91); andere Wasser sind da und wir selbst sind auch anders geworden. Dieses Ewig-im-Fluß-Sein würde das eigentliche Wesen der Welt ausmachen. Archê ist weder
Wasser noch Luft, noch Apeiron, sondern das Werden: »Diese Welt hat kein Gott und kein Mensch erschaffen, sondern sie war immer und ist und wird sein ein ewig lebendiges Feuer, nach Maßen (metra) erglimmend und nach Maßen erlöschend« (frg. 30). Feuer ist für Heraklit nicht ein besonderer körperlicher Urstoff, wie noch Zeller und Burnet auf Grund ihrer naturphilosophischen Deutung meinten, sondern ist Symbol für die ewige Unruhe des Werdens mit seinem ständigen Auf und Ab, und zwar für das »nach Maßen« geregelte Auf und Ab; ist darum Symbol für das »Eine Weise« (hen to sophon), für die eine »Weltvernunft«. Dafür ist Feuer Erscheinungsform. Das Werden ist ja immer eingespannt zwischen Gegensätze, und sie sind es, die Bewegung in Fluß bringen: »Es ist immer ein und dasselbe, Lebendiges und Totes, das Wache und Schlafende, Jung und Alt. Wenn es umschlägt, ist es jenes, und jenes wieder, wenn es umschlägt, dieses« (frg. 88). Das Werden Heraklits ist nicht ein Vorübergleiten von immer Neuem, sondern ist das Sichdarleben von Gegensätzen: »Sie verstehen nicht, wie es zwieträchtig doch miteinander übereinstimmt. Es ist gegenstrebige Fügung wie von Bogen und Leier« (frg. 51). »Es zerstreut sich und sammelt sich wiederum; es naht sich und entfernt sich« (frg. 91). Der Gegensatz wird somit nach Heraklit fruchtbar und ist voll Leben und

[Johannes Hirschberger: Geschichte der Philosophie: Erster Abschnitt: Die Philosophie des Altertums, S. 37. Digitale Bibliothek Spektrum Band 1: Hirschberger: Geschichte der Philosophie, S. 61 (vgl. Hirschberger-Gesch. Bd. 1, S. 28) (c) Herder-Verlag]

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S O K R A T E S       

Griechischer Philosoph, Athen um 470 v. Chr., gest. ebd. 399 v.Chr.,
verheiratet mit Xanthippe . Sokrates suchte durch geschickte Fragen, oft mit Ironie durchsetzt, bei seinen Gesprächspartnern hohles Scheinwissen zu entlarven. Er lehrte, dass die rechte Einsicht in das sittlich Gute notwendig gutes Handeln nach sich ziehe; Sittlichkeit sei also lehrbar. Böses Tun führte er dagegen auf Unkenntnis des Guten zurück.
Sokrates betrieb seine philosophische Forschung nach der Wahrheit so intensiv, das er lieber sein eigenes Nichtwissen ("ich weiß, das ich nichts weiß") und das seiner Gesprächspartner in den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte, als das er vermeintliche Gewissheit für Wahrheit ausgegeben hätte. Damit fand er sich        durchaus in Übereinstimmung mit dem Hauptanliegen der Sophistik, keine Wahrheit gelten zu lassen, die sich nur auf Herkommen, Gutdünken und andere unausgewiesene Instanzen berufen konnte. Anderseits war es gerade Sokrates, der den spielerischen, unernsten Charakter der sophistischen Redeschulung angriff. Ihm war es nicht genug, jenseits von Wahrheit oder Falschheit, andere nur zu überzeugen, sondern er forderte zugleich persönliche Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit.
Die Unbeirrbarkeit und Kompromisslosigkeit, mit der Sokrates seine Wahrheitssuche betrieb, mögen die Gründe dafür gewesen sein, dass er wegen Gottlosigkeit  und Verführung der Jugend angeklagt und im Jahre 399 v. Chr. zum Tode verurteilt wurde. Aufgrund von Verleumdungen wurde Sokrates zum Tode durch Gift verurteilt. Er schlug die Fluchtmöglichkeit, die ihm geboten wurde, aus und trank den Giftbecher ("Scherlingsbecher") aus Achtung vor Recht und Gesetz, im Kreis seiner Freunde und Schüler.
Platon, Sohn einer altadligen Athener Familie, gehörte seit seiner Jugend zu den Schülern Sokrates´, dessen Prozess und Tod er später in seinen Dialogen beschrieben hat ("Apologie", "Kriton" und "Phaidon"). Der Tod des Sokrates kann wohl als bestimmend für das weitere Leben Platons angesehen werden.

Von Sokrates gibt es keine Schriften; was wir von ihm wissen, geht auf vier höchst unterschiedliche Überlieferungen durch den Historiker Xenophon, den Philosophen Platon, den Komödiendichter Aristophanes und den Platonschüler Aristoteles zurück; auch das hier abgebildete erste Porträt des Philosophen ist nicht zu seinen Lebzeiten entstanden, sondern frühestens zehn Jahre nach seinem Tod.

Platon 1962 – Politeia. In: Werke Bd.III  

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HIPOKRATES

Hippokrates war ein griechischer Arzt, wurde auf Kos um 460 v. Chr. geb. und  um 370 v. Chr. in Larrisa gestorben. Hippokrates gilt als der Begründer der Medizin als Erfahrungswissenschaft. An seine verantwortungsbewusste Haltung als Arzt erinnert der ihm zugeschriebene Hippokratischen Eid, welcher noch heute Grundlage des Arztgelöbnisses ist:
Nur dem Patienten zu dienen, ihm keinen Schaden zuzufügen.

Siehe auch unter: www.aertze-ohne-grenzen.de 

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Platon (lateinisch Plato; * 427 v. Chr., † 347 v. Chr.) war ein antiker griechischer Philosoph aus Athen. Platon stammte väterlicher-und mütterlicherseits aus Land besitzenden aristokratischen Familien Athens. Er war ein Schüler des Sokrates, dessen Denken und Methode er in vielen seiner Werke schildert. Man kann Platon nicht verstehen ohne Sokrates, und deshalb muss man auch versuchen, die Wirkung, die Sokrates auf Platon gehabt hat, näher einzugrenzen. Die Vielseitigkeit seiner Begabungen und die Originalität seiner wegweisenden Leistungen als Denker, als Schriftsteller und als Wissenschaftsorganisator machte ihn zu einer der bekanntesten und einflussreichsten Persönlichkeiten der Geistesgeschichte.
Seine frühe Werke: Apologie, Kriton, Ion, Hippias Minor, Protagoras, Laches, Charmides, Euthyphron, Gorgias.
Mittlere Werke: Menon, Phaidon, Symposion, Politeia (Staat).
Übergang zum Spätwerk: Phaidros, Parmenides, Theaitetos
Spätwerke: Sophistes, Politikos (Staatsmann), Timaios, Kritias, Philebos, Nomoi(Gesetze).

a) Entstehung des Staates

    Der Staat entsteht naturhaft in seinen ersten Anfängen und auch in den wesentlichen Linien seines weiteren Aufbaues. Es ist nicht Willkür, was die Menschen zusammenführt, sondern sie folgen hier einem Antrieb und Gesetz der Natur. Platon wäre kein Anhänger irgendeiner Vertragstheorie gewesen, die den Staat auf Grund reinen Willkürwillens entstehen und in seinen Einzelheiten ausgestalten läßt. Er polemisiert in den Gesetzen (889 d ff.) ausdrücklich gegen die Meinung der Sophistik, daß der Mensch auf diesem Gebiete verfügen könne, was er wolle, gleich als ob es nicht auch hier Normen gäbe, die größer sind als der Mensch. Platon wird damit zum Vater allen Naturrechtes bis herauf zu Hugo Grotius. Mag es auch später immer wieder anders begründet werden, schon Aristoteles gibt ihm eine andere Unterlage und Ausdeutung, Platon war doch der erste, der dem Machtwillen der Diktatoren und der Kommune eine höhere Instanz gegenüberstellt, an die die Menschheit immer wieder appelliert hat, wenn sie das Opfer ihrer eigenen Maßlosigkeit geworden war.

b) Stände

   So entstehen sofort »von Natur aus« die Gesellschaftsordnungen im Staat. Weil der einzelne in der Notdurft des Lebens nicht selbstgenug, nicht »autark« ist, schreitet man zu einer sich gegenseitig aushelfenden Arbeitsteilung. Die einen übernehmen die Ernährung, die anderen das Handwerk, wieder andere Handel und Verkehr, und so entsteht der Nährstand.
    Da ein Staatsvolk aber, wie die Menschen nun einmal sind, Gefahr läuft, von außen oder von innen in Feindseligkeiten verwickelt zu werden, bedarf es der Wächter oder Krieger, und so entsteht der Wehrstand. Die besten von ihnen werden naturgemäß die Führung in die Hand nehmen; sie werden die leitenden Ideen ausgeben und bilden damit die Staatsführer, die »Philosophenkönige«. Das eigentliche Augenmerk wendet Platon der großen staatstragenden Schicht zu, den Kriegern. Von ihnen hängt ja alles ab. Sie müssen darum auf das sorgfältigste erzogen, das heißt zu leiblich und seelisch hochwertigen Menschen herangebildet werden.

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P Y T H A G O R A S

Von Samos, um 580 v. Chr. geb., um 500 v. Chr. gest.
Pythagoras, ein griechischer Philosoph, Mathematiker und Astronom. Er soll sich nach weiten Reisen um 530 v. Chr. in Kroton niedergelassen haben und dort eine esoterisch-religiöse Bruderschaft, den sogenannten (pythagoreischen Bund) gegründet haben. Seine Jünger entstammten aus den konservativ-aristokratischen Kreisen der griechischen Gesellschaft.   Die Erkenntnis-theoretische Ausrichtung der Schule war in der Erforschung des Kosmos, auf mathematisch-astronomischer Grundlage, ausgerichtet. Die Anhänger der Schule des Pythagoras nannten sich die "Pythagoreer", einer naturphilosophischen Lehre, in welcher die Zahl als Ordnungsprinzip aller Wirklichkeit galt. Der berühmte pythagoreische Lehrsatz  (Satz des Pythagoras), ein Fundamentalsatz der Geometrie, besagt: Im rechtwinkligen Dreieck ist die Summe der Quadrate über den Katheten gleich dem Hypotenusenquadrat.

                                             a²+b²=c²

 

 

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