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Re-Christianisierung des Denkens
R.Kotonski, 15.12.09
Diejenigen, die schon mal von der ungehemmten Eindringlichkeit predigender Christen oder meist im Akkord missionierenden Evangelikalen irritiert wurden, sollten wissen, dass es für jene keine würdigere Aufgabe gibt, als im Auftrag ihres Herren die Welt nach seinem Bild zu verändern, und zwar mit jedem greifbaren Mittel, denn nirgendwo heiligt das Ziel die Mittel so sehr, wie bei der Verbreitung von religiösen Wahrheiten.
Zwei weitere Besonderheiten sind bei der Begegnung mit einem Religioten nicht zu übersehen. Die nahezu unmenschliche Humorlosigkeit der Frommen und ihren persönlichen, direkten Kontakt zu Gott. Wer sich wundert, dass die Evangelikalen „die Simpsons“ nicht lustig finden, hat offensichtlich die Ernsthaftigkeit ihrer Situation nicht erkannt. Sie finden es nicht lustig, lustig zu sein angesichts der Verantwortung eines, die Wahrheit kennenden und tragenden Menschen. Diese Verantwortung belastet enorm seine Stimmung und gibt keinen Anlass zum Lachen. Im Gegenteil. Wenn Sie mit einer bis zum Rand gefüllten Tasse Tee vorsichtig und konzentriert durch das Zimmer gehen, damit kein Tropfen ausgegossen wird, ist Ihnen auch nicht nach Spaß und Lachen zumute! Es wäre natürlich ratsam, nur so viel in die Tasse zu gießen, dass man sich frei und entspannt bewegen kann, aber genau das können Gläubige nicht, weil sie glauben dass ihre „Tassen“ geradezu überfüllt sein müssen. Der religiöse Absolutismus lässt keinen freien Raum für Beliebigkeit und souveränes Denken.
„Der wahrhaft Gläubige untersucht keinen Glaubenssatz“, schreibt Nicolas Chamfort. „Es verhält sich damit wie mit einer bitteren Arzneipille: Wenn man sie kaut, ist man nicht mehr imstande, sie hinunterzuschlucken".
Offensichtlich wird die Förmlichkeit der Christen damit großzügig belohnt, dass Gott mit ihnen spricht. „Der Herr sprach zu mir…“, ist aber keine Metapher, sondern übliche Exaltationen gespaltener Persönlichkeiten mit inneren Stimmen und ein Sonderfall für die Psychiatrie. Eine Begegnung mit einem christlichen Medium hat einen irritierenden Moment, in dem man zweifelt, ob das tatsächlich ein Gespräch unter vier Augen ist, oder ein "unsichtbarer Dritter" dabei ist. Wie ein leidenschaftlicher Onanist zu sagen pflegte: „Wenn ich Sex mit einer Frau habe, sind wir schon zu dritt.“
In einem langen Brief eines gewissen Christoph, bin ich mit einem christlich geprägten Weltbild konfrontiert, das weder neu noch überraschend ist, und dennoch von keinem aufgeklärten Menschen akzeptiert sein muss. Seine seltsamen Theorien sind polemisch genug, um sie auf eine Art zu widerzulegen, die solchen fantastischen Theorien zusteht. Selbst der nicht endende Dialog mit den Religionen in all ihren möglichen Facetten, ist meines Erachtens zu konventionell, zu oberflächlich und zu diplomatisch. Und all das, aus der Angst, die sensible christliche Seele zu verletzen. Ich bin strickt dagegen, aus Bequemlichkeit diplomatisch zu sein, denn das wirkt äußerst unpädagogisch. Denn, wenn man den Religioten nicht wiederspricht, dann fühlen sie sich in ihrer Denkweise bestätigt und zu weiteren Exzessen ermutigt. Diese Regel ist allerdings universal und trifft auf alle Arten von aktiven Idioten zu.
Mit einer fragwürdigen Logik und einem beneidenswerten Eifer wurde ich über die angeblichen christlichen Wurzeln der Aufklärung, das vermeintliche Patronat der Kirche über die Wissenschaft und Kultur, die zentrale Frage des Glaubens, wie die Existenz Gottes, und zuletzt über den Atheismus als eine dritte, z.Z. in Europa schamlos agierende „Religion“ belehrt.
Charakteristisch für die obsessiven Christen ist, dass sie aus Mangel an Argumenten die Bibel reichlich zitieren, als ob es eine legitime Erklärung ihrer Position wäre. Über die Hälfte des Briefes ist von Bibelzitaten geradezu überflutet. Die Moslems benutzen das gleiche Manöver, wenn ihnen die wenigen, rationalen Argumente ausgehen. Sie zitieren den Koran, als ob der Übergang von der Wirklichkeit zur Märchenwelt eine der natürlichsten Sache der Welt wäre.
Da ich als Agnostiker und Humanist mit der Bibel und schlechter Literatur nicht vertraut bin, kann und darf ich nicht darüber diskutieren. Aber weshalb sollte ich die Heiligen Bücher kennen, wenn ich mit ihren lebenden „Produkten“ nicht einverstanden bin? In dem Fall verlasse ich mich auf die Meinung derjenigen, die sich in dieser Materie auskennen und denen ich auch ein gewisses Vertrauen schenke.
Mark Twain schreibt z.B.: „Unsere Bibel offenbart uns auf exakte und bitterliche Genauigkeit den Charakter unseres Gottes. Das Porträt ist eigentlich das eines Menschen. Wen man sich einen Mensch vorstellen kann, der mit über und über bösem Treiben weit über die menschlichen Grenzen hinaus ausgestattet ist. Seine Taten zeugen permanent von seiner rachsüchtigen, ungerechten, knausrigen, erbarmungslosen und nachtragenden Natur. Unauffällig bestraft er unschuldige Kinder für die Untaten ihrer Eltern, Völkern die niemandem ein Haar krümmen haben für Taten ihrer Herrscher. Die Bibel ist womöglich die meist belastende Biographie, die in gedruckter Form existiert.“
Aktuell empört sich die Öffentlichkeit des katholischen Portugals über das neuste Buch von Nobelpreisträger Jose Saramago „Caim“. Sein Fazit, die Bibel sei „ein Katalog von Grausamkeiten“ trifft genau den christlichen Solarplexus und korrespondiert mit Twains Meinung. Als das meist verkaufte Buch der Welt, hat die Bibel eine Gesellschaft erzogen, in der alle Formen biblischer Grausamkeiten lebendig sind.
Christoph schreibt: „Ich weiß nicht, ob es schon viele Abhandlungen darüber gibt, in denen die Frage gestellt wird, warum eigentlich die Aufklärung in (West-)Europa statt gefunden hat und nicht in Arabien, Zentralafrika, China oder Indien.“
Wenn eine solche Frage irgendwann gestellt wird, dann ist die Antwort erstaunlich leicht: Jeder dieser Kulturen oder Welt - Regionen („Arabien“ ausgenommen), waren zur keiner Zeit Ihrer Geschichte vom Monotheismus betroffen, daraufhin ergab sich dort keine Notwendigkeit, gegen diese Ideologie etwas zu unternehmen. Fernöstliche Länder entwickelten ihren Kulturen fast ohne religiöse Konflikte. Eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Buddhismus, Shintoismus, Hinduismus, Taoismus gab es kaum, da der fernöstliche Mensch anders konditioniert ist. Er gehorcht nämlich keinem Generalissimus - Gott, der ihm einen selbstverfassten, „heiligen Idiotentest“ hinterlassen hat. Die religiös motivierte Gewalt spielt sich hauptsächlich zwischen den Anhängern des Monotheismus ab. Der in Konflikt mit dem Islam verwickelte Hinduismus ist die Ausnahme.
„Ein erster Ansatzpunkt für die Frage, warum die Aufklärung in Europa statt fand, wäre der Hinweis auf die antiken Griechen. Auch diese hatten bereits eine Philosophie entwickelt, die anscheinend relativ unabhängig von ihrer Religion betrieben wurde, soweit ich das beurteilen kann“.
Jede Revolution greift auf bestimmte Vorbilder und deren Werte zurück. Da das Gedankengut der alten Griechen sich gegenüber dem „Gedanken-Müll“ der Kirchenväter bewährt hatte, ist es selbstverständlich, dass der Universalismus, der von der sich emanzipierenden Gesellschaft im
17.Jahrhundert angestrebt wurde, seine Wurzeln gerade in der antiken Kultur fand. Nicht „auch“ sondern „die“ Griechen haben die Philosophie und den Humanismus erfunden, und lange bevor die Christen auf der Welt- Bühne erschienen.
Mit den sogenannten „christlichen Werten“ ist es genauso wie mit den übrigen Ideen. Sie sind nur so viel wert, als wie man sie umsetzen kann. Bedauerlicherweise, wie unsere Geschichte es zeigt, sind alle höheren menschlichen Ideale, gleich an obskurer menschlicher Natur gescheitert. Da irrt sich der Publizist und gläubige Katholik Matussek, wenn er seine tolerante Lebenseinstellung aus dem Wesen und Werten des Christentums zieht, als wären die Menschenrechte vom Himmel gefallen. Humanität und Toleranz ist historisch erzwungener Umgang mit Menschen, die als Bürger und nicht mehr als königliche bzw. päpstliche „Untertanen“ in der Demokratie leben dürfen. Hätte sich der Laizismus und Humanismus in der heutigen Form nicht durchsetzten können, dann würde vielleicht Herr Matussek, wie auch viele von uns, bei öffentlichen Exekutionen auf dem Marktplatz fröhlich applaudieren.
Nicht die Katholische Kirche regelt den gesellschaftlichen Verkehr, sondern ein gut funktionierender Rechtsstaat. Ein Beispiel: Radikale Katholiken haben kein Verständnis für Kritik an ihrer Religion, auch nicht durch die Kunst, die sie nur durch ihre christliche Brille zu betrachten und zu bewerten in der Lage sind. Sie würden gerne viele Künstler für ihre blasphemischen Werke verbannen oder auch töten; und das ist gewiss kein Zeichen von Nächstenliebe und Toleranz. Wenn sie das doch nicht tun dürfen, verdanken wir das nur den Gesetzen eines säkularen Staates und nicht der Barmherzigkeit des Pöbels.
Zwar ist die christliche Lehre nicht unbedingt menschenfeindlich, aber dass die modernen Menschenrechte nicht von der Katholischen Kirche proklamiert wurden, ist sicherlich sie zutiefst bedauerlich. Der Vatikan ist immer noch der einzige Staat Europas, der die Menschenrechtskonventionen nicht unterschrieben hat, was darauf hinweisen könnte, dass für den Vatikan nicht der Mensch das Maß aller Dinge ist.
Seit der Machttrennung von Staat und Kirche läuft für die beiden nicht mehr so glänzend und reibungslos wie zuvor. Die Kirche befindet sich allerdings in der bequemeren Position eines Beobachters, der keine politische oder wirtschaftliche Verantwortung für die Gesellschaft trägt, aber gleichzeitlich aus der Enttäuschung, Angst und Unzufriedenheit der Menschen seinen Vorteil zieht.
Wie Wasser in Wein, wandeln die Religionen alle politischen Misserfolge in ihre Erfolge um. Das Beispiel Irans und Polens zeigt die Unfähigkeit eines unterdrückten Volkes, der Vorteil ihrer Befreiung beizubehalten. Politisches Versagen wurde automatisch von religiöser Diktatur korrigiert, das Volk „übernommen“ und beherrscht. Kann die Menschheit überhaupt in einem ideologisch neutralen Zustand längere Zeit existieren und sich dabei konfliktlos entwickeln? Müssen wir tatsächlich päpstliche Enzykliken lesen um zu erkennen, dass die Welt ungerecht ist?
Die Distanzierung der Kirche zu den eigenen Verbrechen in ihrer langen grausamen Vergangenheit, ist z.Z. eine Taktik, die gut ankommt. Bezüglich der Re - Christianisierung gibt es eine bedenkliche Tendenz, sich fremde Verdienste sowohl historische Errungenschaften anzueignen. Ein Marken- schwindel und Plagiat, der in religiösen Medien kolportiert wird. Es gibt aber keine christliche Philosophie(1), da der Unterschied zwischen Glauben und Denken nicht überwindbar ist.
Es gibt auch keine „christliche Meditation“, kein „christliches Yoga“ und sogar die Rockmusik wird zum Zweck der Missionierung missbraucht. Die „jugendliche“ Trendfreundlichkeit und fiktive Verwandtschaft mit dem Humanismus, sollte die Kirche vor dem Sturz in die Bedeutungslosigkeit retten. Sie verkauft sich heute humaner und aufgeklärter denn je. Der Nachholbedarf ist in der Tat groß, und die Anpassung an die freie moderne Gesellschaft muss ziemlich erniedrigend sein, für eine alte Institution die gewohnt war, diese Gesellschaft selber zu steuern. Da die Wiedergewinnung von Autorität und Vertrauen nicht leicht ist, zwingt sich die Kirche zu oft akrobatischen Posen im Kampf um ihre primäre Position als europäische Religion. Und die Konkurrenz steht vor den Türen Europas. Eigentlich sie ist schon drin.
Die „Traum – Beute“ der christlichen Begierde ist die Aufklärung selbst. Dass die Reformation nur mit einem Tapetenwechsel zu vergleichen ist, während die Aufklärung eine radikale, gesellschaftliche Wende war, die das feudal-kirchliche Herrschafts-Gebäude stürzte, wird von obsessiven Christen nicht verstanden. Immer öfter wurde die Reformation zu einer Befreiungsbewegung erhoben, beinahe gleich der Französischen Revolution. Die Versuchungen, die Geschichte zu manipulieren (meistens durch Verleugnung wie beim Stalinismus, Nationalsozialismus, Japan, Türkei usw.), gab es schon in allen Totalitarismen. Kirchliche Reformatoren wie Jan Hus, Martin Luther, Calvin u.a. werden in dem Missionierungsprozess unauffällig zu großen Aufklärern kreiert. Der langsame aber ständige Zuwachs von bildungsarmen, aber frommen Massen, bietet eine ideale Plattform für die Ausbreitung solcher historischen Verdrehungen. Das 10.Gebot „Du sollst nicht das Hab und Gut Deines Nächsten begehren“, betreffen auch die Urheberrechte, liebe Christen!
„Nichtsdestotrotz wird man festhalten dürfen, dass Europa am Ende des 17. Jh., als die Aufklärung begann, 1700 Jahre lang vom Christentum mehr geprägt wurde, als von der griechischen Philosophie, aber man stellt auch fest, dass die christlichen Philosophen die griechische Philosophie durchaus studiert und akzeptiert hatten.“
Der Einfluss des Christentums auf die europäische Kultur, die Zeitrechnung ausgenommen, ist unumstritten. Durch ihn sind wir z.B. mit dem Rassismus, Antisemitismus oder der Homophobie unumkehrbar stigmatisiert. Und das sind nur die bekanntesten Schandflecke des christlichen Erbe. Diktaturen prägen selten. Sie zwingen, unterdrücken und terrorisieren eher, was viel radikaler „beeinflusst“ und den historischen Tatsachen entspricht. Selbst die atemberaubende Schönheit der Kathedralen und die Gregorianischen Gesänge können das soziale Elend und mittelalterlichen Gestank als negative Resultate der „Beeinflussung“ nicht rechtfertigten! Der christliche Beitrag zur europäischen Kultur beschränkt sich im Wesentlichen auf die Selbstdarstellung in architektonischem Monumentalismus, elitärer religiös inspirierter Kunst, großzügiger Finanzierung eigener Pracht und die Eitelkeit des Klerus. Ideologisch nicht konforme Kunst wurde in allen europäischen Diktaturen entweder als „entartet“, “ klassenfeindlich“ oder „ketzerisch“ rücksichtslos verfolgt. Auch Mittel - und Südamerika wurde vom Christentum „beeinflusst“. Und wir alle wissen, mit welchen Mitteln. Das bedeutet aber nicht, dass die Nachfahren der Inkas und Mayas zum christlichen Erbe zählen, weil sie mal von den Christen vergewaltigt wurden. Auch das Christentum ist nicht europäisch, und wie alle Monotheisten, jenes aus der Wüste(2) in die Wälder Europas.
Auf gewisse Weise wäre der Aufklärungsprozess ohne das Christentum tatsächlich nicht möglich, genauso wie die Antimafia - Gesetze ohne Mafia nicht entstanden wären oder Umweltschutz ohne Umweltverschmutzung.
Es ist schon ziemlich mutig, kirchlichen Despotismus als Kultur - Protektorat zu bezeichnen. Die katholische Kirche hat nur solche „Wissenschaft“ zugelassen und unterstützt, die ihrem christlichen Weltbild nicht wiedersprach. Religiöse Dogmen sind nur mit einer Pseudowissenschaft zu begründen, deren repräsentatives Fach Theologie heißt. Sie ist der letzte Anachronismus im Bildungswesen, der weiterhin wissenschaftlichen Status genießt. Allerdings, jede Belanglosigkeit präsentiert sich viel besser, wenn sie studiert wird. Die Religion gehört nur bedingt und mit großen Vorbehalten zur Kultur. Ungezogen formuliert, gehört sie zur Kultur wie ein Parasit zu dem Organismus, den er bewohnt. Die Kirche hat schon zu viele Kulturen erobert, vernichtet und deren Völker versklavt, um sie im Kulturkreis willkommen zu heißen. Sie war zurzeit ihrer Ausbreitung der Kultur-Killer par excellence. Kultur heißt Denken, Bewegen, Transformation und Interaktivität. Die Religion ist das Gegenteil davon.
Auf dem verbotenen Index des Vatikans gelandete Bücher wurden nur dadurch nicht zusammen mit ihren Verfassern auf dem Scheiterhaufen verbrannt, da es überhaupt an Büchern mangelte. Für die späteren Diktaturen des 20. Jahrhunderts, als Bücher schon populärer waren, reichte allein ein Verbot nicht aus. Zur dieser Zeit also wurden mehr Bücher als Schriftsteller in Europa verbrannt.
„Dieses Neue Testament hat auch sicher jeder in Europa im 17. Jahrhundert mit der Muttermilch aufgesogen, auch jeder aufgeklärte Philosoph.“
Ja, vorausgesetzt, dass die mütterlichen Brüste im 17. Jahrhundert das neue Testament gelesen haben. Leider ist es nicht die Muttermilch, die den menschlichen Charakter formt, sondern die soziale Wirklichkeit jener Zeit. Angesichts einer 80% Analphabetismus - Rate im mittelalterlichen Europa, ist es schwer anzunehmen, dass die Kirche irgendwas zum kulturellen Erbe Europas beigetragen hat. Noch nie in der Geschichte hat eine politische wie auch religiöse Macht freiwillig einen gesellschaftlichen Aufstand unterstützt, wenn sie nicht eigenes Interesse daran hatte.
Das christliche Gehirn verbrauchte rund 2000 Jahren um seine Störungsfunktion zu fetischisieren und vernachlässigte dabei die eigentliche Entwicklung. Als Nebenwirkung dieser Vernachlässigung entstand eine düstere „Schatten-Welt“, jenseits derjenigen, die vergeblich auf Erleuchtung warten.
Unkommunikativ, infantil und teilweise verloren, passt sich heute der gläubige Christ an die nicht biblische Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts an. Die Christen und das Christentum, die an die darwinsche Evolution nicht wirklich glauben dürfen, evolutionären selbst, ob sie wollen oder nicht. Eine kleine, von Anfang an verfolgte Sekte, wird innerhalb von dreihundert Jahren zum rücksichtslosen Despoten. Vom Gejagten zum erbarmungslosen Jäger und Eroberer. Eine umgedrehte Metamorphose von einem schwachen Schmetterling zu einer hässlichen Raupe.
Um zu verstehen, wie gefährlich der Glaube an sich sein kann, braucht man nicht weit zu suchen. Der Glaube, dass Tigerknochen, Seepferdchen oder pulverisierte Nashorn - Hörner eine aphrodisierte Wirkung haben, obwohl dies wissenschaftlich wiederlegt wurde, trägt direkt zur Ausrottung dieser seltenen Tiere bei. Der mittelalterliche Glaube an Hexerei hat Tausende von Frauen das Leben gekostet. Zigtausende von Jahren brauchte der Homo Sapiens um sich zu vermenschlichen, doch innerhalb eines Augenblicks kann seine Menschlichkeit verlieren.
„Ob Gott existiert kann die Aufklärung weder beweisen noch widerlegen, die beiden Sphären Glaube und Wissenschaft haben doch im Prinzip nichts miteinander zu tun.“
Gewiss, und deshalb ist es nicht die Aufgabe der Wissenschaft, die Existenz von Nichtexistenz zu wiederlegen, was allein schon ein Absurdum ist. Die Gottesexistenz zu beweisen ist die Aufgabe derjenigen, die behaupten ihn getroffen zu haben. Man ist so lange unschuldig (nichtexistent) bis einem die Schuld (Existenz) bewiesen wird. Verleugnung und Verdrängung gehören zur religiösen Systematik mit logischen Fällen umzugehen. Ich kann nicht beweisen, dass ich am 02.11.05 nicht auf dem Mond gewesen bin. Und wenn ich das nicht kann, musste ich dann dort gewesen sein? Auf dieser Logik basierend arbeiten die christlichen Überzeugungstäter. Die Gläubigen setzen einfach die göttliche Anwesenheit als Realität voraus, und erwarten, nach einer plausiblen Begründung nicht gefragt zu werden, als hätte jeder Mensch diesen Apriorismus mit der Muttermilch ausgesogen!?
Da die Existenz Gottes nicht nachweisbar ist, und ausschließlich in den Köpfen der Gläubigen als unbewusstes Bedürfnis spukt, ist jene genauso schwärmerisch und abstrakt wie die Gedanken selbst. Der Glaube und Gott erscheinen gleichzeitig wie der Schall und Gehör, und auch gleichzeitig lösen sie sich auf wenn die Logik und Vernunft sie verdrängt. Vom religiösen Gehirn ist diese Eigenschaft nicht richtig wahrgenommen, aber genau deshalb ist er religiös. Im Gegensatz zu Gott gibt es den Berg Fujiyama wirklich, ob man daran glaubt oder nicht. Was die Humanisten angeht, ist es ihnen lieber noch nicht zu wissen, als schon zu glauben. Mit dieser Einstellung bewahren und setzen die Humanisten das hellenistische Erbe Europas fort, deren bekanntester Philosoph Sokrates das perfekte Statement aller Ungläubigen formuliert hat: „ich weiß, dass ich nichts weiß“.
Meine Beziehung zur Religion ist durch die kurze aber präzise marxistische Maxime festgelegt, die jeder kennt. Religion ist die Einstiegs - Droge par excellence mit einem unmäßigen Suchtpotential. Daher ist jeder „Religiot“ durch die Sucht nach blindem Fundamentalismus gefährdet. Die Feststellung „Religion ist das Opium des Volkes“ benötigt heutzutage eine kleine Korrektur. Zur Aggressivität der Gläubigen, ihre Wahrheit durchzusetzen, ergibt sich nun ein anderer, passenderer Vergleich - das Kokain. In der Konsequenz halte ich die, mit Religion betäubte menschliche Population, für nichts anderes als gewöhnliche Junkies. Je streng gläubiger (abhängiger) jemand ist, umso weniger glaubwürdig (zurechnungsfähig).
Die Re-Christianisierung Europas bedroht mit ihrer Ausbreitung auch intellektuelle und politische Sphären. Und das ist tatsachlich höchst beunruhigend und alarmierend. Uns bleibt zu hoffen, dass die Anzahl der unaufgeklärten Intellektuellen nicht die kritische Grenze übersteigt. Das Ziel der Humanisten oder Atheisten ist nicht die Abschaffung von Religionen, sondern ihre Abschiebung dort hin, von wo sie ausgegangen ist - ins Dorf zurück.
Die Ikone der Aufklärung und mein absoluter Favorit Voltaire, hat die wahrscheinlich wichtigste Botschaft an die Zukunft ausgesprochen. Sie lautet:
„Wenn es im Winkel irgendeiner Vorstadt einige Konvulsionärs(3) gibt, so ist dies eine schmutzige Krankheit, die nur den niedrigsten Pöbel angreift. Die Vernunft dringt in Frankreich täglich weiter vor, sowohl in den Kaufmannsläden als den Häusern der Großen, und die Früchte dieser Vernunft muss man so lange pflegen, bis es unmöglich ist, ihr Fortdauerendes Wachstum wieder zu verhindern.“
Ein passender Ort für Verbreitung dieser Botschaft wäre Fassade jeder Universität des Abendlandes als Hoffnungs-Institution unsere Zivilisation. Diese Warnung zu kolportieren wäre es nicht notwendig gewesen, wenn man, wie sich schon Sigmund Freud gewünscht hatte, dem gläubigen Bürger den Zugang zu Universität verbietet. Sehr radikal, unrealistisch aber wie konsequent!
Weil sich nicht konfessionelle Bürger zum Wiederstand gegen unheilbare Pubertät organisieren wollen, ist der Atheismus noch keine Religion und wird keine sein. Atheismus ist eine innere Haltung von selbstbewussten Menschen, die den Mut haben, mit existentieller Sinnlosigkeit selbständig umzugehen, und trotzdem oder gerade deshalb, ethisch zu handeln.
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1. „Entscheidend ist zunächst, dass die christliche Theologie den Versuch unternahm, ihren Glauben in der Sprache der Philosophie zu formulieren…..;.“ „Ein eigenständiger philosophischer Anspruch wie in der Antike, war der Philosophie zu jener Zeit nicht möglich; sie war an die jeweilige Religion gebunden“ - („Das Verhältnis von Religion und Philosophie im Christentum und im Islam“ PD. Dr. Dr. Bertram Schmitz)
„Der Unterschied zwischen Religion und Philosophie ist aber nicht der, dass der religiöse Mensch von der Existenz eines Gottes ausgeht und der Philosoph nicht. Philosophie ist nicht identisch mit Atheismus. Ein Philosoph kann im Verlaufe seines Nachdenkens durchaus zum Atheismus gelangen. (Wie es auch atheistische Religion geben kann! Siehe Buddhismus.) Er kann aber auch zu der Auffassung gelangen, dass ein Gott existiert, bzw. dass dies wahrscheinlich oder möglich ist. Aber er kommt zu diesem Ergebnis im Verlauf eines Denkprozesses und nicht auf dem Wege des blinden Glaubens“.
Peter Möller „Religion und Philosophie“
2. „Monotheismus“, soweit man dieses Wort verwenden kann um at-tawhîd zu übersetzen, obwohl es seine Bedeutung einigermaßen beschränkt, insofern man unausweichlich an einen ausschließlich religiösen Gesichtspunkt denkt, hat einen wesentlich „solaren“ Charakter. Dies ist nirgends stärker „wahrnehmbar“ als in der Wüste, wo die Vielheit der Dinge auf ein Minimum reduziert ist und wo zur gleichen Zeit Trugbilder all das Illusorische der manifesten Welt verdeutlichen.
3. Die Konvulsionen hatten ihre Vorgeschichte seit 1727 mit den Wunderheilungen auf dem Grab des im Volk sehr beliebten Diakons Francois Paris auf dem Friedhof von St.Medard. Nach dem Scheitern ihres Wiederstands in die Kirche griffen die Jansenisten diese Wunder auf und interpretieren sie in figuristischer Manier als Zeichen Gottes zugunsten ihres Anliegens. Entsprangen die Heilungen zunächst noch einem spontanen Volksglauben, so wurden sie ab 1730 zu einem Instrument jansenistischer Propaganda, der Friedhof zu einem Umschlagplatz jansenistischen Schriften, und die Verehrung Paris wurde in Rahmen der Polemik gegen Unigenitus eingebunden. In dieser aufgeheizten Stimmung begannen im August 1731 die erste Konvulsionen, d.h. schmerzhafte, lang andauernde Krämpfe, die als unmittelbares Zeichen des Wirken Gottes im menschlichen Körper gedeutet wurde und an deren Ende in einigen Fällen die Heilung des Konvulsionärs stand. Die Konvulsionäre selbst stammen zu einem großen Teil aus dem mittleren Pariser Bürgertum, die Teilnehmer an den Versammlungen aus dem Adel und dem gebildeten und wohlhabenden Bürgertum. Die Zahl der Konvulsionen nahm in der Folgezeit so stark zu, dass die Obrigkeit sich genötigt sah, den Friedhof St.Medard am 29.Januar 1732 zu schließen.
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Polanskis „California Dream“
Die US Amerikaner brauchen schon kein Brot mehr. Sie verlangen nur nach Spiele. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist es ein Privileg der Massen, sich auf Kosten der Prominenten und Wohlhabenden zu amüsieren, wenn diese zugrunde gehen. Offengesagt, das „Schadenfreude – Syndrom“ ist das beliebteste Unterhaltungsangebot des Kapitalismus überhaupt.
Das, was im Fall Polanski tatsächlich skandalös ist, ist die überraschend schmeichelhafte Entscheidung der Schweizer Justizbehörde einen fremden Justizapparat zu unterschützen, der allgemein als Karikatur gilt. Mit unverhohlener Offenheit blamiert sich Justizministerin Widmer-Schlumpf und zeigt sich von der Kritik unbeeindruckt: "Wir finden in der Schweiz, dass das Recht durchgesetzt werden soll."
Ob die gerechten und anständigen Schweizer Beamte genauso schnell und bedingungslos der globalen Verbrecher und ihrer dubiosen Geschäfte zu enthüllen bereit sind? Warum gerade Polanski, wenn die Schweizer Keller voll von Leichen größeres Kaliber sind? Anscheinend war der Regisseur Polanski zu Zeit der moralischen Erleuchtung der Schweizerischen Justizbehörde unglücklicherweise in der Nähe.
Die in der Öffentlichkeit nicht zitierten Fakten sprechen eine andere Sprache über die Umstände vor 32 Jahren. Sie alle hier zu nennen ist kaum möglich. Deshalb empfehle ich im Fall einer medialen Überreizung immer feste Literatur, also Bücher. Die neurotischen Medien von der Oberflächigkeit des Scheines leben, lassen sie sich von den Fakten nicht beeindrucken.
Alles hat angefangen mit jener der VOGUE Ausgabe, für die sich Polanski verpflichtete hatte, Bilder zu machen. Der Teenager Samantha Geimer alias Sandra* aus San Fernando Valley war eine von fünf Mädchen aus fünf Nationen, die als Models ausgewählt wurden. Sandras lockeres Benehmen und Umgang mit dem eigenen Körper überraschte Polanski. Sie war fast so größ wie er und hatte den Körper eines 18- jährigen Mädchens. Die erste Treffen mit Sandra, ihrer Mutter Jane und Mutters ständig bekifften Freund Bob beschreibt Polanski so: „Ich habe sie diskret beobachtet. Die Begeisterung Henris (Henri Sera) konnte ich nicht teilen. Ich war eher ein wenig enttäuscht. Ungefähr meine Größe, schlank, graziös mit für ihr Alter ungewöhnlicher, krächzender und lautloser Stimme. Sie war schön, aber nicht berauschend schön.“**
„Während unserer Foto-Session am Strand habe ich sie gebeten sich umzuziehen. Sie zog ein frisches T-Shirts an. Obwohl sie keinen BH trug, habe ichkein Anzeichen von Verlegenheit gemerkt".
Sandra besaß die für Teenies natürliche Neigung, mit der eigenen Schönheit zu provozieren. Wie sich später herausstellte, war Polanski nicht ihre erste sexuelle Beziehung, aber offensichtlich die erste, deren Veröffentlichung sich für das Mutter-Tochter Komplott lohnte.
„Unterwegs zu Nicholson Villa für eine weiteren Foto Session, hat Sandra zugegeben, dass Sie mit ihrer ersten Liebe schon beim ersten Treffen ins Bett gegangen ist.“
Einer Vorstellung von dieser Familie, insbesondere die Mutter Tochter Beziehung, liefert die Rolle Sharon Stones und Alexis Dzienas aus dem Jim Jarmush Film „Broken Flowers“.
Man sollte auch erwähnen, zur welcher Zeit sich diese folgenreiche Begegnung abspielte. Acht Jahre nach Woodstock stand die Flower - Power Ära noch in ihrer vollen Pracht. Ungezogene Sex - und Drogen Experimente in kreativen und weniger kreativen Schichten gehörten an der West Küste zu den angesagten Trends. Vermutlich, die einzigen unschuldigen Wesen waren zur jener Zeit die kalifornischen Seelöwen, wenn sie sich fern vom Strand hielten. Gleichzeitig aber gab es auch viele Plätze, an denen die „Make Money“ Ideologie noch stärker war als die Präsenz von „Make love“. Kalifornien gehörte dazu. Noch stärker als woanders strebten die Kalifornier nach Ruhm, Popularität und Geld. Ein Hollywood Star war ein Traum - Opfer für jeden, der sich unterschätzt fühlte.
Es gibt in dieser Geschichte noch eine schwer erklärbare gesetzliche Besonderheit. Die Altersgrenze vor sexuellen Handlungen geschützten Jugendlichen ist offensichtlich schwer festzustellen. Je nach Bundesstaat ist das Schutzalter zwischen 13 und 18 Jahren gesetzlich festgelegt (Angaben aus den 70er Jahren). Das Erlangen der biologischen Reife innerhalb einer Klimazone ist aber individuell reguliert, was eine präzise rechtlicher Markierung unmöglich macht. Bekanntlich geben sich junge Mädchen gern älter aus als sie sind. Der einzige Verlass in solch unsicheren Situationen liegt in der eigenen Erfahrung, an einem „guten Auge“ oder dem Personalausweis (?)… Sonst spielt man mit dem Feuer.
Im Jahr 1976 wurde in L.A die Strafe wegen sexuellen Missbrauchs von 25 % der Angeklagten zur Bewährung ausgesetzt. Unter ihnen Schullehrer und Polizisten.
Schon eine Unterschreitung der Altersgrenze um einen Monat kann in den USA bestraft werden. Wenn man aber ein wenig Geduld hat, ändert sich die Lage diametral. Ein paar Wochen können darüber entscheiden, ob man ein anständiger Bürger bleibt oder wie ein psychisch Kranker behandelt wird.
Es ist schon eine Groteske, Polanski psychologisch zu untersuchen, und nicht die Gesetzgeber, Wanderprediger und ihre Kundschaft, Kreationisten und Politiker. „Irre - Wir behandeln die Falschen“ hat Manfred Lütz sein letztes Buch genannt. Das ist genau der Fall! Warum kam keiner auf die Idee, Präsident G.W.Busch psychologisch zu testen um die Welt vor seinem gewalttätigen Wahnsinn zu retten? Wenn man die Kuriositäten der amerikanischen Gesetzgebung analysiert, beginnt man zu zweifeln, ob wir trotz der gleichen Verherrlichung von Geld und Demokratie zum selben Kulturkreis gehören.
Die besten Kommentare zur dieser Epoche in der USA, kommen von Timothy Leary. „Die Jagd ist natürlich der größte Nervenkitzel für die Säuger. Das Urteil richtet sich gewöhnlich nach den Stellenwerten des herrschenden Moralmarkts. Die Zeremonien der Jagd auf Sünder, ihre öffentliche Anklage und die Forderung nach Vergeltung sind die grundlegenden religiösen Zeremonien von domestizierenden Primaten. Die Presse spürt, was die Öffentlichkeit hören will und erzählt dann genau das, um die Zeitung verkaufen zu können“.
* In seiner Autobiographie nennt Polanski Samantha Geimer – Sandra
** Alle Zitaten aus dem Buch von R.Polanski „Roman“, Wydawnictwo Polonia 1989.
R.Kotonski, 5.1.10
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Ein Wort zum Sonntag.
Plädoyer für bedingungslose Grundeinkommen
Wenn Du also mein Recht auf Existenz in Frage stellst, weil Du meine Arbeit nicht brauchst, und fragst hinterher, wofür ich vom Staat überhaupt bezahlt werde, dann sage ich Dir folgendes: Das Geld bekomme ich, dass ich nicht zu Dir komme, und Dich und Deine Familie niederschlagen muss. Dass Ich Dein Heim nicht plündere, und wenn ich besonders schlecht gelaunt bin, auch niederbrenne. Und ich komme nicht allein. Mit mir kommen hunderte meinesgleichen und verbrennen die Häuser von deinesgleichen. Weil wir das Böse sind. Du hättest mich gern per Gesetz ausradiert, als störenden Kostenfaktor. Gezwungenermaßen lösche ich Dich „traditionell“ und endgültig aus. Ich bin die Verkörperung des Bösen, und wie Jean-Jacques Rousseau in „Der Gesellschaftsvertrag“ bin ich der Meinung, dass „Jeder Mensch hat das Recht, sein eigenes Leben aufs Spiel zu setzen, ums es zu erhalten“. Paradoxerweise, und dieses Paradoxon hast Du selbst geschaffen, setze ich Dein Leben aufs Spiel! Verstehst Du jetzt, wofür DEIN Staat mir Taschengeld gibt?
Man sagt, dass der Mensch sich vom Zwang der Natur befreit hat, um sich dem Produktionszwang zu unterwerfen. Da die Unverträglichkeit des Überflusses einerseits, und die Ungerechtigkeit andererseits die Menschenwürde sukzessive vernichtet, muss sich der Mensch von der Arbeitsliturgie und dem Produktionszwang befreien. Die Moralapostel ungeklärter Herkunft, meistens aus den politischen Lagern, haben viele Gründe, diesen natürlichen Umdenkungsprozess zu verhindern. Wenn es ihnen nicht gelingt, das Arbeitsethos zu reanimieren, und nach Gott auch die Arbeit stirbt, so gibt es einen wichtigen Grund weniger sie zu wählen.
Eines hat die Politik von der Kirche gelernt: nämlich zu predigen, wenn es für Handlungen keinen Spielraum mehr gibt. Man hätte gerne den Dekalog um ein weiteres Gebot erweitert: „Im Schweiße Deines Angesichts sollst Du Dein Brot erwerben“, der bei der postindustriellen klassenlosen Massengesellschaft Schuldgefühle erzeugt, dass sie sich noch mehr anstrengen ihre eigene Misere zu genießen. Woran geglaubt werden sollte, ist vor allem die moralische Überlegenheit der Arbeit über die Bezahlung. Die Arbeit selbst ist die Belohnung, die Buße, das Alpha und Omega der frommen Bürgerschaft. Wer daran glaubt wird heilig.
Die mit der Erbsünde geborenen Christen, die ihre Schuldgefühle mit sich tragen, sind verständlicherweise auch Verpflichtungen, konsequent den Forderungen ihres Erlösers nachzukommen. Was ist aber mit den „unbelasteten“ Ungläubigen, deren Seelen nicht gerettet wurden, die kein schlechtes Gewissen haben, dass der Arbeitsmarkt sie nicht braucht, und sich dafür nicht schämen wollen?
Die Mehrheit akzeptiert die neue Moral der individuellen Verantwortung (für das kollektive Versagen der Anderen), gehorsam und naturgemäß schweigend. Um nicht als ausgestoßen angesehen zu werden (denn nur ein vermittelbar, werktätiger Mensch scheint ein Mensch zu sein), lassen sich die mittellosen Ex-Arbeiter auf jenem Arbeitsmarkt, der für ihre Demütigung mitverantwortlich ist, regelrecht prostituieren. Von Menschen die 20 Jahre in einem Betrieb gearbeitet haben, Flexibilität zu verlangen, ist eine Unverschämtheit! Wenn das keine Menschenverachtung ist? Nicht nur die Verfassung, sondern auch der Bürger selbst, muss immer öfter vor dem Kalkül der politischen Angriffe geschützt werden. Die Würde des Menschen wird so oft angetastet, dass man schon an ihr zweifelt und nach neuen Definitionen sucht, damit die Relevanz des Grundgesetzes erhalten bleibt. Der Aufruf zur Selbstverantwortung bewegt in den Massen eine Welle des sozialen Kannibalismus. Jeder der den Ekel der täglichen Selbstjustiz-Vorführung aushält, wird davon überzeugt, dass der Mensch kein „Intelligent – Design“ sein kann. Das „sozialbenachteiligte Milieu“ in ihren Vormittagssendungen beklagt und beschimpft sich gegenseitig als asozial und präsentiert stolz, die eigene Bereitschaft um jeden Preis zu arbeiten. Man kann sich leicht vorstellen, wie dieses Abscheuliche Spektakel den Wohlhabenden amüsieren muss, wenn sie das hören. Der große Erfolg der Minderwertigkeit ist, wenn alle ihr Elend Teilen müssen. Trotz der demütigenden unterbezahlten Leiharbeit, sucht der Mensch nach neuen Möglichkeiten weiter gedemütigt zu werden. Bertolt Brecht hat das gut formuliert: „Die Unzufriedenheit von Arbeitern sei nicht so sehr durch die Ausbeutung verursacht als durch die Weigerung der Unternehmer, sie weiter auszubeuten“.
Die moralische Erneuerung des Kapitalismus sollte mit der Umkehrung des bis jetzt geltenden Paradigma beginnen. Nicht der, der die Regel bricht soll gewinnen, heißt es. Na endlich. Wir dachten, dass das eine Selbstverständlichkeit sei. Trotzdem muss man davon ausgehen, dass die Stabilisierung des Marktes weiter mit der Destabilisierung der Gesellschaft bezahlt wird. Eine Kuriosität in der Demokratie ist, dass in einem Rechtstaat die politisch-wirtschaftliche Komplizenschaft unsere Existenz mehr negativ verändert, als die Legalität und selten aufgetretene Rechtschaffenheit, sie neutralisieren kann. Es ist ein schockierendes Merkmal unserer Zeit, eine Spitze moralischer Heuchelei, einen Mord zu bestrafen, während der langfristige, erniedrigende Tötungsprozess der Existenzgrundlagen von arbeitslosen, nur als „systemimmanent“ angenommen wird. Ein Minimum an Gerechtigkeit sind wir uns Menschen schuldig und es ist absolut egal unter welchem politischen System man zu leben hat, wenn die grundliegende soziale Gerechtigkeit gewährleistet wird. Die Schriftstellerin und Sozialkritikerin Viviane Forester, fragt direkt: "Muss man zu leben verdienen, um das Recht zu leben zu haben“? Kein Moralapostel wagt sich das zu bejahen, auch wenn die Konsequenzen ihrer Predigten solch einen Zustand nicht ausschließen.
In der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte Art.1, ist zu lesen: „Die Menschen sind und bleiben von Geburt frei und gleich an Rechten“. Es heißt aber nicht, dass der Mensch „freiwillig“ geboren sein kann. Diese Selbstverständlichkeit des ursprünglichen Determinismus, der uns von Anfang an begleitet, sitzt in den Orten, in der Zeit und den Umständen unserer irdischen Erscheinungen, wie Ausgangs-Parameter die uns vorgegeben sind. In den westlichen Industrieländern geboren zu sein, ist gewiss ein vergleichbares Glück, bedeutet aber, aus dem marktwirtschaftlichen Produktions- und Konsum Kreis nicht einfach entkommen zu können wenn das „Glück“ zu einer Falle wird. Jeder ist in der wirtschaftlichen, politischen und religiösen Wirklichkeit seiner Eltern gefangen, ohne ein Widerspruchsrecht zu haben. Der Fatalismus der Geburt, ist nur mit der Endgültigkeit einer lebenslangen Haftstrafe zu vergleichen. Haben wir als Gesellschaft das Recht Menschen die sich andere Ziele setzen, als die offizielle bürgerliche Moral bevorzugt, zum einem permanenten Casting zu zwingen, oder sollten wir nicht ihre letztendlich harmlose Untätigkeit (Passivität ist selten feindlich und aggressiv) respektieren und akzeptieren? Eine Zusicherung des Existenzminimums für „Aussteiger“ und Verlierer sollte eine Pflicht des Staates sein, ähnlich wie die obligatorische Verpflegung eines Sträflings, und das aus dem einfachen Grund, weil sie Menschen sind. Es bleibt unbegreiflich, warum jenen Menschen ein bedingungsloses Grundeinkommen zu verweigern ist, während die in Gefängnissen eingesperrten Kriminellen jahrelang bedingungslos unterhalten werden. Humanismus, anders als Rassismus, kann nicht selektiv angewendet werden. Er muss übergreifend und bedingungslos sein. Sogar in Umgang mit Tieren, strengen wir uns human zu verhalten. Weshalb ist das mit dem Arbeitslosen nicht möglich?
Konsequenz eines bedingungslosen Humanismus im 21.Jahrhundert, ist ein bedingungsloses Grundeinkommen, und nicht deshalb weil es Finanziell möglich ist, sondern ethisch unabdingbar.
Die allgemeine Befürchtung, dass die Einführung von bedingungslosem Bürgergeld eine generelle Faulheit verursachen würde, ist absurd. Solange keine moralgerechte Zwangsarbeitslager entstehen werden, jede Befürchtung der Arbeitsverweigerung ist unbegründet. Ein bescheidenes Leben mit einem Grundeinkommen ist nicht jedermanns Sache. Da nur intelligente Menschen sich nicht langweilen, lässt sich die Mehrheit gern beschäftigen um ihrem Tag einen Inhalt zu geben und damit auch den Lebensstandart zu verbessern. Die ehrenamtlichen Tätigkeiten, über die z.Z. viel diskutiert wird, und ihr bis jetzt nicht ganz benutztes Potential, werden von der Einführung des Bürgergeldes sicherlich auch profitieren. Der von täglichen Sorgen um die eigene Existenz befreite Mensch arbeitet viel effizienter und engagierter.
Eine Faulheits- Epidemie wird es nicht geben und die Welt geht nicht unter durch den faulen Nichtstuer, sondern erstickt in seiner konsumkonforme Überproduktion und Vollzeit - Beschäftigung.
Die Chinesen sagen, dass 2/3 des vollgefüllten Magens dem Menschen zu Nutze sei, und 1/3 den Arzt unterhält. Die ungebremste Unersättlichkeit der Konsumgesellschaft bringt Krankheit, Armut, Umweltverschmutzung und unterhält die Parasiten, Spekulanten und Scharlatanen. Nicht nur von industriellem Abfall ist die Welt vermüllt. In die Biosphäre schwebt auch Ideologischer Schrott, und der Wahnsinn des wirtschaftlichen Wachstums gehört dazu.
Fast jeder, nach seinem ersten Bedürfnis gefragte Arbeitslose, wird somit die Arbeit vermissen. Man könnte denken, dass er tatsächlich lebt, um zu arbeiten. Nur auf den ersten Blick scheint eine solche Aussage richtig zu sein. Das ist allerdings die Logik eines Belohnungssystems, der „Klassische Konditionierung“ des enthumanisierten Kapitalismus. Warum braucht der Arbeitslose kein Geld, was eine direkte existentielle Notwendigkeit wäre? Dass das Geld durch die Arbeit zu erwerben ist, weiß doch jeder. Die verkehrte Reihenfolge verrät, wie die Sklaven-Logik in unserem Nervensystem „ein gepredigt“ wird. Das Ansehen der Arbeit als primäre Lebensnotwendigkeit, ist eine Selbstdegradierung zur wirtschaftlichen Rentabilität, als ob nicht der Mensch dass Maß aller Dinge wäre, sondern der Profit.
Auch die sozialisierende Funktion der Arbeit wird weit überschätzt. Die sozialen Bindungen sollen auch außerhalb des Arbeitsplatzes entstehen dürfen und Eigeninitiative erfordern. Freiwillig angeknüpfte Beziehungen sind in die Regel dauerhafter und gleichzeitig einfacher abzubrechen. Die für einen Hungerlohn schuftenden Menschen durch Arbeit zusammen zubringen, gelingt selten, und besonders nicht in einer permanent angespannten Arbeits-Atmosphäre, die von Leistungsdruck und Konkurrenzgeist durchdrungen ist. Die dunkle Seite dessen, dass viele Menschen gegen ihre Vorstellungen und Fähigkeiten, jede Arbeit nehmen zu müssen, ist Mobbing, permanente Frustration, Qualitätssenkung, Nomadisierung des Lebens und Depressionen. Die Existenz eines, bis zur selbst-Deformation getriebenen „flexiblen“ Menschen, der vom Morgen bis zum Abend um die Selbstversorgung kämpft (Multijobber), unterscheidet sich kaum von der Existenz eines Tieres, dessen einzige Tätigkeit und Sorge die ständige Nahrungsbeschaffung ist. Ist das DER Fortschritt, den man nach 5000 Jahren Menschengeschichte erreicht hat? Oder steht er wieder am Anfang seiner Entwicklung? Die Verfügbarkeit von Zeit ist einer die wichtigste Voraussetzungen für die bürgerliche Freiheit, wenn nicht von Freiheit überhaupt. „Zeit zu haben“, darf nicht ein Luxus sein, sondern ein Recht. Ein durch Arbeit „besetzter“ Mensch, ohne Zeit für persönliche Entwicklung, kann weder der Kulturträger noch dessen Empfänger sein. Die Kultur braucht Menschen, die Zeit haben. Eine Zivilisation ohne Kultur wird barbarisch.
ryszard kotonski, 20.07.09
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IDIOCRACY
„Die Menge hat alle Rechte. Die Rechte eines Menschen in der Gesellschaft sind nicht von seinem geistigen Niveau abhängig, das ist die Demokratie. Demokratie besagt doch nicht, dass alle Menschen gleich sind, sondern, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben. Demokratie behauptet nicht, dass ich alle Menschen mit dem gleichen Maß zu messen habe. Allen ist gleiches Wahlrecht zu geben; deshalb wird das Ergebnis dann auch stets katastrophal ausfallen. Das hat schon Sokrates gesagt, und deshalb hat ihn die Demokratie der Athener hingerichtet. Weil die Mehrheit der Menschen dumm böswillig ist, ist auch die Regierung der Mehrheit dumm und böswillig, das können wir doch überall auf der Welt sehe“. Jeshajahu Leibowitz
Das TV Drama über die Verleihung des deutschen Fernsehpreises an Marcel Reich-Ranicki und seine für viele sehr überaschende Kritik an die zeitgenössische, dominierende und anspruchslose Massenkultur, die zunehmend und reflexlos konsumiert wurde, hat hoffentlich ihre Folgen. Jetzt überschlagen sich die Macher und Aktionäre der Unterhaltungsindustrie, um die Person Ranicki zu diskreditieren, mit dem Ziel die Fassung und das Gesicht nicht zu verlieren. Die Schuld an der intellektuellen Misere des Bürgertums und die unbeschriebene Verantwortung für dessen Erziehung, leugnen sie. Sie schieben sie von sich ab! Die Spaß-Kreationisten bagatellisieren die Folgen ihrer Handlungen genauso schamlos, wie zurzeit die Finanzspekulanten der frei-zügigen Marktwirtschaft. Eine andere Reaktion war allerdings nicht zu erwarten. Die schlimmsten Verbrechen die sich Menschen gegenseitig antun, sind in den Gesetzesbüchern nicht vorgesehen, darunter die Gleichgültigkeit. Mit einem „Insider“ wie Gottschalk, über die Nebenwirkungen der „Fastfood-Kultur“ zu debattieren, ist genauso absurd, wie mit Generälen über die Notwendigkeit des Krieges.
Der Schriftsteller Ryszard Kapuscinski hat schon früh erkannt, dass, „es keinen Sinn macht, sich in Kulturzeitschriften über die Idioten zu beschweren, denn Idioten lesen solche Zeitschriften nicht“. In diesem Sinne war der provokative Auftritt von Marcel R. Ranicki auf einem „fremden“ Terrain sicherlich sinnvoll!
Die leichtverdauliche Kultur für gezüchtete bildungsarme soziale Schichten, ist im Vormarsch und bringt Quoten, also Geld. Der mediale Einfluss ist so offensichtlich, das es schon lange zum Teil des politischen Systems gehört, wobei der sehr schlecht affirmierte Wort Propaganda vermeiden man Die Frage ist nicht ob, sondern wie, und zu was werden wir „kreiert“, wenn das Fernsehen die Erzieher der Nation schlechthin geworden sind. Dummheit und Banalität sind schon salonfähig, wodurch die ständig wachsende Schicht von sekundären Analphabeten zu immer neuen Exzessen ermutigt werden. Die öffentliche Tolerierung von expansiver Dummheit legitimiert ihre Gebrechen.
Die größte Gefahr für die Demokratie geht von der Demokratie selbst aus, denn es ist doch offensichtlich, dass Idioten naturgemäß seinesgleichen wählen. Das Mehrheitsprinzip wird der Menschheit zum Verhängnis, wenn die Mehrheit zu den sprechenden Verdauungsapparaten mutiert und ihr Recht zu wählen beibehält. Demokratie, wenn sie nicht zur Farce werden sollte, muss ständig auf eigene Qualität achten, unbeeindruckt von der Empörung der Betroffenen. Ein diplomatischer Umgang mit Idioten muss auch Grenzen haben, wenn sie auf dominierende Positionen in Staat und Gesellschaft vordringen. Und das ist gar nicht unmöglich, wenn man ihnen zu viel Raum für ihre vegetativen und instinktiven Aktivitäten überlässt.
Es geht dabei nicht um die Abschaffung des Idiotentums, was nichts anderes wäre, als ein Selbstverstümmelungs-Akt der Menschheit, sondern eine Begrenzung der Einflusssphäre derer, welche in das politische Leben und die Kultur hineinregieren wollen. Mit anderen Worten: ich akzeptiere die Anwesenheit von Idioten in die Gesellschaft, aber nicht das, dass sie über meine Existenz entscheiden dürfen.
r.kotonski, 10.03.09
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Gegen Islamisierung, als Akt der Verteidigung des Christentums? Oder geht es Christen dabei um die Meinungsfreiheit, den Kern der Aufklärung und Demokratie?
Eindimensionale Religionskritik ist weder sinnvoll noch auf Dauer durchzuhalten:
Auf der Bischofssynode im Vatikan, im Oktober 2008, wurde die Position des katholischen Christentums gegenüber anderen Religionen herausgearbeitet und folgende Grundposition postuliert:
„ Judentum und Islam sind Alliierte der katholischen Kirche im Kampf gegen die Säkularisation und den Liberalismus und für die Anerkennung der öffentlichen Rolle des Glaubens.“
Mit der Verwendung des Begriffs „ Alliierte“, wird sich hier bewusst der Rhetorik aus der Militärsprache bedient. Daher empfinde ich persönlich diese Erklärung des Vatikans wie einen Angriff fundamentaler Monotheisten gegen die Freiheit (als wären die intoleranten Nötigungen und Beleidigungen aus der islamischen Welt nicht schon genug)! Der Klerus probt hier ganz offensichtlich den Schulterschluss mit den monotheistischen Religionen, um vereint gegen konfessionsfreie, Atheisten, Agnostiker, Polytheisten, Säkulare und humanistische Freidenker vorzugehen. Die zu missionierende Humanmasse der „Ungläubigen und Abtrünnigen“ soll wohl auf dem freien Markt der Mission, wenn nötig mit vereinten Kräften, wieder auf den richtigen Pfad, zur Gottesfurcht (religio, griech.) zurückgeführt werden. Religiöse Fundamentalisten hätten am liebsten den öffentlichen Raum zurückerobert, die Trennung von Staat und Kirche aufgehoben, um Leben und Glaube „zwangs- zu verheiraten“. Das sind wohl offensichtlich die religiösen Machtvisionen aller fundamentalen Monotheisten. Der katholische Klerus biedert sich dem Islam an, welcher sich gegenüber andersgläubigen und Frauen, als ein intolerantes und repressives Herrschaftssystem darstellt.
Desweiteren werden die Errungenschaften der Aufklärung von Monotheisten permanent als säkulare Störfaktoren des Glaubens angefeindet. Der Skandal um die Rehabilitierung der antisemitischen Piusbruderschaft, um den Holocaustleugner Williams, spricht für sich. Eine Kurskorrektur hin zum Fundamentalismus? Ein fatales, kontraproduktives Signal, des traditionellen katholischen Klerus an die islamische Welt, welche gerade ein roll-back in die Orthodoxie vollzieht.
Für mich stellt sich immer drängender die Frage, warum eigentlich die, der Tradition verpflichteten Christen, sich gegen die Islamisierung positionieren? Sehen Christen die Wahrung der Menschenrechte, Demokratie, den Schutz einer liberal-säkularen Lebensführung vor Religionen und der Meinungsfreiheit als vornehmliches Ziel beim Kampf gegen die Islamisierung an ? Oder, „Gegen Islamisierung“, als einen Akt der Verteidigung des Christentums? Anders ausgedrückt: Wird der Islam von traditionellen Christen in erster Linie als Konkurrenz auf dem freien Markt der Mission empfunden? In Gesprächen mit Kirchenvertretern, einem islamischen Vorbeter und einem Rabbi, haben diese unisono auf die gleichen Wurzeln der drei monotheistischen Weltreligionen verwiesen: „ Man ziehe letztendlich am gleichen Strang“!
Um in einem religionskritischen Diskurs bestehen zu können, muss man religionsübergreifend diskutieren und auch kritisieren können, incl. Atheismuskritik , über unzulängliche Gottes- bzw. Gottes-Nichtbeweisbelege. Einseitige Positionierungen sind fehl am Platz und nicht im Sinne der Aufklärung, wenn man den Versuch starten sollte, den einen, seinen eigenen, vermeintlich „wahren Glauben“ gegen ein anderes Glaubenskonstrukt auszuspielen. Religiöser Narzissmus war jahrhundertelang der Grund für blutigstes Gemetzel in Religionskriegen und wir sind wieder auf dem Weg dorthin, wenn wir nicht aufpassen und wachsam sind.
Deshalb die universal angelegte Religionskritik auf der VAF-page, auch auf die Gefahr hin, sich den Zorn aller „Rechtgläubigen“ zuzuziehen.
„Glaube und Wissenschaft haben im Prinzip nichts miteinander zu tun“. Stimmt! Die Wissenschaft klärt gegen den immer stärker um sich greifenden kreationistischen, glaubensbedingten Irrsinn auf. Es stellt sich wieder einmal mehr die Frage, ob unreflektierter Respekt, vorrauseilende Rücksichtnahme und universelle Toleranz die richtigen Mittel im Umgang mit Religion an sich sind (damit sind alle Religionen gemeint, das Christentum mit eingeschlossen).
Trotzdem ist klar, wenn Christen, Juden, säkulare Muslime, Anders- oder nichtgläubige und glaubens-abtrünnige von repressiven Ideologien, politischer oder religiöser Couleur bedroht und verfolgt werden, muss entschieden Mut, Zivilcourage und Widerstand gezeigt werden.
T.L.M
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Schwerpunkte islamischer Ignoranz
Was die Moslems trotz ihrer 40 - Jährigen Aufenthalt in der modernen Gesellschaft nicht begriffen haben.
1. Die Rolle des Staates.
In einem Bericht aus dem spanischen Cordoba beklagt sich der Generalsekretär der muslimischen Gemeinde, Felix Herrero, dass „die Rechte der Moslems nicht sehr viel Berücksichtigung finden“. Es handelte sich dabei um die Zustimmung der lokalen Behörde für einen Islam-Unterricht an den staatlichen Schulen. Diese beschämende, schändliche Zustimmung ist nicht nur auf die maurische Vergangenheit Süd Spaniens zurückzuführen, aber vor allem auf das Übel der uneingeschränkten Toleranz in der spanischen Politik.
„Unter Bürgerrechten versteht man im Allgemeinen aber nur solche Rechte, die sich auf das Verhältnis zwischen Bürger und Staat beziehen, und weniger auf das Verhältnis von Einwohnern des Staates untereinander“. Hier wurde ein formales Verhältnis zwischen dem Bürger und seinem Staat angesprochen, dessen Rechtsordnung und Gesetze auf Personen und nicht auf (religiöse) Gruppen bezogen ist. Die „europäischen Hausordnung“ unterscheidet zwischen einem Bürger und Muslimen, denn Moslems, Schwule, Freimaurer und Aquaristen sind lediglich Hinweise für private Angelegenheiten, deren Ausübung nicht der staatlichen Kontrolle und seinen Interessen unterliegt. Jeder Mensch, der sich durch seine religiöse Zugehörigkeit definiert und seine privaten Vorlieben demonstrativ in den Vordergrund stellt, muss auch damit rechnen, als solcher juristisch ignoriert zu werden. Damit wird erklärt, warum „die Rechte der Moslems nicht sehr viel Berücksichtigung finden“.
2. Neutralität des Staates. terra nullius gegen terra publica.
Falsch oder unpräzise definierte Religionsfreiheit stellt die staatliche Neutralität immer öfter in Frage. Da der deutsche Staat de Facto kein säkularer Staat ist, darf er sich nicht als neutral bezeichnen und wird in folgedessen von diversen religiösen Lobbyisten immer öfter belagert. Der christliche Glaube ist in Deutschland traditionell sehr privilegiert. Die erfolgreiche Resozialisation des Klerus ließ uns das Neutralitäts- Prinzip des Staates fast vergessen. Seitdem aber der Islam als zweiter Kontrahent staatliche Fürsorge beansprucht und seine Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts fordert, zeigt die offene Gesellschaft seine Macken - der Staat ist gezwungen in Sachen zu verhandeln, die eigentlich nicht verhandelbar sind.
Die staatliche Neutralität ist eine besondere Errungenschaft, die die Europäer seit der Aufklärung genießen dürfen und dessen Schutz vor revisionistischen Angriffen die Aufgabe eines jeden Bürgers sein sollte. Diese Aufgabe umfasst den intellektuellen und rechtlichen Widerstand gegen die periodischen Ausbrüche eines religiösen Gruppenwahns, welcher behauptet, ein alternatives Herrschaftssystem erfunden zu haben, das die freiheitspendende Trennung zwischen Staat und Kirche Überflüssig macht.
Das Wesen der Neutralität ist die Unparteilichkeit. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder lässt man alles zu (Heteronomie), oder gar nichts (Autonomie). Die heteronome, offenere und übergreifende, ist in Deutschland die gängige Form der staatlichen Neutralität. Der von der Religion beeinflussbare Staat, verliert noch mehr an Autorität, wenn sein repräsentativer Raum beliebig besetzbar wird. Für Millionen von Nichtkonfessionellen und Atheisten, die an keiner bestimmten Symbolik hängen, ist solcher staatliche Protektionismus schwer zu ertragen. Darüberhinaus ist es auch beunruhigend, wenn der deutsche Staat mit seinem Neutralitätsverständnis allen Religionen in öffentlichen Schulen eine Werbefläche bietet. Eine unverantwortliche Gefälligkeit, der weltanschauliche Spannungen provoziert , statt sie zu neutralisieren. Autorität und Souveränität des Staates kann nur durch eine autonome Neutralität aufgebaut werden, die sich von der bürgerlichen Privatsphäre in jeder Hinsicht weit und räumlich distanziert. Die Katholische Kirche, die mit dem hellenistischen Kulturkreis traditionell verbunden ist, hat sich im Laufe der europäischen Geschichte stark reformiert und angepasst, so dass sie eine Ausnahme-Position beibehalten darf, solange die Mehrheit das akzeptiert. Seit den offiziellen Forderungen des Islam, die die deutsche Regierung als Teil die Integration versteht, protestieren die Islamischen Verbände gegen die Privilegierung des Christlichen Glaubens, als sei es diskriminierend und benachteiligend.
Solange ein „terra nullius“ Prinzip, nicht in ein Gesetz umgesetzt wird, der alle Religionen in staatlichen Schulen zur „Persona non grata“ erklärt, wird die staatliche Neutralität permanent okkupiert. Für die Praxis bedeutet dies, dass die Abschaffung jeder religiösen Symbolik in den Schulen sowohl „vertragliche Abhängigkeit“ des Staates von der Katholische Kirche (Konkordat) notwendig ist, um die politischen Ambitionen des Islam zu beenden. Die Islamisierung Europas mit einer christlichen Offensive zu stoppen zu wollen, wäre kontraproduktiv. Im Gegenteil, anstelle von Argumentation, würde uns ein peinlicher Austausch von Dogmen und Zauberformen nicht erspart, welcher die eigene Überlegenheit des Glaubens zu beweisen versucht. Ein richtiger Krieg der „Heiligen Bücher“ mit einem unvorhersehbaren Ausgang. So gießt man nur Benzin ins Feuer. Gefährlich für die Stabilität der europäischen Kultur wird es dann, wenn der Staat und die Mehrheitsgesellschaft den „ Point of no Return“ verschlafen. Das mühsam erkämpfte Gleichgewicht zwischen Sacrum und profanum, der weltanschauliche Differenzen auf zivilisierte Weise hervorragend reguliert, kann leicht zerstört werden, mit den Folgen…. das sich die Sonne wieder um die „ Scheibe“ Erde dreht.
3. Was die Würde der Menschen ist.
Der Dialogbeauftragte der DITIB, Herr Bekir Alboga, zeigte sich besonders stark erschüttert, über den seiner Meinung nach, die menschliche Würde verletzenden Vergleich von Ralph Giordano, der verschleierte muslimische Frauen mit Pinguinen verglichen hat. Es steht fest, dass für Herr Alboga und seine „Gesinnungsbrüder“ das Verständnis für westliche Ethik ein unüberwindbares intellektuelles Problem darstellt, das mit keinem Dialog beseitig werden kann. Eigene Barbarei mit Beschuldigungen über die Taktlosigkeit die Kritik zudecken versuchen, gehört zu der Ablenkung und Vertuschung Repertoire der Islamischen Aktivisten. Der lange kulturelle Entwicklung-Prozess, der in Europa zu einem humanen Menschenbild beitrug, hat in der Islamischen Welt noch nicht begonnen. Als beleidigend und demütigend gelten in der westlichen Gesellschaft die vollständig zur Schau gestellten, in „Zwangsjacken“ verpackten Frauen. Eine perverse, religiös konzipierte, geschlechterfeindliche Stigmatisierung, die einer Frau verbietet ihr Haupt zu zeigen. Derartiger Zwang bedeutet in einem Rechtsstaat - Freiheitsberaubung, und wäre eigentlich strafbar. Ungeachtet dessen, dass die Verschleierung von Frauen das europäische Verständnis für Ethik und Ästhetik, Freiheit und Gerechtigkeit beleidigt, verlangen ihrer Befürworter respektiert zu werden! Bei dem Kopftuch- Streit handelt es sich nicht um dessen Erscheinung auf den Straßen, sondern um eine kontroverse Manifestation des politischen Islam in öffentlichen, staatlichen Einrichtungen. Da es keine staatlichen Vorschriften zur Bekleidung von Bürgern gibt, ist auch jedem erlaubt, sich so zu bekleiden, wie er es für richtig hält. Die Bekleidung unterstreicht den Individuellen Charakter der Person. Ein demonstratives, massives Auftreten von „vertuchten Köpfen“, kann auf keinen Fall ein Ausdruck von Individualität sein. Da steckt mehr dahinter, als die verschleierten Frauen selber verstehen können und dürften. Deshalb ist eine Berücksichtigung dessen, was „vertuchte Köpfe“ darüber denken, nicht erforderlich.
Der Glaube ist eine private Angelegenheit, und jede eindringliche religiöse Manifestation in der Öffentlichkeit eine Provokation. Ein Kopftuch in die Schule ist eine stumme aber ziemlich auffälliger Messianisierungs Akt, mit dem Schulzweck unvereinbar. Wir in Europa sind es nicht gewohnt, unsere religiösen Befindlichkeiten öffentlich zu zeigen. Hier tragen wir religiöse Symbole, wenn überhaupt, unspektakulär als Kettchen am Hals. Es ist absolut irrelevant, wie viel verschiedene Deutungsmöglichkeiten es für ein Kopftuch gibt, der entscheidende Punkt ist, wie dieses soziale Phänomen von der Mehrheitsgesellschaft interpretiert wird. Das Kopftuch ist nichts anderes, als ein Symptom einer Männer-Krankheit, das unglücklicherweise die Frauen austragen müssen. Anders ausdrückt: Die Männer projizieren ihre eigene Disziplinlosigkeit auf die Köpfe der Frauen. Wie lange muss es noch dauern, bis die Macho - Hengste therapiert werden und nicht ihre Opfer.
4. Was ist Respekt?
Das chronische Verlangen nach Respekt durch den Mob, geht von zwei Aspekten aus: Der sozialen Ungerechtigkeit (Verständlich) und der religiösen Haltung, dass der Mensch als göttliche Schöpfung etwas Besonderes ist (Absurd, Irrational!). In der europäischen Kultur ist der Respekt weder gesetzlich noch sittlich vorgeschrieben. Im Volksmund sagt man, dass man sich Respekt erst verdienen muss. Was allerdings unsere zwischenmenschlichen Beziehungen ziemlich gut reguliert, ist die Höflichkeit. Und die Höflichkeit erweist man auch denen, die man nicht respektiert, was dazu führt, dass Respektlosigkeit nicht mit Messerstechereien enden darf, wie das in anderen „Kulturen“ üblich ist.
Wenn ich eine Moschee betrete, ziehe ich meine Schuhe aus, und wenn nicht aus Respekt dann zumindest aus Höflichkeit. Es macht mir nichts aus, mich höflich zu benehmen, denn dadurch verliere ich weder meine Identität noch die Ehre. Demensprechend erwarte ich auch von den Musliminnen, ihre Kopftücher in der Schule abzunehmen. Wenn nicht aus Respekt vor einem System, das ihre Freiheit garantiert und ihnen Lebensstandart ermöglicht, von dem sie in ihren Herkunftsländer nicht zu träumen wagen, dann zumindest aus Höflichkeit . Ein Kopftuch in der Schule ist wie das Tragen von Schuhen in den Moscheen – beide sind unerwünscht.
Artikel 2. des Grundgesetzes BRD sagt: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“ Die Kopftücher in dem Schulen haben weder mit persönlicher Entfaltung (dazu brauch man Persönlichkeit), oder mit der Freiheit zu tun. Sie wirken eher abstoßend, wie das Urinieren in der Öffentlichkeit. Die Rastafaris behaupten, dass das Rauchen von Marihuana zu ihren religiösen Ritualen gehört. Und nach dem Grundgesetz könnten sie dazu das Recht haben, wenn es kein Betäubungsmittelgesetz (BtMG) geben würde, das den Konsum von Drogen generell in der BRD verbietet. Aber kein Gesetz verbietet den Rastafari nach Jamaika zu ziehen, um ihr Leid in der Zivilisation zu beenden. Man sollte die moslemische Intelligenz nicht mit einem aufgeklärten Weltbild zu strapazieren. Die Fähigkeit zu retrospektivem, abstraktem Denken ist eine immanente Eigenschaft des Individuums. Die Einbürgerung von Moslems mit der Übergabe eines Personalausweises ist und bleibt ein formaler und kein emanzipatorischer Akt. Der aufgeklärte Mensch ist, mit oder ohne Ausweis, eine Person. Der Moslem bleibt immer ein Teil eines übergeordneten „Organismus“ (Umma).
Deniz Ülke Arigogan schreibt: "Die türkische Gesellschaft ist keine individualistische Gesellschaft, was typisch ist für die Menschen im Osten. Wir mögen es nicht, einen Satz mit 'ich' anzufangen. Wir leben in der Gruppe als 'wir'“. Die Angebote unserer europäischen Kultur mit ihren zahlreichen Freiheiten und die Demokratie selbst, werden von den Moslems genauso wörtlich, also falsch interpretiert wie der Koran! Sie gehen von ihrer infantilen Überzeugung aus, dass in einer „freien Gesellschaft“ jeder machen kann was er will. Man darf dabei nicht vergessen, dass bei Agra-Völkern die Freiheit ist ein Synonym des „unendliche Weite“ des Raumes und wenige Persönlichkeit Konzept (Idee).
Solange die gesellschaftlichen Normen von der Mehrheit akzeptiert werden, gibt es keinen Anlass, aufgrund partikularer Interessen religiöser Gruppen, diese zu ändern. Das ist die Demokratie. Da die Gültigkeit von Gesetzen in der Demokratie von den Mehrheitsverhältnissen ihrer Anhänger bestimmt wird, bleibt den Moslems die Möglichkeit, sich rasch und effektiv zu vermehren, oder abzuwarten, dass wir so verblöden und degenerieren, dass uns die islamische Kultur letztlich bereichern würde.
Die Ehre und der Ehrenmord
Ein ausgefallener Lebensstil wurde manchem türkischem Mädchen zum Verhängnis. Der Integrationswille wurde bestraft. Theoretisch kann jede Frau von ihrem Mann verprügelt werden. Handelt es sich dabei um einen Moslem, steigt die Wahrscheinlichkeit, geschlagen oder niedergestochen zu werden enorm.
Die Wüsten- Religion „Klingonentum“, wurde in der Nomaden -Kultur gut angenommen. Die enge Verbundenheit mit dem eigenen Hausinventar und Besitz, zu dem neben Kamelen und Ziegen auch Frauen zählten, zeichnet die klingonische Mentalität bis heute aus. Ihre heutigen Nachkommen haben es schwer zu akzeptieren, dass ein Teil von ihrem Inventar ein Bewusstsein zeigt, spricht und gelegentlich den Gehorsam verweigert. Das sind die Frauen. Obwohl viele junge Klingonen zugeben, den Zwang zu verspüren, das Leben ihrer Schwestern obsessiv kontrollieren zu müssen, sind viele von ihnen allerdings nicht mehr sicher, ob dieser klingonische „Zuhälterei“, einer gute Tradition ist die man folgen muss. Nein, muss man nicht. Tradition wie auch die Toleranz, beinhaltet keine moralische Wertung. Alles hängt davon ab, was man toleriert und welchen Traditionen man folgt.
Der geschickte Umgang mit dem Messer ist die Gabe eines Metzgers und nicht das Erbe eines kriegerischen Volkes. Die japanische Kultur hat die mutigsten und ehrenwertesten Krieger in der Geschichte hervorgebracht. Deren Ehre war in keinem Punkt von der Würde der Frauen abhängig. Die mutigste Krieger alle Zeiten praktizierten auch ein Selbsttötung -Ritual, das man als Seppuku kennt. Allerdings, anderes als bei den Klingonen, brachten sich die Samurai selber um, ohne andere Menschen in den Tod zu ziehen. Was ist Eure Ehre wert, wenn sie in den Händen einer Frau liegt? Die Ehre eines Mannes bezieht sich auf seine Souveränität und nicht auf seine Schwäche.
r.kotonski, 07.04.09
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KAUM ZU GLAUBEN
Quelle: Querkopf
Ein unernster Blick ins Allerheiligste
„Der größte Mensch, der je lebte“ könnte als Titel hervorragend auf die Biographie einer Bohnenstange von Basketball- Profi passen, der infolge übermäßigen Dopingmissbrauchs bereits das Zeitliche segnete. Das Werk, das der Titel bezeichnet, hat dann auch eher mit dem Segen zu tun als mit irgendeinem Zwei bis Drei Meter-Hünen aus dem Guinness- Buch der Rekorde. Es handelt von ewig währender zutiefst anbetungswürdiger moralischer Größe, wie sie die Bibel, das „Buch der Bücher“ in der Person Christi beschreibt. Jehovas bibelfeste Zeugen haben dem Träger des Inbegriffs Größe und göttlicher Güte ein entsprechend benanntes Werk gewidmet. Ein Exemplar schenkte man einemehemaligen belgischen Premierminister. Jener befand nach der Lektüre, die Welt sähe anders aus, wen sich die Menschen für die Botschaft der Evangelien interessierten und nach den Grundsätzen Jesu lebten. Man bräuchte keinen Sicherheitsrat, es gäbe keine Terroranschläge, Gewalt sei tabu. Das ist sensationell: Nach 2000 Jahren hat man Christus endlich verstanden. Er sagt im Prinzip nichts Anderes als Gandhi. Nun lassen sich Glaubensgrundsätze am besten in die Tat umsetzen, wenn man den zugehörigen Zeitkontext gleich mit kopiert. Damals gab es noch kein fließend Wasser, Strom, medizinische Versorgung und sonstige Scherzartikel. Solche Bedingungenfindet man heute auf der Welt nur noch in ganz entlegenen Regionen. Z. B. im amerikanischen Bibelgürtel mit seiner gottesfürchtigen wie Bush-gläubigen Landbevölkerung, wo zwischen den Bibelrezitationen eine Pferdestärke den Acker pflügt. Hier hält man dem computergesteuerten Sündenbabel des Konsumzeitalters die strenggläubig gepflegte Langeweile und kerzenscheinandächtige Stille des frommen Landlebens entgegen. Das ist als Alternative sehr verlockend- solange es am Extrem des überdrehten, nach Zeit und Geld jagenden Großstadtneurotikers gemessen wird. Jener zieht sich gern dorthin zurück, sobald er unter der Last seines gehetzten, fremd bestimmten Daseins zusammengebrochen ist. Er lässt ab vom Halbwissen und wendet sich ganz dem Glauben zu. Mit der „Heiligen Schrift“ als Wegmarkierung glaubt er seinen Weg gefunden zu haben. Selbstfindung nach Vorschrift. Fremdbestimmung und Reglementierung bleiben im Kern bestehen, sie erhalten höhere Weihen. Über die Wegmarkierung soll nicht hinausgedacht werden. Zweifeln ist satanisch und sündhaft. Abweichungen von der göttlichen Leitlinie führen ins seelenunheilige Verderben. Ohne den Beistand der göttlichen Allmacht ist das ohnmächtige, unfähige Menschlein Satans Welt hilflos ausgeliefert. Jehovas Zeugen halten menschliche Bemühungen um eine bessere Welt für aussichtslos. Ohne den Boss läuft es nicht. Umso wichtiger ist es, nach seinen Geboten zu leben und Christus zu folgen. Wer das artig tut, landet im Paradies. Dort ist er den Illustrationen des „Wachturm“ zufolge von den notorisch lächelnden Gesichtern Mit auferstandener umgeben. Sie helfen ihm/ihr, die Wissenslücken über die Vergangenheit zu schließen. Abraham, Noah, und andere Bibelgestalten übernehmen die jenseitigen Fortbildungsmaßnahmen. Das irdische Dasein genügt nicht zum Erreichen vollkommener Bibelfestigkeit. Es darf überlebenslang gelernt werden. Den dazu passenden Kommentar liefert, was Georg Büchner seinem Danton im Drama „Dantons Tod“ in den Mund legt: „Ich habe die Schulbänke satt, ich habe mir Gesäßschwielen wie ein Affe darauf gesessen.“ Alsbald dürfte der Paradies- Pennäler die alten Kamellen der Dauerlächler über haben. Wer lässt sich schon gern für den Rest der Ewigkeit von wandelnden Filmplakaten zu Monumentalschinken mit Charlton Heston in der Hauptrolle die Leviten lesen? Wie gern würde man den Ausführungen der Herren Hitler, Stalin und Saddam Hussein lauschen, was sie so zu ihrem Kriegen und sonstigen Verfehlungen zu beichten hätten. Die bösen Charaktere sind schließlich auch im Drama die interessanteren. Leider hocken sie im Untergeschoss und werden von Luzifers Mistgabel gepiesackt. Schnell kann man selbst dort landen, wenn man sich zu Lebzeiten Bibelstudium, Gottesfurcht und Nächstenliebe zur Ungenüge gewidmet hat und sich von Satans böser Welt verführen ließ. Nicht nur man selbst, auch der eigene Nachwuchs, denn bei Jehova gibt es Sippenhaft. Im Buch Maleachi heißt es bei 4:1: „An dem Tag, an dem man sich vor Jehova zu verantworten hat, ergeht es der „Wurzel“ genauso wie dem „Zweig“: Jüngere Kinder erhalten dasselbe Gericht wie ihre Eltern… „Deshalbtrügen die Eltern große Verantwortung. Wie gnädig meint es im Vergleich dazu der christdemokratische homo Sympathikus mit Strolch-Gesicht, Roland Koch: E will nichts weiter als straffällige Teenager einbuchten. Keine Spur von ewiger Verdammnis bei zu langem elterlichem Sündenregister. Da weiß man, was man an seinen politischen Schmierenkomödianten hat. Der Glaubensapostel empfiehlt derweil zur Lösung aller Probleme, auch der politischen, das heilsame Bibelstudium. Die Bibel kennt auf alles eine Antwort, sie hat für jeden Fetzen eine Schublade. Wer sie gut kennt und sich Mühe gibt beim symbolischen Stopfen, wird alle menschlichen Nöte und Probleme unterzubringen wissen. Auch und zuvorderst philosophische Fragen wie die nach der Wahrheit. Natürlich ist sie ebenfalls, „von Gott inspiriert“, in der Bibel zu finden. Der göttliche Funke der Inspiration ist allerdings auf viele Übersetzer, Abschreiber und Verkünder übergesprungen. Im Wettbewerb um die Gunst der Dame Wahrheit stehen bereits die vier Evangelisten Markus, Matthäus, Johannes und Lukas. Wer trifft den Nagel am genauesten und verbiegt ihn nicht? Ist da überhaupt einer? Bis heute ist die Existenz des historischen Christus nicht zweifelsfrei erwiesen. Schon hier fängt der Glauben an. Wer weiß, ob es den mythischen Lichtgestalten wohl täte, käme man der Realperson de facto auf die Spur. Die Wahrheit ist ein recht kompliziertes Ding, das manche faustdicke Überraschung parat hält. Vielleicht war der echte Christus, so existent, ein Epikureer, der den Genuss des Lebens predigte und von einigen engstirnigen Moralisten falsch interpretiert wurde. Wer die Dinge eher katholisch nimmt, der greife zur „Benedikt- Bibel“, zum Spottpreis von knapp 40 schlappen Euro. Damit unterstützt er u. a. den not leidenden Vatikan. Zum Dank gibt es den heiseren päpstlichen Segen mit Schildkrötenblick. Der Platz im Jenseits zwischen den lächelnden Filmplakatmenschen ist damit noch weit entfernt. Die Eintrittskarte steck nicht in der Benedikt- Bibel, sondern in der spezifischen, vom Religionsstifter der Zeugen persönlich aus dem Altgriechischen übersetzen Jehova- Bibel. Somit wird klar, was die Bibel zum „Buch der Bücher“ macht: Wegen vergleichender Studien der zahlreichen Ausgaben und Übersetzungen, bleibt Bibel- Gelehrten keine Zeit mehr, andere Bücher in die Hand zu nehmen. Ähnlich mag es beflissenen Geisteswissenschaftlern ergehen, wenn sie sich in Shakespeares, Goethes oder Schillers Werken verlieren und darin ihr „Buch der Bücher“ finden. Ruf und Bekanntheitsgrad der Bibel sind eng verknüpft mit dem Einfluss der Kirche. Diesem wird bis heute künstlich nachgeholfen: Ende des 19. Jahrhunderts drohte dem Klerus aufgrund eines sich stark ausbreitenden Atheismus der Sturz in die Bedeutungslosigkeit. Um der Arbeiterbewegung geistig- seelisch- moralisch Einhalt zu gebieten, sorgte das Bürgertum mit massiven Finanzspritzen für die Erhaltung des klerikalen Kults. Dank regelmäßiger Privatspenden und öffentlicher Mittel ist das Christentum bis heute Weltreligion. Zieht man das ab, würden beide staatlichen Großkirchen zur Randbedeutung herabsinken. Sie wären auch nicht als sittenstiftende Instanzen des Zusammenlebens gefragt. Gegenseitige Rücksichtnahme und Achtung vor dem Mitmenschen funktionieren nämlich auch ohne erhobenen Zeigefinger, der auf höhere Mächte und jenseitige Welten deutet. Und schwülstiges Vokabular predigt wie das der „Nächstenliebe“.
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