VEREIN für AUFKLÄRUNG und FREIHEIT e.V.
 
 
 
 
  •  Tod den Idioten
  • Re-Christianisierung des Denkens
  • Plädoyer für bedingungslose Grundeinkommen
  • Gegen Islamisierung, als Akt der Verteidigung des Christentums?
  • IDIOCRACY
  • Polanskis „California Dream“
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      ANSICHTEN


    Ryszard Kotonski

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    Das Böse bricht aus

     

    „Wenn wir einmal nicht grausam sind,
    dann glauben wir gleich, wir seien gut“

    (Kurt Tucholsky)


    Das mediale Empörungsszenario wiederholt sich wie bei der Erscheinung des Sarrazin-Buches. Dieses Mal jedoch handelt es sich nicht um eine Provokation mit Fakten, sondern um einen politisch inspirierten Massenmord und ein weiterer Terrorakt  vor unseren Türen. Das „Manifest der Mörder“, das als ein Pamphlet multikultureller Spannungen innerhalb der europäischen Union sein sollte, ist der Öffentlichkeit nicht vorgestellt worden (es besteht immer das Risiko, dass Anders Breivik gut gedacht aber falsch gehandelt hat, und die daraus folgende öffentliche Debatte könnte schnell zu einer ungeschickten öffentlichen Gruppentherapie werden, was die Regierungsmedien um jeden Preis vermeiden müssen), und trotzdem sind die Nachrichten von mutigen Kommentaren und klaren Meinungen beinahe überflutet. Die Stunde der exzessiven Politisierung mit amtlicher Rhetorik, über intellektualisierten und überinterpretierten Expertisen ist angeschlagen. Das treue Publikum  folgt  dem Fingerzeig der Mainstream,  wie eine Horde Pinguine einem vorbeilaufenden roten Ball. Als Individuum tendiere ich nicht zu Hysterie und lasse mich nicht leicht hypnotisieren. Diese ist die Domäne der Medien und der Massen bzw. dessen Sentenz - der Massenmedien.

    „Wir wollen seine kranke Erklärung nicht hören“  kündigt eine norwegische Passantin an. Es ist eine gängige Verdrehung-Methode, ein unerklärtes Phänomen des menschlichen Verhaltens zu ignorieren. Es ist einfacher, ihn als geistig krank einzustufen, um so den gut bürgerlichen „Normalitäts“- Begriff nicht revidieren zu müssen.
    In „politische Justiz“ schreibt Tucholsky; „Wir haben so viele von der Psychologie der Verbrecher gehört. Uns fehlt ganz etwas anderes. Gebt uns die Seelenkunde der Beamten.“
    Ihm zufolge, bin ich mehr an die moralische  Kondition des „Opfertums“ mit ihren Anwälten  und  des  politischen Syndikats  interessiert, als an die Biografie und Psychogramme  der  Massenmörder. Mich interessiert  welche politischen Hintergründe für dieses angespannte, sozial-politische Klima verantwortlich sind, in die derartige Gewaltexzesse entstehen könnten? Die ständig wiederholten Fragen nach den Motiven sind schon unerträglich. Der Täter hat sie doch genannt! Aber das reicht nicht, und der hungrige Brötchen-Dieb wird weiter nach den Motiven seines Diebstahls befragt. Die medialen Mantras werden unendlich  wiederholt, bis der letzte Dorftrottel sie als eigene Meinung wiedererkennt. Von einem politisch besetzten Medium  wie dem Fernsehen, welches ich  die „Küche des Opportunismus“ nenne,  sollte man nicht zu viel erwarten, als nach dem Mainstream Diktat  beruhigt oder stimuliert zu werden. Angesichts dieser politisch-medialen  Symbiose, die ich als „Vaterwirtschaftliche kooperative“ aus der vordemokratischen Ostblock Diktatur erkenne, wundert es nicht, dass  die Vertrauenswürdigkeit der Regierung  sinkt und die Frustration der Bürgerschaft  rapide steigt. Dem zufolge entsteht ein  gedehnter Boden für extrem radikale Positionen und desperaten Handlungen der Einzeller.
     
    Breivik bildete sich ein, einen Krieg zu führen und sagte;  „die Tat war grausam, aber notwendig“, und er war selber überrascht, dass die Polizei so spät reagiert hatte. Man kann davon ausgehen, dass es nicht seine Absicht war, möglichst viele Menschen zu erschießen, sondern  vielmehr ein (erschreckendes) Exempel zu statuieren. Dass der Attentäter kein unzurechnungsfähiger Idiot  sei, spricht die Logik seiner Handlung. Ein psychisch gestörter Islamhasser hätte eine Moschee in die Luft jagen müssen, statt politischen Nachwuchs (mit  den Terrororganisationen wie Hamas und Hisbollah sympathisierenden norwegischen  Sozialdemokraten!) kaltblütig zu erschießen. Da viele Verbrecher den Weg des geringsten Widerstand wählen, war es auch für Breivik ein  Leichtes eine Gruppe Jugendlicher zu liquidieren als  gut geschützter Politiker.
    Man könnte  glauben  dass es für politische Gewalt in einer Demokratie keinen Platz gebe. Zumindest führen die Demokratien keine Kriege  untereinander, was ein sagenhafter Vorteil ist, für die,  durch  sinnlose Kriege gezeichnete Europa. Gleichzeitig aber,  ist  Demokratie  auf Krisen und Notsituationen  ziemlich  unvorbereitet und definitiv untersteuert, dass für ein riesiges Problem angesehen wird.   Auf Grund ihrer Handlungs-Impotenz verwirft  Europa immer wieder die richtigen Entscheidungen. Da die Demokratie keine „manuelle Steuerung“ kennt, muss sie permanent von einem „Autopiloten“ gesteuert werden, und ist damit wehrlos und kampfunfähig, wenn sie  von einem einfachen aber einwandfrei funktionierten äußeren System herausgefordert wird. Islam und seine postfeudalistischen Strukturen, die unter dem quasi-kulturellen Deckmantel operieren, ist genau solch ein Herausforderer.

    Anders Breivik bildete  sich ein, einen Krieg  gegen die Islamisierung Europas  führen zu müssen, und hat gehandelt und hat getötet. Bundespräsident Christian Wulff  bildete  sich ein, dass der Islam zu Deutschland gehört und hat gehandelt, er hat sich geäußert. Der teilweise entmachtete Staatsbürger und sein (oder nicht sein) Bundespräsident, haben ungleiche  Möglichkeiten zu agieren und zu reagieren. Breiviks Art auf die Politik zu reagieren  ist allzu  radikal und verbrecherisch für eine  zivilisierte Gesellschaft, die Gewalttaten als Meinungsäußerung zu rechts nicht akzeptieren will. Wie aber Worte die Massen bewegen und zum welchen Taten sie inspirieren können,  kennt man aus der Geschichte der Ideologischen Mobilisierung  und der daraus folgenden Verbrechen zweier Weltkriege. Die gesellschaftlichen Schäden der beiden Handelnden sind allerdings noch heute schwer abzuschätzen, da manche Worte Nachwirkung haben und manche, auch die grausamsten Taten,  verblassen in der alltäglichen Brutalität unserer Welt. 
    Wenn  man die  direkten und indirekten Folgen eines falschen Handelns miteinander vergleicht  dann stellt sich bald heraus,  dass noch kein durchgedrehter Psychopath  mehr Menschen auf seinem  Gewissen hat, als ein scheinbar harmloser Idiot,  dem es gelingt sich in die Politik zu etablieren. Die Chancengleichheit  in einer Demokratie macht es möglich. Von diesen Schönheitsfehlern einmal abgesehen, ist sie bei all ihren Nachteilen und Abweichungen vom Original  nicht die schlechteste  politische Variante für eine moderne Gesellschaft. Die wenig beachtete Schattenseite  der repräsentativen Demokratie  ist,  dass sie dazu beiträgt die Anonymität zu legitimieren. Schlachthöfe, Schlachtfelder und Gefängnisse  sind Tabuzonen, die wir mit „gutem Gewissen“ und mit Erleichterung, den Volksvertretern und Vollziehern  überlassen, ohne  eigene Selbstverantwortung  übernehmen  zu müssen. Selbsternannte Gottesvertretung auf Erden  endet in  despotische Theokratie. Theokraten errichteten schon immer die Korruptesten und erbarmungslosesten Regime, im Namen ihres selbstgerechten Gottes. Selbst die besten  Absichten, wenn sie überrepräsentiert werden, müssen sie  irgendwann (wie das Geld) veruntreut werden.
     
    Aber  wir, die leisen „Auftraggeber“,  werden niemals wegen Gewaltanwendung angeklagt, da wir uns in fast jedem Lebensbereich vertreten lassen,  um die peinliche Kausalitätskette  zu brechen und die Spuren unsere Kaltblütigkeit zu verwischen. Das eventuell schlechte Gewissen löst sich in den alles zu rechtfertigenden Kollektivismus fast vollständig auf. Wie weit und wo, kann  oder darf ein aufrichtiger, souveräner Mensch sich vertreten lassen, ist das das Dilemma von allzu vielen Wahlen. Es gibt die Moral eines Mörders,  und  die Moral  eines Waffenhändlers.  Kann ein Mord grausamer und perverser sein, als  der Wille  von 150 Millionen (ca. 50% der US Amerikaner befürworten die Todesstraffe) Menschen, einen  verurteilten  beim Sterben zusehen zu wollen? Selten ist die Angst vor der Verantwortung  anschaulicher als bei Vollstreckung der Todesstrafe. Das verabreichen einer Todesspritze ist  so konzipiert, dass keiner von den ausgewählten Vollzugsbeamten wissen darf,  wessen Knopfdruck  den Todeskandidat hingerichtet hat. Eine Perversion  der Massengesellschaft,  die ihre  Grausamkeit durch das Recht auf Anonymität entpersonalisiert. Ein Verbrecher der hinter seine Tat steht,  wird für das gebrochene Tabu der Selbstverantwortlichkeit gejagt und gehasst. Menschen, die von niemandem vertreten werden oder niemandem vertreten,  sind immer … „selber Schuld“.
    Hinter dem Einzeltäter steht niemand, deshalb muss er ein geisteskranker sein. Hinter dem Soldat, der tötet, steht die Regierung. In einer Demokratie, ob uns das nun passt oder nicht, stehen auch wir dahinter. Es gibt zwar Menschen und Organisationen in den USA, die G. W. Bush und seine Administration vor Gericht stellen  wollen, ihn aber nicht der Psychiatrie übergeben. Ein Verbrechen ist Sache der Legitimität.

    Es gibt doch Grausamkeit aus Kalkül. Stalin, Hitler und Mao waren die „Verkörperung des Bösen“, aber nicht evident Geisteskranke. Zumindest nicht offiziell. Im Gegensatz zu Breivik haben Hitler oder Stalin niemanden einhändig getötet. Wessen Monstrosität fürchten wir mehr, der Killer oder der Auftragsgeber? Oder über unsere eigene, die sich hinter den guten Absichten und kleinen harmlosen Untaten verbirgt? Denn als  leicht manipulierbare „schweigende Mehrheit“ wurden  zum Töten angestiftet, überzeugt - und wir haben getötet. . Waren  wir alle für die Diktatoren  kämpfende Psychopaten? Sind wir es noch? Mal werden die Massen von den Einzellern beeinflusst und mal umgekehrt.  Wobei die Beeinflussung der Einzeller durch die Menge erfahrungsgemäß immer negativer  und destruktiver ist, wie die Enge des Raumes. Diese klaustrophobischen Zustände, bei einer permanenten Überbevölkerung, sind für die Abwertung der menschlichen Existenz und Hemmungslosigkeit  verantwortlich (Amokläufer). In Ländern wie China ist das Leben eines Menschen weit weniger wert als z.B. in Holland. Egal wie  grausam das klingt: Wert ist, was knapp ist.  Und der Mensch ist die einzige Gattung, die nicht akut vom Aussterben bedroht ist. 
    Mit dem  Oslo Attentat ist das islamische Monopol auf Massenhinrichtungen zuerst gebrochen worden. Man soll die Botschaft des Attentats (nicht des Attentäters) richtig  verstehen; das nur durch eine konsequente Säkularisierung des öffentlichen Lebens die unkontrollierten und destruktiven  Entwicklungen von Religiosität in Europa noch stoppen sind.  Es ist auch  eine Warnung an die Politik, die nichtmateriellen Bedürfnisse der Bürger  ständig zu ignorieren. Sowohl  radikal christliche wie  radikal islamische Attentäter, legitimieren ihre Attentate mit  religiösen Argumenten. Da die Religionen in ihrem Kern angeblich sehr friedlich seien, (zumindest,  was  das Christentum betrifft) entsteht ein evidenter Widerspruch.  Diese Widersprüche werden beseitigt, durch eine willkürliche Darstellung des  Gottes als Generalisimus und als Befehlshaber des auserwählten Volkes. Alle „Religioten“ dieser Welt fühlen sich als auserwählt. Dieser einfache Betrug, rechtfertigt  den natürlichen menschlichen  Kriegstrieb  und zwar von oberster Stelle.
    Aber Anders Breivik passt nicht in diesen Stereotyp eines Amoklaufers. Sein Hass war nicht blind, und egal wie bescheuert seine Ideen auch seien, er bleibt kommunikativ, was ihm manche als Arroganz und Frechheit vorhalten. Die gewöhnlichen Amokläufer richten sich selber hin, denn sie sind meistens zu introvertiert /autistisch, um ihre Frucht und Hass  artikulieren zu können.  Auch wenn Breivik ein Psychopath ist, dann bleibt die Frage wie gefährlich ist er? Ist er  für die Gesellschaft gefährlich oder nur politisch unbequem?  Man fürchtet seine Äußerungsbereitschaft und verweigert ihm die Bühne, gleichzeitig lud man Islamisten wie Pierre´ Vogel & Co. in die Talkshows ein und  machte Werbung für  Ihren kranken Fundamentalismus. Offensichtlich sind Psychopaten die noch keine Verbrechen begangen  haben, durchaus salonfähig und medial verwertbar.
    Heute wird nach Menschen gesucht, die hinter Breiviks Verbrechen stehen. Die Hintermänner  sind schon „erfunden“ und sie heißen  Islamfeinde, sprich  diejenigen, die den Islam kritisieren.  Bravo Deutschland, die Tendenz zur Kollektivschuld ist langsam  zu erkennen. Die politische Korrektheit rutscht  in die Denk- und Handlungsmuster ihres Erzfeindes d. h., der kommunistischen und faschistischen Diktatur. Ist Deutschland mit einem neurotischen Zwang verflucht? Der manisch-depressive Linke geht mit seinen Hetzkampagnen gegen Islamskeptiker und aufgeklärten Europäerismus in Richtung autoritäre Positionen ohne das zu merken.  Der Gutmensch möchte nichts falsch machen, deshalb macht er lieber gar nichts. So ungefähr entsteht der alles tolerierende Xenophilie, welchem alles egal zu sein scheint, außer seinen „guten“ Ruf als „guter Deutscher“ zu verlieren. Kritik am Islam kann kein Rassismus sein, weil Religion keine Rasse ist. Genauso wenig ist die von den Linken leidenschaftlich betriebene (absolut legitime) Israel-Kritik, ein Zeichen von Antisemitismus. Oder doch?

    All diejenigen, die jetzt eifrig nach Motiven und Komplizen des Oslo-Attentäter suchen und die Gunst der Stunde für ihre Hetzpropaganda gegen Islamkritiker nutzen, und nicht zuletzt diejenigen, die nicht den Mut haben, den Täter anzuhören, empfehle ich, über die Aussage des norwegischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg kurz nachzudenken. Auf der Pressekonferenz sagte er (als hätte er seine Worte nur an die Deutschen adressiert): „wir müssen klar unterscheiden zwischen extremen Ansichten und Meinungen, was in einer Demokratie vollkommen legitim ist, und extremen Handlungen. Nicht die Ansichten sind inakzeptabel,  sondern die Mittel sie auszudrücken.“  Bedauerlicherweise haben viele Deutsche anscheinend sein Statement nicht mitbekommen - sie waren schon längst an ihren Schreibtischen damit beschäftigt, möglichst schnell mit ihren Meinungen den Äther zu verpesten.
    Die Suche nach Komplizenschaft in einer Massengesellschaft, die von Gier, Korruption und Abzocke getrieben ist, wird immer scheitern. Das System ist zu unüberschaubar und anonym geworden, um die richtigen Verbindungen herauszufiltern. Sind  überambitionierte Eltern, die ihre kleine Tochter für  kleine Nutte kreieren, nicht die Komplizen von Kinderschändern? Sind also die Kinderschänder, nicht durch die geschminkten kleinen Mädchen zu ihren Missbräuchen animiert worden? Die Protestanten und Katholiken in Irland  bekämpfen sich kaltblutig seit ungefähr 40 Jahren, nicht weil sie Ego-shooter gespielt haben oder Psychopaten sind, sondern „Religioten“, die durch  solche Komplizen wie  die Bibel und der Vatikan zum Gewalttaten angestiftet. Trotzdem wird die Bibel (als Kriegsdroge) nicht verboten und die Hintermänner aus dem Vatikan werden nicht angeklagt. Was spricht dagegen gewaltverherrlichende Computer Spiele, zusammen mit gewaltverherrlichenden Büchern, wie Koran und Bibel,  zu verbieten? 

    Ich möchte ausdrücklich den Eindruck vermeiden ein Fan von Breivik zu sein. Als Freidenker verabscheue ich gleichermaßen radikale Christen mit ihren Kreuzungen, sowie Islamisten mit ihrem Jihad, sowohl auch jede Art von offensiver Religiosität. Islamkritik,  die aus der allumfassenden Religionskritik abgeleitet wurde,  und  von aufgeklärten und  säkularen Kräften vorangetrieben wird, hat mit dem religiösen Radikalismus à la  Breivik nichts zu tun. Allerdings bin ich auch  der Meinung dass  die Islamisierung des Abendlandes taktisch verschleiert wird und in der Zukunft unweigerlich zu Problemen führt. Dennoch  nicht  mit Gewalt,  sondern mit einem europaweiten Boykott des Islam als Kern dieses Problems, könnte man die Islamoffensive noch stoppen. Unteranderen auch die Einführung  von ähnlichen Kriterien und Barrieren wie in den USA, Kanada oder Australien, die Menschen nach Europa kommen lassen aber nicht der Islam.  Es ist kein Rassismus und Diskriminierung Passagiere nur mit dem Handgepäck an Bord eines Flugzeugs zu lassen, sondern lediglich Sicherheitsvorschriften!
    Anscheinend ist uns nur die direkte Gewalt widerlich und abstoßend. Unsere eigene Monstrosität wird von Anonymität verschluckt und durch Versicherungen bedeckt.  Denis de Rougemont schreibt: „wenn Ihr wollt den Teufel zu erwischen, ich sage euch wo ihr fündig werdet: in dem Sessel wo Ihr gerade sitzt.“ Wir sind weder gut noch schlecht geboren. Wir lassen uns nur von den beiden Extremen lebenslang treiben, als das Leben die Kunst der Navigation wäre.

     

     

      ( September 2011)

     

    OBEN____

    ansi

     

     

    "TOD DEN IDIOTEN"(1)
    oder wie man nicht erkennt, nicht versteht und nicht begreift
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    ryszard kotonski

     

    Platon wusste es und Rousseau hat darüber geschrieben, dass die Demokratie kein stabiles System ist und unkultiviert leicht unter die Herrschaft des Pöbels gelangen kann. Heute weiß man, was damit gemeint war. Ihre Stabilität hängt von Aufklärung und allgemeinem Bildungsniveau der Staatsbürger ab. Da Idioten die Gewohnheit haben, Ihresgleichen zu wählen (Berlusconi), kann so entstandene Idiokratie schneller die denkende Minderheit beherrschen als diese es glaubt. Zwar muss nicht jeder in der Demokratie zu allem eine Meinung haben, aber zumindest eine Ahnung wäre von Vorteil, denn ihr größter Feind  ist die Übervölkerung und eine damit verbundene soziale Entropie, d. h. natürliche, menschliche Tendenz zur Verblödung. Da der Mensch von Natur aus Dumm und Böse ist, muss er  lernen  und zum konfliktlosen Zusammenleben erzogen werden. Das ist eine der wichtigsten Herausforderungen für jede zivilisierte Gesellschaft die permanent bagatellisiert wird! Es ist noch umstritten, in welchem Ausmaß Dummheit vererbbar sei - sie ist auf jeden Fall leicht übertragbar als etwas, was  man nicht lernen muss. Das Bedürfnis nach persönlicher Entwicklung des Individuums hat im Rausch  eines gemeinsamen, fröhlichen Konsums stark abgenommen bzw. wurde ganz verdrängt mit der Konsequenz, dass die Mehrheit sich für „Haben“ und nicht für „Sein“ entschieden hat, da sie von der Tatsache ausgeht, dass sie sowieso schon ist.
    Die offizielle Darstellung der moslemischen Migranten sich als Opfer zu stilisieren und der Islam als ihr harmloses Hobby ist tendenziell und nicht überzeugend. Ich muss nicht glauben, was ich nicht weiß, und ich weiß was anderes. Meine Erfahrung als Spätaussiedler, der auch hierher zugewandert ist, führt zum anderen Konklusionen als die offiziellen. Was ist anders an mir, der keiner Integration bedurfte außer der, die deutsche Sprache zu lernen?  Es gibt tatsächlich Unterschiede und zwar grundlegende. Ungeachtet der herrschenden Meinung sehe ich die gesamte Islamdebatte mit ihren verschiedenen Aspekten wie Islamkritik, Integration, Identität, Männlichkeit und falsche Solidarität aus einem anderen Blickwinkel.
    Es gibt geteilte Meinungen darüber, ob der Arzt die Wahrheit über den Gesundheitszustand seines Patienten verschweigen oder offen darlegen sollte. Das Buch von T. Sarrazin stellt eine solche unangenehme Diagnose, die zwar auf den ersten Blick deprimierend erscheint, aber unabdingbar ist, wenn man dagegen etwas unternehmen will. Daher verstehe ich Sarrazins Kritiker als feige Verfechter der Verschwiegenheit, Verharmlosung, und Heuchelei. Aufklärerische Islamkritik kann sich solche ‚Diplomatie’ nicht leisten, wenn ihre Argumentation ernst genommen werden soll.
    Warum hängt man krampfhaft an der Mumifizierung einer Leiche wie Integration, während doch der Kern des Problems in der ethnischen Konditionierung moslemischen Mitbürger liegt und mit verordneter Integration nicht zu überwinden ist? Integration ist eine von vielen administratorischen Attrappen in der deutschen Politik. Auch die sogenannten ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen) für Arbeitslose verschlucken Unmengen von öffentlichen Geldern und erwiesen sich als absolut unwirksam.
    Kulturelle Unterschiede kann man nicht mit der Sprache ausgleichen. Sie sind trotzdem vorhanden. Was ist die Ehre eines Mannes wert, wenn sie in den Händen einer Frau liegt? Die Ehre eines Mannes bezieht sich auf seine Souveränität und nicht auf seine Schwäche. Aber das muss man zuerst verstehen! Was ich wiederum nicht verstehe ist, warum muss man auf eigene  kulturelle Identität verzichten, damit die andere das nicht tun müssen? Und warum gibt es noch Menschen, die die eigene Herkunft für eine Leistung halten? Und warum sollen so viele Migranten deutsch sein - als ob es nicht reichen würde, ein Mensch oder ein Staatsbürger zu sein?
    Da noch keinen  Welt-Konsens darüber gibt, wie man ‚Mensch’ definieren sollte, ist jede interkulturellen und Interreligiosen  Dialog gegenstandlos. Meines Erachtens, ist er ein Ergebnis eines Umwandlungs-Prozesses, der bei Vielen nie begonnen hat. Es gibt Kulturen, in denen die Suche nach Gott zu allumfassender Religiosität führte, wo der Mensch immer eine unterordnete Position hatte und mit denen sollte man kein Dialog über die  Menschlichkeit und Menschenrechte führen.

    Im Schatten eines Buches

    Die Veröffentlichung des Sarrazin-Buches hat bewiesen, dass Deutschland ein Land geworden ist, in dem die Anständigkeit eigener Handlungen, in schweren Fällen auch eigener Gedanken, strenger überwacht wird, als deren Richtigkeit (Gesinnungs – TÜV) - und das ist viel irritierender als Sarrazins gewagte Thesen. Wirtschaftliche und technologische Weltführer  wie Deutschland  wirken  bei ethischen Fragen äußerst provinziell und bigott, von daher wird es wahrscheinlich auch das letzte Land nach Polen sein, das erkennt, dass eine Zygote noch kein Mensch ist.
    Die Unterstellung, dass Sarrazin aus der Laienperspektive über Probleme schreibt, die seine Kompetenz überschreiten, ist nicht haltbar: um zu wissen, dass Wasser gefährlich sein kann, muss man seine molekulare Zusammensetzung nicht kennen. Auch der Vorwurf, dass er außer bösartiger Kritik keine Problemlösung bietet, ist ein großes Missverständnis. Wenn ein Banker Migrationsprobleme lösen könnte, wozu bräuchten wir dann die Politiker überhaupt? Die gegenwärtige „Neuro-Politik“ ist überwiegend mit der Beseitigung eigener Fehler beschäftigt, und während sie das versucht, produziert sie unablässig weitere.
    Ein Buch zu schreiben oder eine Karikatur zu zeichnen, kann eine sehr elegante Form der Beleidigung sein, zumindest im westlichen Kulturkreis, wo man Bücher schreibt und liest.
    Das vor 22 Jahren von Salman Rushdie geschriebene, „blasphemische“ Buch „Die satanischen Verse“, das angeblich die ganze moslemische Umma beleidigt hätte, sorgte in islamischen Ländern für große Aufregung, nicht aber in der westlichen Politik. Die Fatwa kam damals aus dem Iran und nicht aus dem „Kanzleramt“, weil der Ketzer und Provokateur nicht aus dem politischen Umfeld stammte und eine offizielle Distanzierung nicht notwendig war. Das Entscheidende war aber, dass Rushdies Buch die religiösen Gefühle der gläubigen Moslems beleidigt hatte, und nicht wie Sarrazins Buch sie persönlich. Hätte es keine großformatige öffentliche Debatte zu Sarazins Buch gegeben (was heutzutage unmöglich ist), hätten die Moslems diese „Beleidigung“ ziemlich leicht und schnell runtergeschluckt. Und was heißt schon persönlich in einer Kultur, die Individualität nicht besonders schätzt, wo stattdessen Gruppen- und Familienzugehörigkeit im Vordergrund stehen?
    Für ein säkulares Verständnis ist Würde weniger abstrakt als religiöse Gefühle. In nichtaufgeklärten Gesellschaften mit nichtsäkularen Staatsformen ist das natürlich ganz anders. Genau aus diesem Grunde werden wegen Sarrazins Buch keine Fahnen brennen und keine Botschafter entführt, denn die Würde des Propheten hat Priorität. Deniz Ülke Aribogan(2)schreibt: „Die türkische Gesellschaft ist keine individualistische Gesellschaft, was typisch ist für die Menschen im Osten. Wir mögen es nicht, einen Satz mit ‚ich’ anzufangen. Wir leben in der Gruppe als ‚wir’“.

     

    Wenn Dummheit eine Rasse wäre, dann wäre ich ein Rassist.

    Die soziale Bedeutung von Intelligenzdefiziten am Beispiel der moslemischen Migranten in die Diskussion zu bringen, war nicht die feinste Art, die Integrationsprobleme anzusprechen. Es hätte gereicht, die Dummheit als global wachsendes Phänomen zu stigmatisieren. Sie ist nämlich nur dann ein Kavaliersdelikt, solange sie eine Privatangelegenheit bleibt und die vier Wände des eigenen Hauses oder den eigenen Schädel nicht verlässt. Inzwischen ist Dummheit schon längst unterwegs, und zwar durch diverse Salons unserer Öffentlichkeit bis hin zu den Gemächern der Politik. Da unsere Gesellschaft „flexibel“ geworden ist, anspruchsloser wie manche sagen, oder einfach idiotenfreundlicher, hat hier jeder Dummkopf die Gelegenheit, seine Defizite in ein gesellschaftliches Ereignis umzuwandeln und ein Star zu werden. Die Expansion des Idiotentums innerhalb westlicher Konsumgesellschaften ist mit den Erfolgen der Unterhaltungsindustrie und den Misserfolgen des Schulsystems zu messen. Es ist zu erwarten, dass der Konflikt um die Zukunftsgesellschaft zwischen „sprechenden Verdauungs- und Nervensystemen“ ausgetragen wird.
    „Der Dummkopf hat zu jedem Thema von vornherein eine festgelegte Meinung. Er macht den Eindruck, als wäre er damit bereits zur Welt gekommen, hätte sie mit der Muttermilch eingesogen. Diese Beobachtung ist ein Argument für Hypothese, dass Dummheit nicht einem Mangel an Bildung entspringt oder von der Umwelt verschuldet wird, sondern dass sie ein Genetischer Code ist, mit dem der Mensch geboren wird. Die Informationen, die durch sein Hirn kreisen, sind rar, verzerrt und verborgen. In diesem Fall könnte man die Dummheit als Gebrechen oder angeborene und - eher - unheilbare Krankheit ansehen.“(3)

    Dass die Intelligenz (lat. Erkenne, begreife, verstehe) als gewisses Verhaltensmuster vererbbar ist, ist empirisch nachweisbar und wurde wissenschaftlich bestätigt(4). Dies ist am besten aus der Beobachtung von Tieren zu deduzieren, deren erstaunliche Intelligenz zu ihrer Überlebensstrategie gehört. Wenn sie nicht durch genetische Codierung weiter vererbbar wäre, wären ein Rabe nach Generationen  zum Huhn und ein Delphin zum Hering geworden. Es war bei den Menschen nicht anders. Auch für Primaten war Intelligenz überlebenswichtig bis zur Erfindung der Versicherung.
    Das was einen Homo Sapiens zu einem Menschen macht ist nicht nur die Intelligenz, die wir mit vielen anderen Tieren teilen, sondern die Asymmetrie seines Bewusstseins und seines Charakters, die der Intelligenz ein Gesicht gibt.  Mit bloßer Intelligenz ausgestattet ist er wie ein  Aquarium ohne Fische oder Hardware ohne Software.  Unsere Biographie wurde von einer Software sozial-kultureller-politischer und religiöser Prägung geschrieben. Erziehung, anders als die Intelligenz, ist ein bewusster, direkt steuerbarer Prozess. Die mit einem Buch, das eher zum Nachmachen statt zum Nachdenken inspiriert, aufgewachsene Generation  wird von den Herausforderungen der offenen, säkularen Gesellschaft, die viele Bücher kennt, überfordert. Bildungssimulanten wie Religion und Tradition sind absolut irrelevant und können als Bildungsersatz nicht akzeptiert werden.
    Tatsache ist, dass Menschen mit geringerem Intelligenzpotential auch weniger an persönlicher Integrität und Freiheit interessiert sind und sich stattdessen naturgemäß eher dem Kollektivismus unterordnen. Sie fühlen sich von Gruppenzugehörigkeit, Traditionen und Religionen stärker angezogen als Individualisten. Die traditionellen Agrarvölker, die durch Generationen im einen konstanten, sozialen und wirtschaftlichen Umfeld lebten, strapazierten ihre Intelligenz nicht wirklich, mit der Folge für die moderne Außenwelt unkommunikativ zu sein.
    Auch die westliche Gesellschaft ist einer ähnlichen Degradierungstendenz ausgesetzt. Sie verblödet schneller als man darüber berichten kann. Wozu kann ein System gut sein, das den Dummen erlaubt, sich durchzusetzen, so dass ihre zerstörerische Kraft mit dem Recht der Mehrheit die Oberhand gewinnt? Die häufigsten und zweifellos schlimmsten Verbrechen, die sich Menschen gegenseitig antun, sind in keinem Gesetzbuch erwähnt: Bösartigkeit, Gleichgültigkeit und nicht zuletzt Dummheit gehören dazu.
    In der Natur trifft man gebildete Idioten und bildungsarme Weise, die die Zukunft ihrer Nachkommenschaft auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Wie oft schicken wohlhabende, gebildete Eltern ihre Kinder an die Bibel- oder Koranschulen, während bildungsarme Migranten ihre Kinder an die Universitäten schicken. Sie strengen sich in jeder Hinsicht an, ihren Kinder Zugang zu Bildung und Kultur zu ermöglichen, welchen sie selber nicht genießen konnten oder durften. Dass Seyran Ates, Asli Sevindim und andere, auch nichtmoslemische Prominente, die aus bildungsarmen Familien stammen und trotzdem erfolgreich sind, bedeutet nur, dass sich Intelligenz (mit Hilfe des Willens) trotz Bildungsdefiziten durchsetzen konnte. Um die eigene existentielle Situation zu erkennen, begreifen und verstehen, braucht man keine Bildung, sonder das Minimum an Intelligenz, die zwar nicht alles, aber etwas Grundlegendes ist. Davon abgesehen, viele Menschen, auch obengenannte Damen haben anscheinend verlernt, bestimmte Begriffe klar zu definieren und sie zu unterscheiden. In ihren emotionalen Aussagen verwechseln sie häufig Intelligenz mit sozialem Erfolg, so wie ein Durchschnittsbürger gewohnheitsmäßig den Staat mit der Regierung gleichsetzt.



    Akklimatisation und Resozialisierung statt Integration


    Der Schwerpunkt der Migrationsproblematik ist meines Erachtens falsch definiert. Integration, die mit ihren Ansprüchen offenbar beide Seiten überfordert, ist vor allem für kleine Migrationsgruppen geeignet und weniger für einen ökonomischen "Exodus" aus der Türkei. Integration ist eine Sache der inneren Einstellung und individuellen Motivation und keine kollektive Bestrebung von Zuwandergruppen.
    Trotz eines über vierzigjährige Anwesenheit in einem modernen europäischen Staat wie Deutschland ist es vielen türkischen Migranten nicht gelungen, sich in ihre neue Umgebung zu integrieren. Vollständige Integration bedeutet Dauerhaftigkeit und Unabwendbarkeit, genau das, was die türkischen Gastarbeiter angeblich nicht wollten. Sie wollten irgendwann heimkehren.
    Akklimatisation ist ein Fachbegriff aus dem Himalaismus, der eine Anpassung des Organismus an die Höhe des Berges beschreibt. Je höher man aufsteigt, umso länger muss man dort bleiben, um den Organismus an die schweren Bedingungen der Höhe anzupassen. Nur ein rechtzeitiger Abstieg kann den Bergsteiger vor den unangenehmen Symptomen der Höhenkrankheit retten, wenn die Akklimatisation nicht zu funktionieren scheint. Im Gegensatz zu Integration verlangt sie lediglich  Passivität  ohne Zwang zu „Leitkultur“, ohne befördert zu werden und keine Forderungen zu stellen. Nach einer solchen sozialen und kulturellen Quarantäne, kommt man zu der Erkenntnis, ob man überhaupt in das neue Umfeld passt oder auch nicht. Resozialisierung wiederum bezieht sich auf Entbarbarisierung religiös bedingter, folkloristischer Phänomene, die als soziales Verhaltensmuster aus den islamischen Kulturkreisen mit der Zuwanderung importiert und praktiziert werden.
    Intelligente Menschen integrieren sich selber, ohne Unterstützung von staatlicher Choreografie. Die anderen brauchen mehr Zeit dafür. Die Mehrheit der türkischen Migranten ist seit über zwei Generationen damit beschäftigt, von „dekadenten“ Europäern nichts zu lernen und zwar mit Erfolg. Sie haben sich mental von ihren Dörfern nicht weit entfernt. Für die „westliche Frequenz“ hat die islamische Kultur noch kein Ohr entwickelt.
    In welchem kulturellen Umfeld Frau Künast, Frau Roth, Herr Ströbele und die restlichen orthodoxen Gut-Deutschen aufgewachsen sind, dass sie ihre Identität verleugnen, ist mir ein Rätsel. Ist gutmenschliche Multikulti-Obsession ein Resultat unterschiedlicher Wahrnehmung, politischen Kalküls oder unverarbeiteter Pubertät, die aus einer Karl-May-Romantik nicht herausgewachsen ist? Wahrscheinlich eine Mischung von allem. Ich jedenfalls bin in einem Kulturkreis geboren - und hier meine ich nicht den polnischen, sondern den europäischen - der mehr zu bieten hat als anatolische Frömmigkeit, Folklore und orientalische Kulinarien. Aufenthalt und Leben in meinem Kulturkreis ist und bleibt für die orientalische Mentalität ein Aufstieg, was normalerweise etwas Gutes ist. Diese Avance ebenso wie gute Schulnoten gibt es allerdings nicht umsonst. Man muss Veränderungen in sich zulassen, denn Intelligenz lebt von Veränderungen. Nur Dummheit ist ein Zustand permanenter Stagnation und Gemütlichkeit.
    Ein natürlicher Anpassungsvorgang wie Akklimatisation wäre die effektivste und humane Einbürgerungsform, besser als eine schnelle provisorische, politisch und wirtschaftlich erzwungene Integration. Und noch was: die Akklimatisation ist nicht Sache des Berges, sondern die der Bergsteiger.
    Woran denken die Moslems, die sich auf Grund ihrer Geburt in der BRD für Deutsche halten? An ihre deutschen Pässe? Solange „Deutsch zu sein“ keine Voraussetzung für Integration ist, kann man sich selbst bleiben. Man wird kein Japaner, wenn man Sushi isst, und um Sushi zu essen, muss man kein Japaner sein. „Ich fühle mich als Deutsche“ hört sich zwar sehr nett an, ist aber auf Grund nichteuropäischer Genealogie ein völlig sinnloses Bekenntnis. Deutsch zu sein kann die Staatsangehörigkeit definieren, aber nicht zwangsläufig die Nationalität.  Seit 22 Jahren besitze ich den deutschen Pass und fühle mich hier sehr wohl, ohne deutsch zu sein, und niemand verlangt das von mir. Als Pole werde ich in jedem europäischen Land akzeptiert, weil ich seine Kultur durch religiöse Befindlichkeiten nicht herausfordre und meine familiäre Genealogie unumstritten im der europäischen Kultur und Geschichte verankert ist.

      Europa ist für mich und Millionen Europäer eine wüstenlose, grüne Landschaft mit Kultur und Geschichte die ihr Moslems nicht kennt; eine Geschichte von Kriegen und Revolutionen, die für  euch undenkbar waren, Philosophie und Literatur, die ihr nicht hattet, Antike, Moderne, Pop und Technokultur, die  euch fremd ist; Beatles, Bach, Piaf und Chopin; Shakespeare, Balzac, Brecht und Tolstoi; Synagogen, alte Kirchen und Kathedralen, wo ich mich gern entspanne und Père-Lachaise, wo meine Propheten begraben sind; Kubrick, Buñuel, Herzog und Greenaway; Ilias, Hamlet, Faust und Ulysses; die Sex- und Coffeeshops, Casinos, Bordelle und Schwulen-Discos, die ihr verabscheut, der Humor von Schwejk, De funes, Monthy-pythons und Asterix, der euch nicht zum Lachen bringt; Aufklärung, Demokratie, Meinungsfreiheit und Säkularismus die von eurer Frömmigkeit unbeeindruckten geblieben sind. Das alles gehört zu meinem Kulturkreis. Das ist mein Europa. Seit ihr sicher liebe Moslems dass ihr tatsächlich hier zu Hause sind?

    Wie wichtig ist es im heutigen Europa, nationale Gefühle zu pflegen? Ist es notwendig, in der Demokratie seine Herkunft nachzuweisen? Selbstverständlich nicht. Die Idee eines vereinigten Europa macht eine solche nationale Identifikation gegenstandlos. Aber Europa ist keine Insel und Nationalismus ist eine Waffe! Entwaffnung hat aber nur dann einen Sinn, wenn sie auf Gegenseitigkeit beruht. Organisationen wie Milli-Görüs, Graue Wölfe und NPD-ähnliche Gruppierungen sind nur Miniaturen dessen, was die Türkei nach Europa mitbringt.
    Ich nehme mir das Recht, mich als Europäer zu definieren, indem ich meine nationale Identität gegen die Weltbürgerliche und Weltkulturelle getauscht habe. Die Kultur gehört der Menschheit und bietet allen Menschen Asyl, die unpolitisch, transkulturell kommunizieren können und wollen. Multikulturalismus wiederum hat keine eigenen Kriterien für kulturelle Sentenz in einer zivilisierten Gesellschaft hervorgebracht und beschäftigt sich ersatzweise mit religiösen und folkloristischen Kommunen. Das historische Beispiel für einen gescheiterten „Multikulturalismus“ ist die Sowjetunion bis 1999. Nach dem Untergang des Kommunismus haben alle damals dem russischen Imperium angeschlossenen Republiken/Ethnien ihre Autonomie gefordert und sich aus der ideologisch aufgebauten Multikulti-Agenda verabschiedet. Der Türke, der sich in erster Linie als Moslem und dann als Patriot mit Stolz definiert, kann mit seinem kleinasiatischen Ultranationalismus/ osmanisch-geprägten Imperialismus („Heim ins Reich“ Ambitionen) und Provinzionalismus niemals zu einem Europäer werden. Loyalität ist nicht teilbar.
    Ich möchte ein Beispiel über die eigene Integration  durch die Sprache geben, wobei die Hintergründe der polnischen und der türkischen Migration nicht wirklich vergleichbar sind. Die polnischen Migranten, die in Fachjargon Spätaussiedler genannt werden, hatten einen ganz anderen Status als die klassischen Gastarbeiter. Formal gibt es keine polnischen Minderheiten, denn formal sind wir hier als „vertriebene Deutsche“ zugewandert.

    Ich kann mich erinnern, dass wir uns schämten, in der Öffentlichkeit laut polnisch zu sprechen. Viele von uns fanden es lächerlich und demütigend, genauso wie die stolzen Türken von heute. In der Tat war dieses seltsame, konspirative Verhalten eine Art von Selbstdisziplin, die sich aber ausbezahlt hat. Die deutsche Sprache zu lernen hat uns unserer polnischen Identität nicht beraubt und uns nicht „Zwangs- germanisiert“. Man arrangiert sich besser mit einer anderen Gesellschaft, wenn man versteht, dass Patriotismus und Nationalstolz ein Anarchismus und ein Hindernis ist oder auch eine  letzte Zuflucht für Idioten(5). Sehr viele Polen der letzten Migrationswelle (Ende der 80er Jahren) sind heute selbständig, und diejenigen, die auf ihre polnische Herkunft so stolz waren, beherrschen die deutsche Sprache bis heute nicht und sind in keinerlei Hinsicht selbstständig. Ein wichtiger Aspekt unserer Akklimatisation in Deutschland war die freie Wahl des Wohnorts, was wir gern in Anspruch genommen haben. Wir kamen nicht aus einem polnischen Dorf und mussten nicht unbedingt zusammen in einer Straße (Getto)wohnen. Jeder hatte eigene deutsche Nachbarn, eigene Probleme und auch kleine Erfolge. Die Erfahrungen haben wir untereinander ausgetauscht, und das hat uns motiviert.
    Wir wollten unsere Muttersprache weder verdrängen noch uns von unserer Herkunft distanzieren. Da wir freiwillig nach Deutschland gekommen sind, um hier zu leben, war es notwendig in die spezifische deutsche Realität einzutauchen, damit wir die Menschen und ihre Mentalität besser  verstehen können.  Über die Absurdität unseres Status als Vertriebene haben wir oft selber gelacht, besonders über die deutschen Schäferhunde, die in manchen Stammbüchern auftauchten. Das Absurde daran war, dass  wir zu jung waren, um uns an  Krieg oder  Vertreibung zu erinnern können.
    Deutsch-polnische Geschichte, egal wie sie war, ist wesentlich älter als die 40 Jahre Gastarbeit in der BRD. Von Formalitäten abgesehen war meine Auswanderung nach Deutschland eine Sache des Umzugs von A nach B - für Türken ist es demgegenüber eine Zeitreise ins unbekannte Hyperborea. Der türkische Ultranationalismus ist ausschließlich an eigener Hegemonie und nicht an kulturellem und gesellschaftlichem Pluralismus ernsthaft interessiert. Die Türken haben keinen Grund, ihren Nationalstolz zu verstecken. Die nationalistisch-religiösen und meistens sozial schwachen migrantischen Unterschichten werden von deutschen, durchgekifften Multikulti-Paranoikern zur legitimen Ablehnung westlicher Normen und Werte noch ermutigt. Wie blöd oder Bündnis-Grün muss man sein, einen Junkie mit seiner Droge zu therapieren? Zu welchen Sabotageakten kann gutmenschliche blinde Toleranz noch fähig sein?


    My Home is my Castle


    Bedauerlicherweise zwingt  nicht die Reiselust oder die Entdeckung Geist den Millionenen Menschen auf ganzen Welt zur Auswanderung, sondern die existentielle Misere ihrer Heimat, welche auf politisches Versagen ihrer eigenen Regierung (Eliten) zurückzuführen ist. Menschen wollen in ihrer Heimat leben und sich in ihrer eigenen Sprache ausdrücken dürfen. Nostalgie ist eine Migranten-Krankheit, und sie ist stärker als die menschliche Neugierde, die zweifellos den langen  Integrationsprozess beschleunigt kann. Die Sehnsucht nach Heimat und das natürliche Bedürfnis  „unter sich“ bleiben zu wollen, ist der selten berücksichtigte Selbst-Gettoisierungfaktor bei allen Migrationsgruppen.
    In alter Dijhad-Tradition ist der Islam auf seiner Missionsreise durch das Abendland. Leider mit sehr beschränkten intelligenten Ausdrucksmöglichkeiten. Anders als alle bekannten politischen, religiösen und gesellschaftlichen Ideologien und Strömungen (Buddhismus, Sozialismus, New Age, und sogar Scientology) ist der Islam nicht in die Lage, in der westlichen Kultur intellektuell, anspruchsvoll und attraktiv für sich zu werben. Seine Botschaft ist dermaßen infantil, archaisch, banal und abgelaufen, dass er keine andere Möglichkeit hat, als sich physisch (demographisch) zu verbreiten. Der Wille, „unter sich zu bleiben“, ist durch die „unter sich zu heiraten“-Tradition deutlich bestätigt. (Erstaunlicherweise hat dieser evidente Affront gegen die Aufnahmegesellschaft bis jetzt noch keinen beleidigt.)  Die islamische Monokultur baut auf innerkulturelle Inzucht, die eine langsame, aber durch Blutverwandtschaft gesicherte, Erweiterung ihres Einflusses und ihrer Macht garantiert.
    Die Türkei als ein Problemkind in die europäische Demokratie zu adoptieren, kann sehr unromantische Konsequenzen haben. Die Politik wird immer öfter von Ignoranten vertreten, deren langjähriges Leben in Wohlstand spürbare Nebenwirkungen zeigt. Verlangsamte Denkmechanismen, gedämpfte Aufmerksamkeit, Realitätsverlust und Autismus sind nur einige davon.  Ich möchte aus politischen und ökonomischen Gründen nicht dazu gezwungen werden, etwas zu tolerieren, von dem ich nichts halte.
    „Die Demokratie muss eine neue Religion ertragen“, diese Aussage ist die reinste politische Arroganz, die gegen Konsequenzen ihrer Dummheit immun ist. Es geht weniger um die Belastbarkeit die Demokratie, die ohnehin wie eine Nutte jeden politischen Schwachsinn erträgt, als um die Staatsbürger, die wieder mal die Folgen politischen Dilettantismus ausbaden müssen und eine weitere Ideologie in erzwungener Weise erdulden müssen, die grundsätzlich nicht zu dulden ist. Als Gegenleistung muss von den Moslems erwartet werden dürfen, dass sie die Pauschalisierungen und Klischees gleich gelassen zu ertragen im Stande sind, wie das nun mal in der aufgeklärten Gesellschaft üblich ist. Das Kernproblem der Islamkritik ist der Islam selbst. Die ist schon deshalb notwendig, weil weder Moslems noch der Islam und auch nicht der türkische Staat es in ihrer Arroganz gewohnt sind, Selbstkritik zu praktizieren.



    Die Borg kennen weder Mitleid noch Gnade mit ihren Gegnern weil sie die Assimilation als Befreiung von der individuellen Existenz begreifen.“ (Wikipedia).

    Von ihrem Ministerpräsident Erdogan gewarnt, befürchtet der Moslem türkischen Ursprungs durch die „verbrecherische“ Assimilation in die freiheitliche demokratische Gesellschaft seine Identität mit dem Kollektiv (Umma) zu verlieren. Die Aussagen von „Efendi“ Erdogan zu dem, was Recht und was Unrecht bedeuten, sind besonders wertlos. Die türkische Politik, die den Genozid an den Armeniern permanent leugnet (Holocaust-Lüge auf Türkisch), ist erbärmlich und lächerlich. Die Türken benehmen sich wie kleine Kinder, die glauben, dass ihre Lügen von den Erwachsenen ewig unentdeckt bleiben.
    „Wenn Muslime die Eroberungen der anderen verdammen, aber die eigenen gutheißen, dann bleibt das negative Image vom Islam bestehen, das auch im Deutschland unserer Gegenwart vorzufinden ist.“ (6)
    Die türkischen Nomadenvölker haben in ihrer ganzen Geschichte nichts anderes gemacht, als die eroberten Gebiete zu assimilieren. Jetzt fürchten ihre Nachfahren, mit ihrer eigenen Strategie behandelt zu werden. Sein oder Nichtsein eines Moslems ist eine Frage der bedingungslosen Zugehörigkeit und Unterwerfung. Eine mögliche Erklärung der Integrationsverweigerung liegt in dem, was Karl Popper zum Thema Dummheit sagte: „die Unwissenheit ist nicht einfach ein Mangel an Wissen, sondern eine Haltung der Verweigerung, sie ist die Ablehnung, Wissen anzunehmen.“
    Es gibt außer den Moslems ethnisch-kulturelle Gruppen, die sich hartnäckig weigern, integriert zu werden. Das sind die nordamerikanischen Indianer und die Aborigines. Sie allerdings sind die eigentliche Aufnahmegesellschaft, der es nicht gelang, die „Migrationswelle“ aus den Alten Kontinent erfolgreich zu integrieren. Stattdessen wurden sie erobert und fast ausgerottet. Die moslemischen Migranten wurden und werden weder erobert noch mit Ausrottung bedroht, und trotzdem, überall wo sie angekommen sind, benehmen sie sich wie Eingeborene und fordern Respekt. Integration ist im Islam nicht vorgesehen, es sei denn, es geht um Integration bzw. Assimilation von Anderen. Die Überheblichkeit und kalkulierte Sturheit gegen Integration besteht hauptsachlich aus der Selbstaffirmation des Islam und seine vermeintliche weltweite Gültigkeit.
    Der Weltbeherrschungsanspruch der „einzigen, moralisch überlegenen Religion“, die die verdorbene westliche Gesellschaft retten kann, impliziert die Ansicht, dass einzig und allein der Islam dazu prädestiniert sei, ihm zu folgen. Dass nicht jeder Moslem diese Auffassung (bewusst) teilt ist offensichtlich, ändert jedoch die Lage nicht im Geringsten. Eine Schneeflocke muss die Absichten des Eisberges nicht verstehen und auch nicht teilen, sie driftet trotzdem mit. Wenn 1,5 Milliarden Menschen fünfmal täglich einen rituellen Flashmob praktizieren, macht das schon so manchen nachdenklich und ist zudem beängstigend. Dieses Ritual ist demonstrativer Ausdruck des atavistischen, ritualisierten Kollektivismus, der zudem blinde Unterwerfung in dämonischer Form und dämonischem Ausmaß darstellt. 4 Millionen Moslems in Deutschland sind eine Masse, die nicht nur Klasse, sondern auch die Wahl hat. Da in der Demokratie fast alles wählbar sein kann, kommt die Masse irgendwann mit ihren religiösen Phobien und Gesetzen durch und macht so ihre Gebrechen zur Norm.
    Es ist falsch, über die Moslems als eine Minderheit zu denken. Der Islam ist nach dem Kapitalismus der offensivste Global Player. In den europäischen Ländern verteilte moslemische „Minderheiten“ sind de Facto nur Niederlassungen einer Bewegung, die das gleiche Ziel anstrebt: sich weiter global und epidemieartig zu verbreiten.


    Domestizierung der pathologischen Männlichkeit

    „Die Qualität und Schönheit einer Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, wie sie mit Schwachen umgeht. Sie stützt sie, nimmt sie mit, sagte Ranga Yogeshwar in Beckmanns Stube am 30.08.2010.
    Die Schönheit dieser Banalität ist durch ihre zahleichenen Versionen zu übertreffen, die Qualität einer Gesellschaft an den Umgang mit Behinderten, Frauen, Älteren, Tieren usw. zu messen, je nach dem was gerade mediale Aufmerksamkeit erregt. Bedauerlicherweise hat noch keiner die Gesellschaft nach ihrem Umgang mit den Arbeitslosen beurteilt. Während Islamkritiker als Rassisten denunziert werden, bleibt die Diskriminierung von Arbeitslosen durch die Politik unangetastet oder wird erst gar nicht Wahrgenomen.
    In der Schlüsselszene des Rob-Reiners-Films aus dem Jahre 1992 „Eine Frage der Ehre“ spricht der wegen vorsätzlichen Mordes verurteilte Marine: „man erwartet von uns, dass wir für Menschen kämpfen, die für sich selbst nicht kämpfen können“, für die Schwachen also.
    Aus der Yogeshwarschen Perspektive traten die Schwachen in unserer Gesellschaft, die man schützen sollte, Passanten in der U-Bahn zu Tode, bedrängten Obdachlose in den Parks und folterten bestialisch Mitinsassen in Gefängniszellen. In den europäischen Metropolen entstandene Islam-Gettos mit hierarchischen Machtstrukturen sind zum Teil von der liberalen, marktwirtschaftlichen Politik selbstgemachte Geschwüre, die behandelt werden müssen. Eine auf religiösen Prinzipien funktionierte Subkultur, in der die Brutalität, Menschenverachtung, Homophobie und Bildungsaversion nicht die Ausnahme sind, sondern eine Tugend, muss ohne überflüssige moralische Debatten dringend sanktioniert werden.
    Ein Mann ist ein Moslem und er weiß was zu tun ist. Junge Moslems nehmen ihre Herrenrolle sehr ernst, und sehr früh üben sie sich in ihrer Männlichkeit, indem sie ihre Frauen und Schwestern durch permanente Überwachung schikanieren ohne zu merken, dass das im europäischen Verständnis an den Verdacht der Zuhälterei grenzt.

    In den vorstädtischen Ghettos - von Bassam Tibi „islamische Vorstädte“ genannt - aufgewachsene Generationen sehen ihre verlorene Position nicht so drastisch, wie man das von außen objektiv beurteilen kann. Nun, Objektivität innerhalb einer Subkultur hat anderes Gewicht. Unter den Verlierern geboren zu sein und zu der Gewinnerwelt keinen Zugang zu haben, gibt ganz andere Perspektiven als die bürgerliche Sicht der Dinge. Ihre Opferrolle entmündigt sie nicht mehr. Im Gegenteil: sie verachten die vertikale Realität, die sie zum letzten Glied in der Nahrungskette macht.  Solange die Menschheit ihre demographischen Probleme nicht löst, bleibt die soziale Nahrungskette der legitime moralische Regulator und gleichzeitig ein Armutszeugnis unserer Zivilisation, das uns ständig an unsere Verwandtschaft mit den Tieren erinnert wird. Jede Kette, die hierarchisch angeordnet ist, hat immer ein letztes Glied, und das kann man nicht ändern (Sozialdarwinismus). Letztendlich aber hängt von unserem Verhalten und daraus folgender Politik ab, ob dieses letzte Kettenglied völlig entfremdet und entwürdigt zum sozialen Antipoden wird oder seine Existenzberechtigung innerhalb der Gesellschaft beibehält. Der naive republikanische Glaube, dass jeder Mensch das gleiche Potential besitzt und alles erreichen kann, ist genauso sinnlos wie der religiöse Populismus, der predigt, dass „wir alle Gottes Kinder sind“.
    Die Flucht in die extreme Religiosität, die keine Verlierer kennt, ist eine urmenschliche Alternative zu geistiger und materieller Armut. Perspektivlos vegetierende „verlorene Söhne(7), sind genauso gefährlich wie jeder, der nicht zu verlieren hat, und sie haben nichts zu verlieren.
    Ein nach langer, 127jähriger Abwesenheit zur Erde zurückkehrender Astronaut beschreibt in Stanislaw Lem Buch seine Eindrücke von der neuen Gesellschaft: „Als natürlich wurde da betrachtet, daß Kinder haben und sie in den ersten Lebensjahren erziehen ein Problem ist, das hohe Qualitäten und eine vielseitige Vorbereitung erfordert, ganz spezielle Studien also; allein für die Erlaubnis, einen Nachkommen zu zeugen, musste ein Ehepaar eine Reihe von Tests bestehen; am Anfang schien mir das unerhört, aber nach einigen Nachdenken musste ich zugeben, dass eher die Sitten unserer alten Gesellschaft paradox gewesen waren. Denn in der alten Gesellschaft konnte man kein Haus, keine Brücke bauen, keine Krankheit heilen, keine einfache Verwaltungsmaßnahme durchführen, ohne eine entsprechende Ausbildung zu besitzen, und allein das Problem, das die größte Verantwortung erforderte; die Erziehung von Kindern und die Gestaltung ihrer Psyche, wurde dem Augenblick der sexuelle Begierde, dem blinden Zufall überlassen. Die Gesellschaft griff erst dann ein, wenn Fehler begangen worden waren, für deren Korrektur es bereits zu spät war.“(8)
    Das Leben hat oftmals bewiesen, dass es kaum etwas Schlimmeres für ein Kind gibt, als dumme Eltern zu haben. Die kann man nicht neu wählen. Die verlorene Generation ist geschlechtsreif und spielt mit dem, was sie noch hat - mit der Reproduktionsfreiheit. Auf diese Weise wird die nächste Staffel von zurückgebliebenen Eltern erzeugt, und der Teufelskreis schließt sich.
    Intelligente aber vor allem ehrliche Integrationsmaßnahmen d. h. solche, die den Menschen tatsächlich helfen sollen, bedienen sich in ihrer Didaktik der re-sozialisierenden Wirkung der Kunst. Man bringt die Kunst in die sozialen Brennpunkte mit Bildungs- und Erziehungsproblemen, indem man kulturelle, anspruchsvolle Aktivitäten bietet. Die Integrations- bzw. Resozialisierungmaßnahmen von schwererziehbaren Straßenkindern in deutschen Metropolen sind nicht wirklich intelligent und empfehlungswert. Meistens handelt man hier nach dem Motto: Minimum Wissen für Minimum Gehirn; gib den Kindern, was sie wollen und nicht was sie sollen. Der sehr vorsichtige deutsche Gutmensch ist ein äußerst toleranter Pädagoge und glaubt, durch seine bis ins Absurde getriebene Nicht-Ingerenz -Philosophie Kinder erziehen zu können. Statt die klassischen Künste zu unterrichten beschäftigt man die Ghetto-Kinder in sogenannten „Mini Universitäten“ mit slum-typischen kulturellen Aktivitäten und Fächern wie Rappen, Boxen, Breakdance und ähnlichen Abscheulichkeiten, die die Getto-Wirklichkeit glorifizieren statt vor ihr zu retten. Offensichtlich geht man davon aus, dass die Intelligenzdefizite bei sozial Benachteiligten Ghettokids ungeachtet  ihrer Nationalität und Religion zu  groß sind, um sie (pädagogisch) zu nivellieren und sie ausschließlich zu den neuen Gladiatoren der Unterhaltungsindustrie  prädestinieren. Wenn sie noch keine Idioten sind, dann werden sie zu Idioten gemacht und zwar mit öffentlichen Geldern von Animateuren, die ihren Aufgaben nicht gewachsen sind und häufig selber die Ghettomentalität aufweisen.

    Blut ist dicker als der Verstand

    Wäre ich mit der gleichen ausgeprägten Emotionalität und unterentwickelten Individualität ausgestattet wie ein streng Gläubiger, der an jeder Ecke eine Verschwörung gegen sich vermutet, müsste auch ich ständig beleidigt sein! Bin ich aber nicht. Weshalb sollten mich Polen-Witze beleidigen, wenn sie nicht an mich persönlich gerichtet sind? Ich bin nicht Polen, ich bin auch nicht Deutschland, und verantwortlich bin ich nur für meine eigenen Handlungen. Da ich noch nie ein Auto gestohlen habe, lache ich als Nichtangesprochener mit, wenn der Witz es wert ist. Übrigens, im „Autodiebstahl-Geschäft“ sind zurzeit die Italiener längst an der Spitze. Sollte ich die sprichwörtlichen Autodiebe oder gemeinen Idioten nur deshalb verteidigen, weil sie meine Landsleute sind? Wohl kaum. Dazu gibt es in einem Rechtsstaat Rechtsanwälte oder Eltern. Es muss mir schon Wert sein, mich für meine Landsleute einzusetzen. Es ist unwichtig, in welcher Sprache man nichts zu sagen hat. Die polnische Herkunft allein hat für mich keinen besonderen Wert, deshalb halte ich mich aus der Versteigerung nationaler Makel immer heraus.
    Bei den Mitbürgern türkischer Herkunft ist es genau umgekehrt, was auf tiefe kulturelle Differenzen hinweist. Offensichtlich sind Geburtsort und Bildungsniveau nicht entscheidend, vielmehr verbindet die „Blutsverwandtschaft“ alle Migranten aus dem islamischen Kulturkreis. Soweit Türken als Gruppen, Ethnien, Nation, Religionsgemeinschaft erwähnt oder kritisiert werden, kriechen sie wie „Schläfer“ aus allen möglichen Ecken der Republik heraus, um ihre vermeintliche Entwürdigung vor den Kameras prätentiös zu dramatisieren. Ob das der ungebildete „Straßen Held“ Mehmet oder der prominente Regisseur Fathim  Akim ist, alle fühlen sich durch die Mohamed-Karikaturen und/oder das Minarettverbot gleichermaßen angesprochen und sind zutiefst beleidigt. Eine seltsame, unerwartete Solidarität erweist die Eindimensionalität der Moslems als Menschen, die anscheinend unfähig sind, ihre Souveränität als Individuum auf Dauer zu bewahren. Wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde schwanken sie zwischen erworbener Modernität und vererbtem Stammeszwang. Kritik, Ablehnung oder Ignoranz sind keine Formen der Unterdrückung oder der Gewalt, sondern subtile Erziehungsmethoden. Daher besteht kein Anlass für die kollektive Rechtfertigung von Schwererziehbaren.
    Die ständig wachsende Anzahl von Experten, die die politisch korrekte Linie gegen die Vernunft und möglicherweise auch gegen das eigene Gewissen verteidigen, übertrifft bald die Anzahl von Politiker selbst. Orientalische Schönheiten werben für die eigene gelungene Integration, als wäre jemand interessiert daran was sein sollte was nicht gibt. Der Islam ist weiblich, attraktiv und klug. Ich habe verstanden! Politologin Naika Foroutan wird gefragt, so als hätte es in Deutschland schon lange keinen renommierten Wissenschaftler mehr gegeben, außer Praktikantinnen mit Migrationshintergrund. Leider sind Ihre Ansichten und Untersuchungen genauso wertlos wie kirchliche Untersuchungskommissionen zum Kindermissbrauch in der katholischen Kirche. Nach Aussage von Frau Foroutan ist die gefühlte Stimmung im Volk schlechter, als die Fakten es zeigen
    .
    „Wer kennt diese Wahrheit?“ - fragt Frau Foroutan. Wahrscheinlich nur Sie selbst. Weshalb sollten die Fakten vor den Bürgern so lange geheim gehalten werden, wenn ihre Offenlegung die gespannte Situation und Missverständnisse auf einmal lösen könnte!
    „Wer sagt ihnen eigentlich, dass mehr als 60 Prozent der Zuwanderer aus den Ländern der Europäischen Union kommen und nicht, wie gefühlt, ‚bestimmt’ Türken und Araber sind, die nämlich in Wahrheit nicht einmal fünf Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen? Von einer islamischen Invasion kann also keine Rede sein - auch wenn ein Großteil des Publikums das so wahrzunehmen scheint.“ (9)
    Die Betonung und Häufigkeit, mit der Frau Foroutan Worte wie „Wir“ und „Uns“ in ihrem Interview benutzt, ist einfach erstaunlich und bestätigt die Aussage von Deniz Ülke Arigogan. Die „Wissenschaftlerin“ Foroutan diagnostiziert die deutsche Befindlichkeit auf Basis einer seltsamen Interpretation von den Symptomen. Sie erklärt, dass ein Hautausschlag, der bei den Deutschen in Folge des aseptischen Multikulturalismus aufgetreten ist, in Wirklichkeit harmlos sei und überschätzt würde: denn die symptomatischen roten Flecken des Ausschlags stellen nur 5% der gesamten Körperfläche dar. Na super! Eine territoriale „Eroberung Logik“. Die Frau sollte es doch wissen, dass nur 5% Salz in der Suppe diese ungenießbar macht.
    „Unsere Eltern haben Deutschland aufgebaut“ behauptet in der Fernsehsendung „Hart aber fair“ am 01.09.10. die von Sarrazins Buch beleidigte Journalistin Asli Sevindim und meint damit den ersten türkischen Gastarbeiter in der BRD. So oder so ähnlich entsteht ein Mythos über türkischen Heroismus in Deutschland. Was sie dabei vergessen hat, dass die ersten türkischen Gasarbeiter mit ihrem in Deutschland gut verdienten Geld mit Sicherheit aufgebaut haben, waren ihre mittelalterlichen anatolischen Dörfer.
    Frau Sevindim entblößt sich noch weiter, indem sie sagt, Zitat: „ …diese Menschen sind nicht angeguckt worden, bevor sie in einen Zug gesetzt wurden. Sie wurden auch nicht gefragt ob sie deutsch sprechen. Diese Leute sollen arbeiten!“ Im historischen Kontext ist das eine beispiellose Impertinenz. Pfui Frau Sevindim, entweder sind sie so dumm oder einfach nur taktlos? Sie verdreht historische Fakten und provoziert mit Assoziationen, welche  an Nazi-Methoden erinnern, die in diesem Kontext absolut irrelevant sind. Ihre Landsleute wurden weder nach Deutschland verschleppt noch zur Arbeit gezwungen. Als freie Menschen hätten sie auch jederzeit nach Hause zurückkehren können, was sie aber offensichtlich nicht wollten. Wenn jemand sie „abtransportiert“ hat, weil ihr Interesse daran nicht geringer war als das der deutschen Wirtschaft zur damaligen Zeit, dann die türkische Regierung selbst, die auf diese Weise ihre Probleme mit der Arbeitslosigkeit im eigenen Land  lösen wollte. Ich verstehe auch die Aufregung nicht über die angeblich von den Deutschen „versäumte Integration“, die für aktuelle soziale Missstände verantwortlich sein sollen. Solange die türkischen Migranten den Gastarbeiterstatus genossen haben, bestand kein Grund, das formale Arbeitsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu personalisieren. Nur dann, wenn ich die Tochter meines Chefs heirate, kann ich auch mehr Interesse an meiner Person und in die Integration in die Familie erwarten.
    Renate Künast, die stolz ist, in einem Land zu leben, in dem so kluge und mutige Frauen türkischer Herkunft leben (?!?), versprach, die Integrationsprobleme bald mit entsprechendem Respekt in den Griff zu kriegen. Warum mit Respekt und nicht mit Entschlossenheit? Haben andere soziale Probleme wie z. B. Arbeitslosigkeit keinen Respekt verdient? Was Frau Künast mit dem Respekt meint ist Angst. Eine Auseinandersatzung schließt den gegenseitigen Respekt nicht aus, aber Angst macht sie unmöglich. Erfahrungsgemäß werden Künast und ihr pro-islamisches grünes Lager jede Art von moslemspezifischen Problemen vermeiden, auch um den Preis des sozialen und kulturellen Kollapses.

    Aus der Konfrontation des Islam mit der westlichen Kultur entstehen „Verluste“ auf beiden Seiten. Der aus der zwischenkulturellen Reibung entstandene Abrieb formiert sich in zwei gegenüberstehenden Randgruppen: die integrierten und die konvertierten. Aus der Sicht strenggläubiger Moslems leben prominente Türken und Türkinnen genauso „zu westlich“ wie hunderte von jungen Frauen, die deswegen ermordet wurden. Sie mussten für die Ehre ihrer familiären Zuhälter sterben, weil sie nicht wie Frau Sevindim, Sezgin oder Foroutan den Schutz der Öffentlichkeit und der eigenen aufgeklärten Familien genießen konnten. Der Islam muss  jeden moderaten, integrierten Moslem als einen Verlust betrachten, weil seine Überlebens-Strategie auf die Quantität angewiesen ist. Aus der europäischen Sicht sind ein paar tausend zum Islam konvertierte Freaks keine wirkliche Gefahr für die abendländische Kultur, die gerade deshalb so fortschrittlich geworden ist, weil sie immer die Qualität bevorzugte.

    Eine gute Religion ist eine tote Religion.
    Der Grund, weshalb der Islam kritischer als andere religiöse Phänomene beobachtet werden sollte, ist nicht bloß die  für den Monotheismus typische Menschenfeindlichkeit, sondern seine bedrohlichere Vitalität. Wenn sich Dummheit und Religiosität in ihrer Minderwertigkeit gegenseitig anstecken, dann sind sie unzertrennbar. Ob das Christentum gut genug therapiert wurde, um sich dem Scharm und der Potenz eines lebendigen Islams  widersetzten zu können?  Das kann man nur hoffen. Entscheidend  ist, wie viel irrationales wir in der Öffentlichkeit  bereit sind zu tolerieren.
    Es wäre nahezu unerträglich, von Langeweile abgesehen, in einem sterilen Welt ohne  kleinste Gefahren und Schönheitsfehler leben zu müssen, in dem Hunde nicht beißen,  es keine Taschendieben gäbe, das Essen von alleine den Mund fände und alle so klug wären wie Roger Willemsen.
    Der Kampf gegen menschliche Dummheit kann und darf  nicht gewonnen werden und  ist genauso zum Scheitern verdammt, wie der berühmte Kampf gegen die Drogen. Trotz der Selbstverletzungsgefahr, muss er fortgesetzt werden, um das gesunde Gleichgewicht zwischen rationalen und irrationalen  beizubehalten. Ein Balanceakt, in dem  Idiotien nicht mehr toleriert werden dürfen, als es die Vernunft erlaubt. Wer die eigene Grenze selbst nicht erkenn kann, dem muss es  gezeigt werden. So definiere ich auch die Islam- und Religionskritik.  
      

          (Februar 2011)

     

    1. "Tod den Idioten!" von Peter Sloterdijk erwähnter leicht satirischer Slogan aus den Transparenten der 68er Bewegung, die seiner Ansicht nach, unverschleiert zum Völkermord aufgerufen hat.
    2. Prof. Dr. Deniz Ülke Aribogan, Rektorin der Bahçesehir Universität Istanbul.
    3. Ryszard Kapuscinski - „Lapidarium II“, deutsche Ausgabe „Die Welt im Notizbuch“. Piper Verlag 2003.
    4.
        a)
    „Der Menschliche DNA Code, bestimmt nicht nur seine Äußerlichkeit, aber teilweise auch psychischen Eigenschaften und Auffälligkeit auf Krankheiten.“ Prof.Dr. A. Jerzmanowski. “Genes and men” 1995 Warsaw.
        b) Vererbung - Biologische Bezeichnung für die Gesamtheit aller von den Eltern an die Nachkommen auf biologisch-direktem Wege vererbten körperlichen und geistig-intellektuellen Eigenschaften, die die Art der individuellen Auseinandersetzung mit der Umwelt bestimmen. [Wörterbuch: Vererbung, S. 1. Digitale Bibliothek Band 83: Wörterbuch Psychologie, S. 2800 (vgl. WB Psych., S. 457)]
        c) Wikipedia spricht über einen wissenschaftlichen Konsens, der sagt „sowohl Vererbung als auch   Umwelteinflüsse bei der Intelligenzentwicklung eine Rolle spielen. Uneinigkeit herrscht allerdings darin, in welchem Umfang die einzelnen Faktoren relevant sind.“
    5. Die wohlfeilste Art des Stolzes ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt.“  Artur Schopenhauer
    6. Bassam Tibi: „Kreuzzug und Djihad“
    7. a) „Söhne und Weltmacht: Terror im Aufstieg und Fall der Nationen“, - Gunnar Heinsohn Zürich 2006.
           b) „Die verlorenen Söhne“ -  Necla Kelek
    8. „Transfer“ - Stanislaw Lem, Claassen Verlag 1974
    9. Interview mit Naika Foroutan,  Berliner Zeitung, 14. Dezember 2009.

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    ryszard kotonski

    Re-Christianisierung des Denkens

     

    Diejenigen, die schon mal von der ungehemmten Eindringlichkeit predigender Christen oder meist im Akkord missionierenden Evangelikalen irritiert wurden, sollten wissen, dass es für jene keine würdigere Aufgabe gibt, als im Auftrag ihres Herren die Welt nach seinem Bild zu verändern, und zwar mit jedem greifbaren Mittel, denn nirgendwo heiligt das Ziel die Mittel so sehr, wie bei der Verbreitung von religiösen Wahrheiten.
    Zwei weitere Besonderheiten sind bei der Begegnung mit einem Religioten nicht zu übersehen. Die nahezu unmenschliche Humorlosigkeit der Frommen und ihren persönlichen, direkten Kontakt zu Gott. Wer sich wundert, dass die Evangelikalen „die Simpsons“  nicht lustig finden,  hat  offensichtlich die Ernsthaftigkeit ihrer Situation nicht erkannt. Sie finden es nicht lustig, lustig zu sein angesichts der Verantwortung eines, die Wahrheit kennenden und tragenden Menschen. Diese Verantwortung  belastet enorm seine Stimmung und gibt  keinen Anlass zum Lachen. Im Gegenteil. Wenn Sie mit einer bis zum Rand gefüllten Tasse Tee vorsichtig und  konzentriert durch das Zimmer gehen, damit kein Tropfen ausgegossen wird, ist Ihnen auch nicht nach Spaß und Lachen zumute!  Es wäre natürlich ratsam, nur so viel in die Tasse zu gießen, dass man sich  frei und entspannt bewegen kann, aber genau das können Gläubige nicht, weil sie glauben  dass ihre „Tassen“ geradezu  überfüllt  sein müssen. Der religiöse Absolutismus lässt keinen freien Raum für Beliebigkeit und souveränes Denken. 
    „Der wahrhaft Gläubige untersucht keinen Glaubenssatz, schreibt Nicolas Chamfort. „Es verhält sich damit wie mit einer bitteren Arzneipille: Wenn man sie kaut, ist man nicht mehr imstande, sie hinunterzuschlucken".
    Offensichtlich wird die  Förmlichkeit der Christen damit großzügig  belohnt, dass Gott mit ihnen spricht. „Der Herr sprach zu mir…“, ist aber keine Metapher, sondern übliche Exaltationen  gespaltener Persönlichkeiten mit inneren Stimmen und ein  Sonderfall für die Psychiatrie. Eine Begegnung mit einem christlichen Medium  hat einen irritierenden Moment, in dem man zweifelt, ob das tatsächlich ein Gespräch unter vier Augen ist, oder ein "unsichtbarer Dritter" dabei ist. Wie ein leidenschaftlicher Onanist zu sagen pflegte: „Wenn ich Sex mit einer Frau habe, sind wir schon zu dritt.“    
    In einem langen  Brief eines gewissen Christoph, bin ich mit einem christlich geprägten Weltbild konfrontiert, das weder neu noch überraschend ist, und dennoch von keinem aufgeklärten Menschen akzeptiert sein muss. Seine seltsamen Theorien sind polemisch genug, um sie auf eine Art zu widerzulegen, die solchen fantastischen Theorien zusteht. Selbst der nicht endende Dialog mit den Religionen in all ihren möglichen Facetten, ist meines Erachtens zu konventionell, zu oberflächlich und zu diplomatisch. Und all das, aus der Angst, die sensible christliche Seele zu verletzen. Ich bin strickt dagegen, aus Bequemlichkeit diplomatisch zu sein, denn das wirkt äußerst unpädagogisch. Denn, wenn man den Religioten nicht wiederspricht, dann fühlen sie sich in ihrer Denkweise bestätigt und zu weiteren Exzessen ermutigt. Diese Regel ist allerdings universal  und trifft auf alle Arten von aktiven Idioten zu.

    Mit einer fragwürdigen Logik und einem beneidenswerten Eifer wurde ich über die angeblichen christlichen Wurzeln der Aufklärung, das vermeintliche Patronat der Kirche über die Wissenschaft und Kultur, die zentrale Frage des Glaubens, wie die Existenz Gottes, und zuletzt über den Atheismus als eine dritte, z.Z. in Europa schamlos agierende „Religion“ belehrt.

    Charakteristisch für die obsessiven  Christen ist,  dass sie aus Mangel an Argumenten die Bibel reichlich zitieren, als ob es eine legitime Erklärung ihrer Position wäre. Über die Hälfte des Briefes ist von Bibelzitaten  geradezu überflutet. Die Moslems benutzen das gleiche Manöver, wenn ihnen die wenigen, rationalen Argumente ausgehen. Sie zitieren den Koran, als ob der Übergang von der Wirklichkeit zur Märchenwelt eine der natürlichsten Sache der Welt wäre.
    Da ich als Agnostiker und Humanist mit der Bibel und schlechter Literatur nicht vertraut bin, kann und darf ich nicht darüber diskutieren. Aber weshalb sollte ich die Heiligen Bücher kennen, wenn ich mit ihren lebenden „Produkten“ nicht einverstanden bin?  In dem Fall verlasse ich mich auf die Meinung  derjenigen,  die sich in dieser Materie auskennen und denen ich auch ein gewisses Vertrauen schenke.  
    Mark Twain schreibt z.B.: Unsere Bibel offenbart uns auf exakte und bitterliche Genauigkeit den Charakter unseres Gottes. Das Porträt ist eigentlich das eines Menschen. Wen man sich einen Mensch vorstellen kann, der mit  über und über bösem Treiben weit über die menschlichen Grenzen hinaus ausgestattet ist. Seine Taten zeugen permanent von seiner rachsüchtigen, ungerechten, knausrigen, erbarmungslosen und nachtragenden Natur. Unauffällig bestraft er unschuldige Kinder für die Untaten ihrer Eltern, Völkern die niemandem ein Haar krümmen haben für Taten ihrer Herrscher. Die Bibel ist womöglich die meist belastende Biographie, die in gedruckter Form existiert.“
    Aktuell empört sich die Öffentlichkeit des  katholischen Portugals über das neuste Buch von Nobelpreisträger Jose Saramago „Caim“. Sein Fazit, die Bibel sei „ein Katalog von Grausamkeiten“  trifft genau den christlichen Solarplexus und korrespondiert mit Twains Meinung. Als das meist verkaufte Buch der Welt, hat die Bibel eine Gesellschaft erzogen,  in der alle Formen biblischer Grausamkeiten lebendig sind.

    Christoph schreibt:  „Ich weiß nicht, ob es schon viele Abhandlungen darüber gibt, in denen die Frage gestellt wird, warum eigentlich die Aufklärung in (West-)Europa statt gefunden hat und nicht in Arabien, Zentralafrika, China oder Indien.“
    Wenn eine solche Frage irgendwann gestellt wird, dann ist die Antwort  erstaunlich leicht: Jeder dieser Kulturen oder Welt - Regionen („Arabien“ ausgenommen),  waren zur keiner Zeit Ihrer Geschichte vom Monotheismus betroffen, daraufhin  ergab sich dort keine Notwendigkeit, gegen diese  Ideologie etwas zu unternehmen. Fernöstliche Länder entwickelten ihren Kulturen fast ohne  religiöse Konflikte. Eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Buddhismus, Shintoismus, Hinduismus, Taoismus gab es kaum, da der fernöstliche Mensch anders konditioniert ist. Er gehorcht nämlich keinem Generalissimus - Gott, der ihm einen selbstverfassten, „heiligen Idiotentest“ hinterlassen hat. Die religiös motivierte Gewalt spielt sich hauptsächlich zwischen den Anhängern des Monotheismus ab. Der in Konflikt mit dem Islam verwickelte Hinduismus ist die Ausnahme.
      
     „Ein erster Ansatzpunkt für die Frage, warum die Aufklärung in Europa statt fand, wäre der Hinweis auf die antiken Griechen. Auch diese hatten bereits eine Philosophie entwickelt, die anscheinend relativ unabhängig von ihrer Religion betrieben wurde, soweit ich das beurteilen kann“.
    Jede Revolution greift auf bestimmte Vorbilder und deren Werte zurück. Da das Gedankengut der alten Griechen sich gegenüber dem „Gedanken-Müll“  der Kirchenväter bewährt hatte, ist es selbstverständlich, dass der Universalismus, der von der sich emanzipierenden Gesellschaft im 17.Jahrhundert angestrebt wurde, seine Wurzeln gerade in der antiken Kultur fand. Nicht „auch“ sondern „die“ Griechen haben die Philosophie und den Humanismus erfunden, und lange bevor die Christen auf der Welt- Bühne erschienen.

    Mit den sogenannten  „christlichen Werten“ ist es genauso wie mit  den übrigen Ideen. Sie sind nur so viel wert, als wie man sie umsetzen kann. Bedauerlicherweise, wie unsere Geschichte es zeigt, sind alle höheren menschlichen Ideale, gleich an obskurer menschlicher Natur gescheitert. Da irrt sich der Publizist und gläubige Katholik Matussek, wenn er seine tolerante Lebenseinstellung aus dem Wesen und Werten des Christentums zieht, als wären die Menschenrechte vom Himmel gefallen. Humanität und Toleranz ist historisch erzwungener Umgang mit Menschen, die  als Bürger und nicht mehr als königliche bzw. päpstliche „Untertanen“ in der Demokratie leben dürfen. Hätte sich der Laizismus und Humanismus in der heutigen Form nicht durchsetzten  können, dann würde vielleicht Herr Matussek, wie auch viele von uns, bei öffentlichen Exekutionen auf dem Marktplatz  fröhlich applaudieren.
    Nicht die Katholische Kirche regelt den gesellschaftlichen Verkehr,  sondern ein gut funktionierender Rechtsstaat. Ein Beispiel:  Radikale  Katholiken haben kein Verständnis für Kritik an ihrer Religion, auch nicht durch die  Kunst, die sie nur durch ihre christliche Brille zu betrachten und zu bewerten in der Lage sind. Sie würden gerne viele Künstler für ihre blasphemischen Werke verbannen  oder auch töten; und das ist gewiss kein Zeichen von Nächstenliebe und Toleranz. Wenn sie das doch nicht tun dürfen, verdanken wir das nur den Gesetzen eines säkularen Staates und nicht der Barmherzigkeit des Pöbels.  
    Zwar ist die christliche Lehre nicht unbedingt menschenfeindlich, aber dass die modernen Menschenrechte nicht von der Katholischen Kirche proklamiert wurden, ist sicherlich sie zutiefst bedauerlich. Der Vatikan ist immer noch der einzige Staat Europas, der die Menschenrechtskonventionen nicht  unterschrieben hat, was darauf hinweisen  könnte, dass für den Vatikan nicht der Mensch das Maß aller Dinge ist.
    Seit der Machttrennung von Staat und  Kirche läuft  für die beiden nicht mehr so glänzend und reibungslos wie zuvor. Die Kirche befindet sich allerdings in der bequemeren Position eines Beobachters, der keine politische oder wirtschaftliche  Verantwortung für die Gesellschaft trägt, aber gleichzeitlich aus der Enttäuschung, Angst und Unzufriedenheit der Menschen seinen Vorteil zieht.

    Wie Wasser in Wein, wandeln die Religionen alle politischen Misserfolge in ihre Erfolge um. Das Beispiel Irans und Polens zeigt die Unfähigkeit eines unterdrückten Volkes, der Vorteil  ihrer Befreiung beizubehalten. Politisches Versagen wurde automatisch von religiöser Diktatur korrigiert, das Volk „übernommen“ und beherrscht. Kann die Menschheit überhaupt in einem ideologisch neutralen Zustand längere Zeit existieren und sich dabei konfliktlos entwickeln? Müssen wir tatsächlich päpstliche Enzykliken lesen um zu erkennen, dass die Welt ungerecht ist?

    Die Distanzierung der Kirche zu den eigenen Verbrechen in ihrer langen grausamen Vergangenheit, ist z.Z.  eine Taktik, die gut ankommt. Bezüglich der Re - Christianisierung  gibt es eine bedenkliche Tendenz, sich fremde Verdienste sowohl historische Errungenschaften anzueignen. Ein Marken- schwindel und Plagiat, der  in religiösen Medien kolportiert wird. Es gibt aber keine christliche Philosophie(1), da der Unterschied zwischen Glauben und Denken nicht überwindbar ist.
    Es gibt auch keine „christliche Meditation“,  kein „christliches Yoga“ und sogar die Rockmusik wird zum Zweck der Missionierung missbraucht. Die „jugendliche“ Trendfreundlichkeit und  fiktive Verwandtschaft mit dem Humanismus, sollte die Kirche vor dem Sturz in die Bedeutungslosigkeit retten. Sie verkauft sich heute humaner und aufgeklärter denn je. Der Nachholbedarf ist  in der Tat groß, und die Anpassung an die freie moderne Gesellschaft muss ziemlich erniedrigend sein, für eine alte Institution die gewohnt war,  diese Gesellschaft selber zu steuern. Da die Wiedergewinnung von Autorität und Vertrauen nicht leicht ist, zwingt sich die Kirche zu oft akrobatischen Posen im  Kampf um ihre primäre Position als europäische Religion. Und  die Konkurrenz steht vor den Türen Europas. Eigentlich sie ist schon drin.
    Die „Traum – Beute“ der christlichen Begierde ist die Aufklärung selbst. Dass die Reformation nur mit einem Tapetenwechsel zu vergleichen ist, während die Aufklärung eine radikale, gesellschaftliche Wende war, die das feudal-kirchliche Herrschafts-Gebäude stürzte, wird von obsessiven Christen nicht verstanden. Immer öfter wurde die Reformation zu einer Befreiungsbewegung erhoben, beinahe gleich  der Französischen Revolution. Die Versuchungen, die Geschichte zu manipulieren (meistens durch Verleugnung wie beim Stalinismus, Nationalsozialismus, Japan, Türkei usw.), gab es schon in allen Totalitarismen. Kirchliche Reformatoren wie Jan Hus, Martin Luther, Calvin u.a. werden in dem Missionierungsprozess unauffällig zu großen Aufklärern  kreiert.  Der langsame aber ständige Zuwachs von bildungsarmen, aber frommen Massen, bietet eine ideale Plattform für die Ausbreitung solcher historischen Verdrehungen. Das 10.Gebot „Du sollst nicht das Hab und Gut Deines Nächsten begehren“, betreffen auch die Urheberrechte, liebe Christen! 

    „Nichtsdestotrotz wird man festhalten dürfen, dass Europa am Ende des 17. Jh., als die Aufklärung begann, 1700 Jahre lang vom Christentum mehr geprägt wurde, als von der griechischen Philosophie, aber man stellt auch fest, dass die christlichen Philosophen die griechische Philosophie durchaus studiert und akzeptiert hatten.“
    Der Einfluss des Christentums auf die europäische Kultur, die Zeitrechnung ausgenommen, ist unumstritten. Durch ihn sind wir z.B. mit dem Rassismus, Antisemitismus oder der Homophobie unumkehrbar stigmatisiert. Und das sind nur die bekanntesten Schandflecke des christlichen Erbe. Diktaturen prägen selten. Sie zwingen, unterdrücken und terrorisieren eher, was viel radikaler „beeinflusst“ und den historischen Tatsachen entspricht. Selbst die atemberaubende Schönheit der Kathedralen und die Gregorianischen Gesänge können  das soziale Elend und mittelalterlichen Gestank als negative Resultate der „Beeinflussung“ nicht rechtfertigten! Der christliche Beitrag zur europäischen Kultur beschränkt sich im Wesentlichen auf die Selbstdarstellung in architektonischem Monumentalismus, elitärer religiös inspirierter Kunst, großzügiger Finanzierung eigener Pracht und die Eitelkeit des Klerus. Ideologisch nicht konforme Kunst wurde in allen europäischen Diktaturen entweder als „entartet“, “ klassenfeindlich“ oder „ketzerisch“  rücksichtslos  verfolgt. Auch Mittel - und Südamerika wurde vom Christentum „beeinflusst“. Und wir alle wissen, mit welchen Mitteln. Das bedeutet aber nicht, dass die Nachfahren der Inkas und Mayas zum christlichen Erbe zählen, weil sie mal von den Christen vergewaltigt wurden. Auch das Christentum ist nicht europäisch, und wie alle Monotheisten, jenes aus der Wüste(2) in die Wälder Europas.
    Auf gewisse Weise wäre der Aufklärungsprozess ohne das Christentum tatsächlich nicht möglich, genauso wie die Antimafia - Gesetze ohne Mafia nicht entstanden wären oder Umweltschutz ohne Umweltverschmutzung.
    Es ist schon ziemlich mutig, kirchlichen Despotismus als Kultur - Protektorat zu bezeichnen. Die katholische Kirche hat nur solche „Wissenschaft“ zugelassen und unterstützt, die ihrem christlichen Weltbild nicht wiedersprach. Religiöse Dogmen sind nur mit einer Pseudowissenschaft zu begründen, deren repräsentatives Fach Theologie heißt. Sie ist der letzte Anachronismus im Bildungswesen, der weiterhin wissenschaftlichen Status genießt. Allerdings, jede Belanglosigkeit präsentiert sich viel besser, wenn sie studiert wird. Die Religion gehört nur  bedingt und mit großen Vorbehalten zur Kultur. Ungezogen formuliert,  gehört sie zur Kultur wie ein Parasit zu dem Organismus, den er bewohnt. Die Kirche hat schon zu viele Kulturen erobert, vernichtet und deren Völker versklavt, um sie im Kulturkreis willkommen zu heißen. Sie war zurzeit ihrer Ausbreitung der Kultur-Killer par excellence. Kultur heißt Denken, Bewegen, Transformation und Interaktivität. Die Religion ist das Gegenteil davon.  
    Auf dem verbotenen Index  des Vatikans  gelandete Bücher wurden  nur dadurch nicht zusammen mit ihren Verfassern auf dem Scheiterhaufen verbrannt, da es überhaupt an Büchern mangelte. Für die späteren Diktaturen des 20. Jahrhunderts, als Bücher schon populärer waren, reichte allein ein Verbot nicht aus. Zur dieser Zeit also wurden  mehr Bücher als Schriftsteller in Europa verbrannt.

    „Dieses Neue Testament hat auch sicher jeder in Europa im 17. Jahrhundert mit der Muttermilch aufgesogen, auch jeder aufgeklärte Philosoph.“

    Ja, vorausgesetzt, dass die mütterlichen Brüste im 17. Jahrhundert das neue Testament gelesen haben.  Leider ist es nicht die Muttermilch, die den menschlichen Charakter formt, sondern die soziale Wirklichkeit jener Zeit. Angesichts einer  80% Analphabetismus - Rate im mittelalterlichen Europa, ist es schwer anzunehmen, dass die Kirche irgendwas  zum kulturellen Erbe Europas beigetragen hat. Noch nie in der Geschichte hat eine politische wie auch religiöse Macht freiwillig einen gesellschaftlichen Aufstand  unterstützt, wenn sie nicht eigenes Interesse daran hatte.  
    Das christliche Gehirn verbrauchte rund 2000 Jahren um seine Störungsfunktion zu fetischisieren und vernachlässigte dabei die eigentliche Entwicklung. Als Nebenwirkung dieser  Vernachlässigung entstand eine düstere  „Schatten-Welt“, jenseits derjenigen, die vergeblich auf Erleuchtung warten.
    Unkommunikativ, infantil und teilweise verloren, passt sich heute der gläubige Christ an die nicht biblische Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts an.  Die Christen und das Christentum, die an die darwinsche Evolution nicht wirklich glauben dürfen, evolutionären selbst,  ob sie wollen  oder nicht. Eine kleine, von Anfang an verfolgte Sekte, wird  innerhalb von dreihundert Jahren zum rücksichtslosen Despoten. Vom Gejagten zum erbarmungslosen Jäger und Eroberer. Eine umgedrehte Metamorphose von einem schwachen Schmetterling zu einer hässlichen Raupe.
    Um zu verstehen, wie gefährlich der Glaube an sich sein kann, braucht man nicht weit zu suchen. Der Glaube, dass Tigerknochen, Seepferdchen  oder pulverisierte Nashorn - Hörner eine aphrodisierte Wirkung haben, obwohl dies wissenschaftlich wiederlegt wurde, trägt  direkt zur  Ausrottung dieser seltenen Tiere bei. Der mittelalterliche Glaube an Hexerei hat Tausende von Frauen das Leben gekostet.  Zigtausende von Jahren brauchte der Homo Sapiens um sich zu vermenschlichen, doch  innerhalb eines Augenblicks kann seine Menschlichkeit verlieren. 

    „Ob Gott existiert kann die Aufklärung weder beweisen noch widerlegen, die beiden Sphären Glaube und Wissenschaft haben doch im Prinzip nichts miteinander zu tun.“
    Gewiss, und deshalb ist es  nicht die Aufgabe der Wissenschaft, die Existenz von Nichtexistenz zu wiederlegen, was allein schon ein  Absurdum ist. Die Gottesexistenz zu beweisen ist die Aufgabe derjenigen, die behaupten ihn getroffen zu haben. Man ist so lange unschuldig (nichtexistent) bis einem die Schuld (Existenz) bewiesen wird. Verleugnung und Verdrängung  gehören zur religiösen Systematik mit logischen Fällen umzugehen. Ich kann nicht beweisen, dass ich am 02.11.05 nicht auf dem Mond gewesen bin. Und wenn ich das nicht kann, musste ich dann dort gewesen sein?  Auf dieser Logik basierend arbeiten die christlichen Überzeugungstäter. Die Gläubigen setzen einfach die göttliche Anwesenheit als Realität  voraus, und erwarten, nach einer plausiblen Begründung nicht gefragt zu werden, als hätte jeder Mensch diesen Apriorismus mit der Muttermilch ausgesogen!?
    Da die Existenz Gottes nicht nachweisbar ist, und ausschließlich in den Köpfen der Gläubigen  als unbewusstes Bedürfnis spukt, ist jene  genauso schwärmerisch und abstrakt wie die Gedanken selbst. Der Glaube und Gott erscheinen gleichzeitig wie der Schall und Gehör, und auch gleichzeitig lösen sie sich auf wenn die Logik und Vernunft sie verdrängt. Vom religiösen Gehirn ist diese Eigenschaft nicht richtig wahrgenommen, aber genau deshalb ist er religiös. Im  Gegensatz zu Gott gibt es den Berg Fujiyama wirklich, ob man daran glaubt oder nicht. Was die Humanisten angeht, ist es ihnen lieber noch nicht zu wissen, als schon zu glauben. Mit dieser Einstellung bewahren und setzen die Humanisten das hellenistische Erbe Europas fort, deren bekanntester Philosoph Sokrates das perfekte Statement  aller  Ungläubigen formuliert  hat: „ich weiß, dass ich nichts weiß“.      
    Meine Beziehung zur Religion ist durch die kurze aber präzise marxistische Maxime festgelegt, die jeder kennt. Religion ist die Einstiegs - Droge par excellence mit einem unmäßigen Suchtpotential. Daher ist jeder „Religiot“ durch die Sucht nach blindem Fundamentalismus gefährdet. Die Feststellung „Religion ist das Opium des Volkes“ benötigt heutzutage eine kleine Korrektur. Zur Aggressivität der Gläubigen, ihre Wahrheit durchzusetzen, ergibt sich nun ein anderer, passenderer Vergleich - das Kokain. In der Konsequenz halte ich die, mit Religion betäubte menschliche Population, für nichts anderes als gewöhnliche Junkies. Je streng gläubiger (abhängiger) jemand ist, umso weniger glaubwürdig (zurechnungsfähig).
    Die Re-Christianisierung Europas bedroht mit ihrer Ausbreitung auch intellektuelle und politische Sphären. Und das ist tatsachlich höchst beunruhigend und alarmierend. Uns bleibt zu hoffen, dass die Anzahl der unaufgeklärten Intellektuellen nicht die kritische Grenze übersteigt. Das Ziel der Humanisten oder Atheisten ist nicht die Abschaffung von Religionen, sondern ihre Abschiebung dort hin, von wo sie ausgegangen ist - ins Dorf zurück.
    Die Ikone der Aufklärung und  mein absoluter Favorit Voltaire, hat die wahrscheinlich wichtigste Botschaft an die Zukunft ausgesprochen. Sie lautet:
    „Wenn es im Winkel irgendeiner Vorstadt einige Konvulsionärs(3) gibt, so ist dies eine schmutzige Krankheit, die nur den niedrigsten Pöbel angreift. Die Vernunft dringt in Frankreich täglich weiter vor, sowohl in den Kaufmannsläden als den Häusern der Großen, und die Früchte dieser Vernunft muss man so lange pflegen, bis es unmöglich ist, ihr Fortdauerendes Wachstum  wieder zu verhindern.“
    Ein passender Ort für  Verbreitung dieser Botschaft wäre Fassade  jeder Universität des Abendlandes als Hoffnungs-Institution  unsere Zivilisation. Diese Warnung zu kolportieren  wäre es nicht notwendig gewesen, wenn man, wie sich schon Sigmund Freud gewünscht hatte, dem gläubigen Bürger den Zugang zu Universität verbietet. Sehr radikal, unrealistisch aber wie konsequent!
    Weil sich nicht konfessionelle Bürger zum Wiederstand gegen unheilbare Pubertät organisieren wollen, ist der Atheismus noch keine Religion und wird keine sein.  Atheismus ist eine innere Haltung von selbstbewussten  Menschen, die den Mut haben, mit existentieller Sinnlosigkeit selbständig umzugehen, und trotzdem oder gerade deshalb, ethisch zu handeln.

                                                            _______________________________



    1. „Entscheidend ist zunächst, dass die christliche Theologie den Versuch unternahm, ihren Glauben in der Sprache der Philosophie zu formulieren…..;.“  „Ein eigenständiger philosophischer Anspruch wie in der Antike, war der Philosophie zu jener Zeit nicht möglich; sie war an die jeweilige Religion gebunden“ - („Das Verhältnis von Religion und Philosophie im Christentum und im Islam“ PD. Dr. Dr. Bertram Schmitz)

    „Der Unterschied zwischen Religion und Philosophie ist aber nicht der, dass der religiöse Mensch von der Existenz eines Gottes ausgeht und der Philosoph nicht. Philosophie ist nicht identisch mit Atheismus. Ein Philosoph kann im Verlaufe seines Nachdenkens durchaus zum Atheismus gelangen. (Wie es auch atheistische Religion geben kann! Siehe  Buddhismus.) Er kann aber auch zu der Auffassung gelangen, dass ein Gott existiert, bzw. dass dies wahrscheinlich oder möglich ist. Aber er kommt zu diesem Ergebnis im Verlauf eines Denkprozesses und nicht auf dem Wege des blinden Glaubens“.
    Peter MöllerReligion und Philosophie“

    2. „Monotheismus“, soweit man dieses Wort verwenden kann um at-tawhîd zu übersetzen, obwohl es seine Bedeutung einigermaßen beschränkt, insofern man unausweichlich an einen ausschließlich religiösen Gesichtspunkt denkt, hat einen wesentlich „solaren“ Charakter. Dies ist nirgends stärker „wahrnehmbar“ als in der Wüste, wo die Vielheit der Dinge auf ein Minimum reduziert ist und wo zur gleichen Zeit Trugbilder all das Illusorische der manifesten Welt verdeutlichen.

    3. Die Konvulsionen hatten ihre Vorgeschichte seit 1727 mit den Wunderheilungen auf dem Grab des im Volk sehr beliebten Diakons Francois Paris auf dem Friedhof von St.Medard. Nach dem Scheitern ihres Wiederstands in die Kirche griffen die Jansenisten diese Wunder auf und interpretieren sie in figuristischer Manier als Zeichen Gottes zugunsten ihres Anliegens. Entsprangen die Heilungen zunächst noch einem spontanen Volksglauben, so wurden sie ab 1730 zu einem Instrument jansenistischer Propaganda, der Friedhof zu einem Umschlagplatz jansenistischen Schriften, und die Verehrung Paris wurde in Rahmen der Polemik gegen Unigenitus eingebunden. In dieser aufgeheizten Stimmung begannen im August 1731 die erste Konvulsionen, d.h. schmerzhafte, lang andauernde Krämpfe, die als unmittelbares Zeichen des Wirken Gottes im menschlichen Körper gedeutet wurde und an deren Ende in einigen Fällen die Heilung des Konvulsionärs stand. Die Konvulsionäre selbst stammen zu einem großen Teil aus dem mittleren Pariser Bürgertum, die Teilnehmer an den Versammlungen aus dem Adel und dem gebildeten und wohlhabenden Bürgertum. Die Zahl der Konvulsionen nahm in der Folgezeit so stark zu, dass die Obrigkeit sich genötigt sah, den Friedhof St.Medard am 29.Januar 1732 zu schließen.   

     

    (Dezember 2009)

     

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    Polanskis „California Dream“

    Die US Amerikaner brauchen schon kein Brot mehr. Sie verlangen nur nach Spiele. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist es ein Privileg der Massen, sich auf Kosten der Prominenten und Wohlhabenden zu amüsieren, wenn diese zugrunde gehen. Offengesagt, das „Schadenfreude – Syndrom“ ist das beliebteste Unterhaltungsangebot des Kapitalismus überhaupt.

    Das, was im Fall Polanski tatsächlich skandalös ist, ist die überraschend schmeichelhafte Entscheidung der Schweizer Justizbehörde einen fremden Justizapparat zu unterschützen, der  allgemein als  Karikatur gilt. Mit unverhohlener Offenheit blamiert sich Justizministerin Widmer-Schlumpf und zeigt sich von der Kritik unbeeindruckt: "Wir finden in der Schweiz, dass das Recht durchgesetzt werden soll."  
    Ob die gerechten und anständigen Schweizer Beamte genauso schnell und bedingungslos der globalen Verbrecher und ihrer dubiosen Geschäfte zu enthüllen bereit sind?  Warum gerade Polanski, wenn die Schweizer Keller voll von Leichen größeres Kaliber sind? Anscheinend war der Regisseur Polanski zu Zeit der moralischen Erleuchtung der Schweizerischen Justizbehörde unglücklicherweise in der Nähe.
    Die in der Öffentlichkeit nicht zitierten Fakten sprechen eine andere Sprache über die Umstände vor 32 Jahren. Sie alle hier zu nennen ist kaum möglich. Deshalb empfehle ich im Fall einer medialen Überreizung immer feste Literatur, also Bücher. Die neurotischen Medien von der Oberflächigkeit des Scheines leben, lassen sie sich von den Fakten nicht beeindrucken.
    Alles hat angefangen mit jener der VOGUE Ausgabe, für die sich Polanski verpflichtete hatte, Bilder zu machen. Der Teenager Samantha Geimer alias Sandra* aus San Fernando Valley war eine von  fünf Mädchen aus fünf Nationen, die als Models ausgewählt wurden. Sandras lockeres Benehmen und Umgang mit dem eigenen Körper überraschte  Polanski. Sie war fast so größ wie er und hatte den Körper eines 18- jährigen Mädchens. Die erste Treffen mit Sandra, ihrer Mutter Jane und Mutters ständig bekifften Freund Bob beschreibt Polanski so: Ich habe sie diskret beobachtet. Die Begeisterung Henris (Henri Sera) konnte ich nicht teilen. Ich war eher ein wenig enttäuscht. Ungefähr meine Größe, schlank, graziös mit für ihr Alter ungewöhnlicher, krächzender und lautloser Stimme. Sie war schön, aber nicht berauschend schön.“**
    „Während unserer Foto-Session am Strand habe ich sie gebeten sich umzuziehen. Sie zog ein frisches  T-Shirts an. Obwohl sie keinen BH trug, habe ichkein Anzeichen von Verlegenheit gemerkt".
    Sandra besaß die für Teenies natürliche Neigung, mit der eigenen Schönheit zu provozieren. Wie sich später herausstellte, war Polanski nicht ihre erste sexuelle Beziehung, aber offensichtlich die erste, deren Veröffentlichung sich für das  Mutter-Tochter Komplott lohnte.
    „Unterwegs zu Nicholson Villa für eine weiteren Foto Session, hat Sandra zugegeben, dass Sie mit ihrer ersten Liebe schon beim ersten Treffen ins Bett gegangen ist.“    
    Einer Vorstellung von dieser Familie, insbesondere die Mutter Tochter Beziehung, liefert die Rolle Sharon Stones und Alexis Dzienas aus dem Jim Jarmush Film „Broken Flowers“.
    Man sollte auch erwähnen, zur welcher Zeit sich diese folgenreiche Begegnung abspielte. Acht Jahre nach Woodstock stand die Flower - Power Ära noch in ihrer vollen Pracht. Ungezogene Sex - und Drogen Experimente in kreativen und weniger kreativen Schichten gehörten an der West Küste zu den  angesagten Trends. Vermutlich, die einzigen unschuldigen Wesen waren zur jener Zeit die kalifornischen Seelöwen, wenn sie sich fern vom Strand hielten. Gleichzeitig aber gab es auch viele Plätze, an denen die „Make Money“ Ideologie noch stärker war als die  Präsenz von „Make love“. Kalifornien gehörte dazu. Noch stärker als woanders strebten die Kalifornier nach Ruhm, Popularität und Geld. Ein Hollywood Star war ein Traum - Opfer für jeden, der sich unterschätzt fühlte.
    Es gibt in dieser Geschichte noch eine schwer erklärbare gesetzliche Besonderheit. Die Altersgrenze vor sexuellen Handlungen geschützten Jugendlichen ist offensichtlich  schwer festzustellen. Je nach Bundesstaat ist das  Schutzalter zwischen 13 und 18 Jahren gesetzlich festgelegt (Angaben aus den 70er Jahren). Das Erlangen der biologischen Reife innerhalb einer Klimazone ist aber individuell reguliert, was eine präzise rechtlicher Markierung unmöglich macht. Bekanntlich geben sich junge Mädchen gern älter aus als sie sind. Der einzige Verlass in solch unsicheren Situationen liegt in der eigenen Erfahrung,  an einem „guten Auge“ oder dem Personalausweis (?)… Sonst spielt man mit dem Feuer.
    Im Jahr 1976 wurde in L.A die Strafe wegen sexuellen Missbrauchs von 25 % der Angeklagten zur Bewährung ausgesetzt. Unter ihnen Schullehrer und Polizisten.
    Schon eine Unterschreitung der Altersgrenze um einen Monat kann in den USA bestraft werden. Wenn man aber ein wenig Geduld hat, ändert sich die Lage diametral. Ein paar Wochen können darüber entscheiden, ob man ein anständiger Bürger bleibt oder wie ein psychisch Kranker behandelt wird.

    Es ist schon eine Groteske, Polanski  psychologisch  zu untersuchen, und nicht die  Gesetzgeber, Wanderprediger und ihre Kundschaft, Kreationisten und Politiker. „Irre - Wir behandeln die Falschen“ hat Manfred Lütz  sein letztes Buch genannt. Das ist genau der Fall! Warum kam keiner auf die Idee, Präsident G.W.Busch  psychologisch zu testen um die Welt vor seinem gewalttätigen Wahnsinn zu retten? Wenn man die Kuriositäten der amerikanischen Gesetzgebung analysiert, beginnt man zu zweifeln, ob wir  trotz der gleichen Verherrlichung von Geld und Demokratie zum selben Kulturkreis gehören.
    Die besten Kommentare zur dieser Epoche in der USA, kommen von Timothy Leary. „Die Jagd ist natürlich der größte Nervenkitzel für die Säuger. Das Urteil richtet sich gewöhnlich nach den Stellenwerten des herrschenden Moralmarkts. Die Zeremonien der Jagd auf Sünder, ihre öffentliche Anklage und die Forderung nach Vergeltung sind die grundlegenden religiösen Zeremonien von domestizierenden Primaten. Die Presse spürt, was die Öffentlichkeit hören will und erzählt dann genau das, um die Zeitung verkaufen zu können“.

      * In seiner Autobiographie nennt Polanski  Samantha Geimer – Sandra
    ** Alle Zitaten aus dem Buch von R.Polanski „Roman“, Wydawnictwo Polonia 1989.

    R.Kotonski, Januar 2010

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    ryszard kotonski

     

    Ein Wort zum Sonntag.
      Plädoyer für bedingungslose Grundeinkommen


                                                          

    Man sagt, dass der Mensch sich vom Zwang der Natur befreit hat, um sich dem Produktionszwang zu unterwerfen. Da die Unverträglichkeit des Überflusses einerseits, und die Ungerechtigkeit andererseits die Menschenwürde  sukzessive  vernichtet, muss sich der Mensch von der Arbeitsliturgie und dem Produktionszwang befreien.  Die Moralapostel ungeklärter Herkunft, meistens aus den politischen Lagern, haben viele Gründe,  diesen natürlichen Umdenkungsprozess zu verhindern.  Wenn es ihnen nicht gelingt,  das Arbeitsethos zu reanimieren, und  nach Gott auch die Arbeit stirbt, so gibt es einen  wichtigen  Grund weniger  sie zu wählen.
    Eines hat die Politik von der Kirche gelernt:  nämlich zu predigen, wenn es für Handlungen keinen Spielraum mehr  gibt. Man hätte gerne den Dekalog um ein weiteres Gebot erweitert:  „Im Schweiße  Deines Angesichts sollst Du Dein Brot erwerben“, der bei der postindustriellen klassenlosen  Massengesellschaft Schuldgefühle erzeugt, dass sie sich  noch mehr anstrengen  ihre eigene Misere  zu genießen. Woran geglaubt werden sollte, ist vor allem  die moralische Überlegenheit der Arbeit über die  Bezahlung. Die Arbeit selbst ist die  Belohnung, die Buße, das Alpha und Omega der frommen Bürgerschaft. Wer daran glaubt wird heilig.
    Die mit der Erbsünde geborenen Christen, die ihre Schuldgefühle mit sich tragen, sind verständlicherweise  auch  Verpflichtungen,  konsequent den Forderungen ihres  Erlösers  nachzukommen. Was ist aber mit den „unbelasteten“ Ungläubigen, deren Seelen nicht gerettet wurden, die kein schlechtes Gewissen haben,  dass der Arbeitsmarkt  sie nicht braucht, und  sich dafür nicht schämen wollen?  
    Die  Mehrheit  akzeptiert  die neue Moral der individuellen Verantwortung (für das kollektive Versagen der Anderen), gehorsam und naturgemäß  schweigend. Um nicht als ausgestoßen angesehen zu werden (denn nur ein vermittelbar, werktätiger Mensch  scheint ein Mensch zu sein), lassen sich die mittellosen Ex-Arbeiter auf jenem Arbeitsmarkt, der für ihre Demütigung  mitverantwortlich ist, regelrecht  prostituieren.  Von Menschen die 20 Jahre in einem Betrieb gearbeitet haben, Flexibilität zu verlangen, ist eine Unverschämtheit! Wenn das keine Menschenverachtung  ist? Nicht nur die Verfassung, sondern auch der Bürger selbst,  muss immer öfter vor dem  Kalkül der politischen Angriffe  geschützt werden. Die Würde des Menschen  wird  so oft angetastet, dass man schon an ihr zweifelt und nach neuen Definitionen sucht,  damit die Relevanz des Grundgesetzes erhalten bleibt. Der Aufruf zur Selbstverantwortung bewegt in den Massen eine Welle des sozialen  Kannibalismus. Jeder der den  Ekel der täglichen Selbstjustiz-Vorführung  aushält,  wird  davon überzeugt, dass der Mensch  kein „Intelligent – Design“  sein kann.  Das „sozialbenachteiligte Milieu“  in ihren Vormittagssendungen  beklagt und beschimpft sich gegenseitig als asozial und präsentiert  stolz, die eigene Bereitschaft  um jeden Preis zu arbeiten.  Man kann sich leicht vorstellen, wie dieses Abscheuliche Spektakel  den  Wohlhabenden  amüsieren  muss, wenn sie das hören. Der große Erfolg der Minderwertigkeit ist, wenn  alle ihr Elend Teilen müssen.  Trotz  der demütigenden unterbezahlten Leiharbeit, sucht der Mensch nach neuen Möglichkeiten weiter gedemütigt zu werden. Bertolt Brecht hat das gut formuliert: „Die Unzufriedenheit von Arbeitern sei nicht so sehr durch die Ausbeutung verursacht als durch die Weigerung der Unternehmer, sie weiter auszubeuten“. 

    Die moralische Erneuerung des Kapitalismus  sollte mit der Umkehrung des bis jetzt geltenden Paradigma beginnen. Nicht der, der die Regel bricht soll  gewinnen, heißt es. Na endlich. Wir dachten, dass das eine Selbstverständlichkeit sei. Trotzdem muss man davon ausgehen, dass die Stabilisierung des Marktes weiter mit der Destabilisierung der Gesellschaft bezahlt wird.  Eine Kuriosität  in der Demokratie ist, dass in einem Rechtstaat die politisch-wirtschaftliche Komplizenschaft  unsere Existenz mehr negativ  verändert,  als die Legalität und selten aufgetretene  Rechtschaffenheit,  sie neutralisieren kann. Es ist ein schockierendes  Merkmal unserer Zeit, eine Spitze moralischer Heuchelei,  einen Mord zu bestrafen, während  der langfristige, erniedrigende  Tötungsprozess  der Existenzgrundlagen  von arbeitslosen,  nur als „systemimmanent“  angenommen wird.  Ein Minimum an Gerechtigkeit sind wir uns Menschen schuldig und  es ist absolut egal unter welchem politischen System  man zu leben hat, wenn die grundliegende  soziale Gerechtigkeit gewährleistet wird.  Die Schriftstellerin und Sozialkritikerin  Viviane Forester,  fragt  direkt:  "Muss man zu leben verdienen, um das Recht zu leben zu haben“?  Kein  Moralapostel wagt sich das zu bejahen,  auch wenn die Konsequenzen  ihrer Predigten  solch einen  Zustand nicht ausschließen.

    In der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte Art.1, ist zu lesen:Die Menschen sind und bleiben von Geburt frei und gleich an Rechten“. Es heißt aber nicht, dass der Mensch „freiwillig“ geboren sein kann. Diese Selbstverständlichkeit des  ursprünglichen Determinismus, der uns  von Anfang an begleitet,  sitzt in den Orten, in der Zeit  und den Umständen unserer irdischen Erscheinungen, wie  Ausgangs-Parameter die uns vorgegeben sind. In den westlichen Industrieländern geboren zu sein, ist gewiss ein vergleichbares Glück,  bedeutet aber, aus dem marktwirtschaftlichen Produktions- und Konsum Kreis nicht einfach entkommen zu können wenn das „Glück“ zu einer Falle wird. Jeder  ist in der wirtschaftlichen, politischen und religiösen  Wirklichkeit seiner Eltern gefangen, ohne ein Widerspruchsrecht zu haben.  Der Fatalismus der Geburt, ist nur mit der Endgültigkeit einer lebenslangen Haftstrafe zu vergleichen. Haben wir als Gesellschaft  das Recht Menschen die sich andere  Ziele  setzen, als die offizielle bürgerliche Moral  bevorzugt,  zum einem permanenten Casting zu zwingen, oder  sollten wir  nicht  ihre letztendlich  harmlose Untätigkeit (Passivität ist selten feindlich und aggressiv)  respektieren und akzeptieren? Eine  Zusicherung  des Existenzminimums  für  „Aussteiger“ und Verlierer  sollte eine Pflicht des Staates sein,  ähnlich wie die obligatorische Verpflegung eines Sträflings, und das aus dem einfachen Grund, weil sie Menschen sind.  Es bleibt unbegreiflich, warum jenen Menschen ein bedingungsloses  Grundeinkommen zu verweigern ist, während  die in Gefängnissen  eingesperrten  Kriminellen  jahrelang  bedingungslos unterhalten werden. Humanismus, anders als Rassismus, kann nicht selektiv  angewendet werden. Er muss übergreifend und bedingungslos  sein. Sogar in Umgang  mit Tieren, strengen wir uns human zu verhalten.  Weshalb ist das mit dem Arbeitslosen nicht möglich? 
    Konsequenz eines bedingungslosen Humanismus  im 21.Jahrhundert, ist ein bedingungsloses Grundeinkommen, und nicht deshalb weil es Finanziell möglich ist, sondern ethisch unabdingbar.

    Die allgemeine Befürchtung, dass die Einführung von bedingungslosem Bürgergeld eine generelle Faulheit verursachen würde, ist absurd.  Solange keine moralgerechte Zwangsarbeitslager entstehen werden, jede Befürchtung  der Arbeitsverweigerung ist unbegründet.  Ein bescheidenes Leben mit einem Grundeinkommen ist nicht jedermanns Sache. Da nur intelligente Menschen  sich nicht langweilen, lässt sich die Mehrheit gern beschäftigen um ihrem Tag einen Inhalt zu geben und damit auch den Lebensstandart zu verbessern. Die ehrenamtlichen Tätigkeiten, über die z.Z. viel diskutiert wird, und ihr bis jetzt  nicht ganz benutztes Potential, werden von der Einführung des Bürgergeldes sicherlich auch profitieren.  Der  von täglichen Sorgen  um die eigene Existenz befreite Mensch arbeitet viel effizienter und engagierter. 
    Eine Faulheits- Epidemie wird es nicht geben und die  Welt geht nicht unter durch den faulen Nichtstuer, sondern erstickt in seiner konsumkonforme Überproduktion und Vollzeit - Beschäftigung.
    Die Chinesen sagen, dass 2/3 des vollgefüllten Magens  dem  Menschen zu Nutze sei, und  1/3  den Arzt unterhält. Die ungebremste Unersättlichkeit  der Konsumgesellschaft  bringt Krankheit, Armut,  Umweltverschmutzung  und unterhält die Parasiten, Spekulanten  und Scharlatanen. Nicht nur von industriellem Abfall ist die Welt vermüllt. In die Biosphäre schwebt auch Ideologischer Schrott, und der Wahnsinn  des wirtschaftlichen  Wachstums  gehört dazu. 

    Fast jeder, nach seinem ersten Bedürfnis gefragte Arbeitslose, wird somit  die Arbeit vermissen. Man  könnte denken, dass er tatsächlich lebt,  um zu arbeiten. Nur auf den ersten Blick scheint  eine  solche Aussage richtig zu sein.  Das ist allerdings  die Logik  eines Belohnungssystems, der „Klassische Konditionierung“  des enthumanisierten Kapitalismus. Warum braucht der Arbeitslose kein Geld,  was eine direkte existentielle Notwendigkeit wäre? Dass das Geld  durch die Arbeit zu erwerben ist, weiß doch jeder.   Die verkehrte Reihenfolge  verrät, wie die Sklaven-Logik  in unserem Nervensystem „ein gepredigt“  wird.  Das Ansehen der  Arbeit als primäre Lebensnotwendigkeit, ist eine Selbstdegradierung  zur  wirtschaftlichen  Rentabilität, als ob nicht der Mensch dass Maß aller Dinge wäre, sondern der Profit.   
    Auch die sozialisierende Funktion der Arbeit wird weit überschätzt. Die sozialen Bindungen sollen auch außerhalb des Arbeitsplatzes entstehen dürfen  und  Eigeninitiative erfordern. Freiwillig angeknüpfte Beziehungen  sind in die Regel  dauerhafter und gleichzeitig einfacher abzubrechen.  Die  für einen Hungerlohn schuftenden Menschen  durch Arbeit zusammen zubringen, gelingt selten, und besonders nicht in einer permanent  angespannten  Arbeits-Atmosphäre, die von Leistungsdruck und Konkurrenzgeist durchdrungen ist. Die dunkle Seite  dessen, dass viele Menschen gegen  ihre Vorstellungen und Fähigkeiten, jede Arbeit  nehmen zu müssen,  ist  Mobbing,  permanente Frustration, Qualitätssenkung, Nomadisierung des Lebens und Depressionen. Die Existenz eines, bis zur selbst-Deformation getriebenen „flexiblen“ Menschen, der vom  Morgen bis zum Abend um die Selbstversorgung kämpft (Multijobber), unterscheidet sich kaum von der Existenz eines  Tieres, dessen  einzige Tätigkeit und Sorge die ständige  Nahrungsbeschaffung ist. Ist das DER Fortschritt, den man nach  5000 Jahren Menschengeschichte erreicht hat?  Oder steht er wieder am Anfang seiner Entwicklung? Die Verfügbarkeit von Zeit ist einer  die wichtigste Voraussetzungen für die bürgerliche  Freiheit,  wenn nicht von Freiheit überhaupt.  „Zeit zu haben“, darf nicht ein Luxus sein, sondern ein Recht. Ein durch Arbeit  „besetzter“ Mensch, ohne Zeit für persönliche Entwicklung, kann weder  der Kulturträger noch dessen Empfänger sein. Die Kultur braucht Menschen, die Zeit haben. Eine Zivilisation ohne Kultur wird barbarisch.

    (Juli 2009)

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    IDIOCRACY

     

    „Die Menge hat alle Rechte. Die Rechte eines Menschen in der Gesellschaft sind nicht von seinem geistigen Niveau abhängig, das ist die Demokratie. Demokratie besagt doch nicht, dass alle Menschen gleich sind, sondern, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben. Demokratie behauptet nicht, dass ich alle Menschen mit dem gleichen Maß zu messen habe. Allen ist gleiches Wahlrecht zu geben; deshalb wird das Ergebnis dann auch stets katastrophal ausfallen. Das hat schon Sokrates gesagt, und deshalb hat ihn die Demokratie der Athener hingerichtet. Weil die Mehrheit der Menschen dumm böswillig ist, ist auch die Regierung der Mehrheit dumm und böswillig, das können wir doch überall auf der Welt sehe“.  Jeshajahu Leibowitz

    Das TV Drama über die Verleihung des  deutschen Fernsehpreises  an  Marcel Reich-Ranicki  und seine  für viele sehr  überaschende  Kritik an die zeitgenössische,  dominierende und anspruchslose Massenkultur, die zunehmend und reflexlos konsumiert  wurde,  hat  hoffentlich ihre Folgen. Jetzt überschlagen sich die Macher und Aktionäre der Unterhaltungsindustrie, um  die Person Ranicki zu diskreditieren, mit dem Ziel die Fassung und das Gesicht nicht zu verlieren. Die Schuld an der intellektuellen Misere  des  Bürgertums  und die  unbeschriebene Verantwortung  für dessen Erziehung, leugnen sie.  Sie  schieben sie von sich ab! Die Spaß-Kreationisten bagatellisieren  die Folgen  ihrer  Handlungen  genauso schamlos,  wie zurzeit die Finanzspekulanten der frei-zügigen  Marktwirtschaft.  Eine andere Reaktion war allerdings  nicht zu erwarten. Die schlimmsten Verbrechen die sich Menschen gegenseitig  antun,  sind  in den Gesetzesbüchern nicht vorgesehen, darunter  die Gleichgültigkeit. Mit einem „Insider“ wie Gottschalk,  über die  Nebenwirkungen  der  „Fastfood-Kultur“ zu  debattieren, ist genauso absurd,  wie mit Generälen über die Notwendigkeit  des Krieges.
    Der Schriftsteller Ryszard Kapuscinski hat schon früh erkannt,  dass, „es keinen Sinn macht, sich in Kulturzeitschriften über die Idioten zu beschweren, denn Idioten lesen solche Zeitschriften nicht“. In diesem Sinne war der provokative Auftritt  von Marcel R. Ranicki auf einem „fremden“ Terrain  sicherlich  sinnvoll!
    Die  leichtverdauliche Kultur für  gezüchtete  bildungsarme soziale Schichten, ist  im  Vormarsch und bringt  Quoten, also Geld.  Der mediale Einfluss  ist so offensichtlich, das es schon lange zum Teil des politischen Systems gehört, wobei der sehr schlecht affirmierte Wort Propaganda vermeiden man Die Frage ist nicht  ob, sondern  wie,  und zu was werden wir „kreiert“,  wenn das  Fernsehen  die Erzieher der Nation schlechthin geworden sind.  Dummheit und Banalität sind schon salonfähig,  wodurch  die ständig wachsende Schicht von sekundären Analphabeten zu immer neuen Exzessen ermutigt werden. Die öffentliche Tolerierung  von expansiver Dummheit legitimiert ihre Gebrechen.  
    Die größte Gefahr für die Demokratie geht von der Demokratie selbst aus, denn es  ist doch offensichtlich, dass Idioten naturgemäß seinesgleichen wählen.   Das Mehrheitsprinzip wird der Menschheit zum Verhängnis, wenn die Mehrheit zu den sprechenden Verdauungsapparaten  mutiert und ihr Recht zu wählen beibehält.  Demokratie, wenn sie nicht zur Farce werden sollte, muss ständig auf eigene Qualität achten, unbeeindruckt  von  der Empörung der  Betroffenen.  Ein diplomatischer Umgang mit Idioten muss auch Grenzen haben, wenn sie auf dominierende  Positionen in Staat und Gesellschaft  vordringen. Und das ist gar nicht unmöglich, wenn man ihnen zu viel Raum für ihre vegetativen und instinktiven Aktivitäten überlässt.
    Es geht dabei nicht um die  Abschaffung des  Idiotentums, was nichts  anderes wäre, als ein Selbstverstümmelungs-Akt der Menschheit, sondern  eine  Begrenzung der Einflusssphäre derer,  welche in das politische Leben und die Kultur  hineinregieren wollen.  Mit anderen Worten: ich akzeptiere die Anwesenheit  von  Idioten in die Gesellschaft,  aber nicht das, dass  sie über meine Existenz entscheiden dürfen.  

    r.kotonski, 10.03.09

     

    OBEN________________________________________________________________________________________

     

    Gegen Islamisierung, als Akt der Verteidigung des Christentums? Oder geht es Christen dabei um   die Meinungsfreiheit, den Kern der Aufklärung und Demokratie?   
    Eindimensionale Religionskritik ist weder sinnvoll noch auf Dauer durchzuhalten:
    Auf der Bischofssynode im Vatikan, im Oktober 2008, wurde die Position des katholischen Christentums gegenüber anderen Religionen herausgearbeitet und folgende Grundposition postuliert:
    „ Judentum und Islam sind Alliierte der katholischen Kirche im Kampf gegen die Säkularisation und den Liberalismus und für die Anerkennung der öffentlichen Rolle des Glaubens.“
    Mit der Verwendung des Begriffs „ Alliierte“, wird sich hier bewusst der Rhetorik aus der Militärsprache bedient. Daher empfinde ich persönlich diese Erklärung des Vatikans wie einen Angriff fundamentaler Monotheisten gegen die Freiheit (als wären die intoleranten Nötigungen und Beleidigungen aus der islamischen Welt nicht schon genug)! Der Klerus probt hier ganz offensichtlich den Schulterschluss mit den monotheistischen Religionen, um vereint gegen konfessionsfreie, Atheisten, Agnostiker, Polytheisten, Säkulare und humanistische Freidenker vorzugehen. Die zu missionierende Humanmasse der „Ungläubigen und Abtrünnigen“ soll wohl auf dem freien Markt der Mission, wenn nötig mit vereinten Kräften, wieder auf den richtigen Pfad, zur Gottesfurcht (religio, griech.) zurückgeführt werden. Religiöse Fundamentalisten hätten am liebsten den öffentlichen Raum zurückerobert, die Trennung von Staat und Kirche aufgehoben, um Leben und Glaube „zwangs- zu verheiraten“. Das sind wohl offensichtlich die religiösen Machtvisionen aller fundamentalen Monotheisten. Der katholische Klerus biedert sich dem Islam an, welcher sich gegenüber andersgläubigen und Frauen, als ein intolerantes und repressives Herrschaftssystem darstellt.
    Desweiteren werden die Errungenschaften der Aufklärung von Monotheisten permanent als säkulare Störfaktoren des Glaubens angefeindet. Der Skandal um die Rehabilitierung der antisemitischen Piusbruderschaft, um den Holocaustleugner Williams, spricht für sich. Eine Kurskorrektur hin zum Fundamentalismus?  Ein fatales, kontraproduktives Signal, des traditionellen  katholischen Klerus an die islamische Welt, welche gerade ein roll-back in die Orthodoxie vollzieht.
    Für mich stellt sich immer drängender die Frage, warum eigentlich die, der Tradition verpflichteten Christen, sich gegen die Islamisierung positionieren? Sehen Christen die Wahrung der Menschenrechte, Demokratie, den Schutz einer liberal-säkularen Lebensführung vor Religionen und der Meinungsfreiheit als vornehmliches Ziel beim Kampf gegen die Islamisierung an ? Oder, „Gegen Islamisierung“, als einen Akt der Verteidigung des Christentums? Anders ausgedrückt: Wird der Islam von traditionellen Christen in erster Linie als Konkurrenz auf dem freien Markt der Mission empfunden?  In Gesprächen mit Kirchenvertretern, einem islamischen Vorbeter und einem Rabbi, haben diese unisono auf die gleichen Wurzeln der drei monotheistischen Weltreligionen verwiesen: „ Man ziehe letztendlich am gleichen Strang“!
    Um in einem religionskritischen Diskurs bestehen zu können, muss man religionsübergreifend diskutieren und auch kritisieren können, incl. Atheismuskritik , über unzulängliche Gottes- bzw. Gottes-Nichtbeweisbelege. Einseitige Positionierungen sind fehl am Platz und nicht im Sinne der Aufklärung, wenn man den Versuch starten sollte, den einen, seinen eigenen, vermeintlich „wahren Glauben“ gegen ein anderes Glaubenskonstrukt auszuspielen. Religiöser Narzissmus war jahrhundertelang der Grund für blutigstes Gemetzel in Religionskriegen und wir sind wieder auf dem Weg dorthin, wenn wir nicht aufpassen und wachsam sind.
    Deshalb die universal angelegte Religionskritik auf der VAF-page, auch auf die Gefahr hin, sich den Zorn aller „Rechtgläubigen“ zuzuziehen.
    „Glaube und Wissenschaft haben im Prinzip nichts miteinander zu tun“. Stimmt! Die Wissenschaft klärt gegen den immer stärker um sich greifenden kreationistischen, glaubensbedingten Irrsinn auf. Es stellt sich wieder einmal mehr die Frage, ob unreflektierter Respekt, vorrauseilende Rücksichtnahme und universelle Toleranz die richtigen Mittel im Umgang mit Religion an sich sind (damit sind alle Religionen gemeint, das Christentum mit eingeschlossen).
    Trotzdem ist klar, wenn Christen, Juden, säkulare Muslime, Anders- oder nichtgläubige und glaubens-abtrünnige von repressiven Ideologien, politischer oder religiöser Couleur bedroht und verfolgt werden, muss entschieden Mut, Zivilcourage und Widerstand gezeigt werden. 
    T.L.M

    OBEN________________________________________________________________________________________

     

     



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